Mittwoch, 04.10.2017

Triglavski Narodni Nationalpark

Die Soca ist nicht zu überbieten, so einen Fluss haben wir beide noch nicht gesehen. Wir turnen über und unter den Hängebrücken herum, seht Ihr uns?

sitzen träumend am Ufer

und vertändeln den ganzen Nachmittag, weil sich nach jeder Kurve ein noch fantastischeres Bild bietet.

Den Grund für diese unfassbare Farbe kennen wir nicht, der Grund des Flusses ist schneeweiß, da gibt es keinen Modder und das Wasser ist kristallklar. Hier ein weiteres Suchbild.

Und hier mal eines senkrecht nach unten von einer Brücke herunter aufgenommen.

Und das Beste am Ganzen? Unsere Trödelei wird belohnt. Wir nähern uns dem Pass von gestern diesmal von der anderen Seite und an seinem Fuss angekommen entdecken wir, dass man ab 17:00 Uhr darf den Pass befahren darf.

Wir reden uns noch eine Weile ein, dass das Schild auf der anderen Seite (der von der wir gestern kamen) so nicht stand, aber eigentlich wissen wir es besser. Bei Trenta machen wir Pause auf einer Alm, trinken Kaffee in der Sonne und essen Apfelstrudel.

Dort gibt es übrigens eine Informationstafel zu Bären und wir beschließen, dass das an dem Baum GANZ SICHER Bärenkrallen waren.

Dann schrauben uns über 25 Spitzkehren nach oben bis auf 1.611 Meter, die Aussicht ist der Hammer. Heute ist das Wetter viel besser als gestern, die Sicht ist super und zwischendrin kommt die Sonne raus. Von den Extremserpentinen am Randes des Abgrundes gibt es keine Fotos. Eine von uns musste fahren, beide sich gut fest- und zwischendrin den Atem anhalten, zudem wollten wir keinen übergroßen stumpfen Gegenstand auf der Fahrbahn darstellen, falls doch noch jemand kommt. Denn bis auf einen Slowenier und drei Motorradfahrer sehen wir niemanden auf der ganzen Fahrt.

Ein paar Angeberfotos haben wir dann doch noch gemacht. Einmal ganz unten noch mit Soca:

Eine kleine Kurve mit wenig vertrauenerweckender aber dennoch hübscher Absturzsicherung:

Das wohl ursprünglich aus Nepal stammende aber mittlerweile praktisch überall vorkommende Steinmännchengedönse:

der Banananblitz vor'm Panorama:

und der Bananenblitz vor'm Panorama mit Steinmännchengedönse:

Wir könnten ewig so weiterfahren. Die Baustelle, die uns gestern so jäh ausbremste ist verlassen und geräumt, die Straße ist ein bißchen unordentlich aber prima zu befahren.

Es ist zu schade, dass wir durch unsere lahme Anreise so wenig Zeit hier hatten, alleine in diesem Nationalpark in den Julischen Alpen könnten wir zwei Wochen zubringen.

Nach soviel unfassbarer Natur enschließen wir uns, eine letzte Nacht in Slowenien zu verbringen und stehen auf einem fast komplett verlassenen Campingplatz in Gozd Martuljek, den Bus so ausgerichtet, dass wir den Schnee auf den Bergen sehen können.

Mit dieser Aussicht speisen wir Haggis und angebrannte Bratkartoffeln, trinken Konter-Rotwein und schließen Slowenien für immer ins Herz. Mal ein paar Worte dazu: Alle Slowenen, denen wir hier begegnet sind, sind ausgesprochen freundlich und sprechen entweder ausgezeichnet Deutsch oder Englisch. Die Campingplätze sind geradezu luxuriös, alles ist neu und blitzeblank, jeder angesteuerte Rastplatz ist liebevoll gestaltet und ausgestattet. Wir fühlen uns willkommen und gut aufgehoben und ich bin wild entschlossen, wiederzukommen und mehr von diesem Land zu entdecken.

Morgen geht es zurück nach Österreich, die Autobahn werden wir meiden und stattdessen über den Wurzenpass und durch die Gurktaler Alpen streunen, hauptsächlich weil wir die Namen so lustig finden.

Mittwoch, 04.10.2017

Kater und Bären

Also das war so: Das Essen war großartig. Sonja hatte Forelle mit Feigen und ich Lamm. Geschmort. Viel Lamm. So lecker. Und salzig. Aber das Bier war auch lecker. Deswegen war das mit dem salzig nicht so schlimm. Wurde dann halt schlimm mit dem Bier. Das Restaurant war auch so gemütlich, mit Kamin, das war sehr warm, davon wurde es mit dem Bier noch schlimmer. Zum Schluß bekommt der Gast noch einen Schnaps. Den darf er sich selbst aussuchen und auch einschenken. Das hat auch nicht geholfen. Also schon. Ihr versteht.

Jedenfalls sind wir am nächsten Morgen gleich ganz früh so um 12:30 Uhr zu einer Soca-Wanderung aufgebrochen. Einer sehr gemächlichen Wanderung. Ging ja auch bergauf. Fühlte sich jedenfalls so an.

Aber Mannomann, was ist die Soca schön.

Und die Farbe...

Eine Hängebrücke gibt es auch, das haben sie hier alle paar Meter. Überhaupt ist die Gegend hier im ganzen Nationalpark super erschlossen, das Wort das mir dazu einfällt ist "liebevoll".

Wir erledigen die Hängebrücke trotz Katers extrem lässig, später sehen wir eine verzweifelte Italierin daran spektakulär scheitern. So sieht der Fluss von oben aus:

Einen tollen Wasserfall gibt es auch, der ist schlecht zu fotografieren, knappe 10 Meter hat er.

Zu unserem größten Entzücken entdecken wir Bärenspuren an einem Baum. Sind wahrscheinlich keine, könnten aber welche sein, denn Bären gibt es hier wirklich, dazu später mehr.

Das Wasser scheint außerordentlich gut zu schmecken, jedenfalls trinkt Murmel soviel davon, dass wir Sorge um den Wasserspiegel haben.

Wir können uns schwer trennen und beschließen, es noch einmal mit dem Pass von gestern zu versuchen, der Weg dahin führt nämlich immer an der schönen Soca entlang.

 

 

Dienstag, 03.10.2017

Der Pass passt nicht.

Nach einem raschen Einkauf am Camping-Shop (Käse und ein Regenschirm, das Wetter hat umgeschlagen) machen wir uns auf, den Vrsic-Pass zu überqueren um zum Fluss Soca zu kommen.

Wir überqueren einen anderen Fluss, die sind so türkisblau hier, dass es nicht zu fassen ist

und erreichen zügig den Pass. Ich habe einen Riesenspass beim Serpentinenfahren mit dem wendigen Bananenblitz, eine kopfsteingepflasterte Spitzkehre nach der anderen, immer ganz dicht am Abgrund entlang.

Tja, und nach der 12ten von 25 lustigen Kehren dann ein bekannter Anblick.

Eine Straßensperre. Alles Bitteln und Betteln hilft nichts, die Arbeiter sind freundlich aber bestimmt und lassen uns nicht durch. Also wieder zurück und erstmal Pause in einem steinernen Delta machen. Wenn man sich das Flussbett ansieht, kann man erahnen, was hier wassertechnisch im Frühjahr nach der Schneeschmelze los sein muss. Hier ein "finde-die-Murmel-Bild:

 

Da wir uns im Dreiländereck Slowenien-Österreich-Italien befinden, haben wir nach der frustierenden Straßensperre 2 Optionen.

a) wir geben nicht auf und fahren durch Italien zur Soca

b) wir fahren nach Villach in Österreich und essen Kaiserschmarn bis wir platzen.

EIne Abstimmung ergibt ein klares Unentschieden. Eine von uns hasst Italien, die andere kann aus Allergiegründen keinen Kaiserschmarrn essen. Allergie sticht aber gegen diffuse Italophobie und so gondeln wir los.

Zu Italien sage ich nur soviel: Gleich in der zweiten Kurve hinter der Grenze kommt uns auf unserer Spur ein ritzeroter Ferrari entgegen, dessen Fahrer konzentriert im Fussraum nach irgendetwas such, vermutlich seinen Verstand. Nur ein beherzter Seitwärtssprung des Busses Richtung Felswand konnte das Schlimmste verhindern, mein darauffolgender lautstarker Vortrag zum Thema Italien dauerte exakt so lange, bis wir wieder über die slowenische Grenze kamen.

Ach ja, die Soca haben wir dann gefunden.

Über die Napoleonbrücke fahren wir auf einer großartigen Straße entlang der Schlucht zu einem Campingplatz für Kajak-Fahrer.

Dort gibt es auch ein wunderschönes Restaurant, beim Einchecken haben wir schon die Steaks auf der Karte und die Bierhumpen auf den Tischen gesehen, da fallen wir heute abend ein.

 

 

Montag, 02.10.2017

Dragan bringt uns nach Bled

Und dann läuft plötzlich alles nach Plan. In Klagenfurt schickt uns der Caravanhändler zu Dragan. Der könne alles reparieren.

Dragans Werkstatt ist toll. Dragan macht uns Kaffee und Tee, seine Jungs wieseln in und um den Bus herum, schließen eine Schleifmaschine an der Innensteckdose an um mal richtig Strom zu ziehen und zu gucken, wo was weswegen rausfliegt, bauen den Sitz aus und suchen alle Sicherungen durch, bescheiden schließlich, ein USB-Adapter habe den ganzen Schlamassel verursacht. Den schmeißen wir gemeinsam feierlich in eine Tonne. Dann zeigen sie mir, wie man den SItz ein- und ausbaut, falls es nochmal passiert  und drücken mir Ersatzsicherungen in die Hand, 48 € bitte und gute Fahrt noch. Ich bin begeistert.

Sonja hatte nicht so viel Spaß wie ich und musste sich des Dachdeckers erwehren, der ihr seine diversen Verschwörungstheorien aufdrängte. Von der Gefahr implantierter RFID-Chips über die Unterwanderung unserer Bundeskanzlerin wurde es immer wilder, zu allem hatte er auch Broschüren, aus denen er zitierte und die sie unbedingt mitnehmen sollte. Nur der zackigen Arbeitsweise von Dragans Jungs ist es zu verdanken, dass sie nicht noch über die Scheibenweltverschwörung und Entführungen durch Reptiloide belehrt werden konnte.

Wir sausen los gleich in den Karawanken-Tunnel und erreichen "hier bitte Trommelwirbel und Tusch einfügen" tatsächlich in der Rekordzeit von 4 Tagen Slowenien. Also mal im Ernst, Nordschottland mit dem Landy haben wir schonmal schneller geschafft. Der neumodische Kram und der ganze Luxus überfordern uns anscheinend.

Sei's drum, jetzt sind wir da und es ist toll. Wir machen ein richtig schönes Rentner-Sightseeing-Event daraus. Wir wandern entlang des Bled-Sees und bestaunen die Burg und das Inselchen mit Kirchlein.

Brav lassen wir uns bequatschen und mit einem Holzbötchen auf die Insel rudern, zusammen mit einigen stereotypen japanischen Touristen. Die Kirche finden wir eher langweilig, die Treppe ist interessanter und wir machen typische Touri-Vulgaris-Fotos.

Wir scheitern an der Seeumrundung wegen Rücken und allgemeiner Faulheit und geben uns endgültig den Touri-Overkill indem wir mit dem Bimmelbähnchen (so ein Kinderzug, wie er in blau auch durch Koblenz fährt) zurück zum Stellplatz.

Hm, das klang jetzt ein bißchen arrogant, ehrlich gesagt hatten wir einen Heidenspaß. Endlich fühtl es sich wie Urlaub an. WIr knipsen den See in der Abendsonne

und  belohnen uns mit Bier aus der nördlichsten Brauerei der Welt (hat Sonja mitgebracht) und Erbsensuppe.

Die Erbsensuppe kochen wir selbst, in der Vorbereitungsphase entstand dieses zauberhafte Stilleben, es trägt den Namen "Karotten, Kartoffeln und Socken unter der untergehenden Alligatorpfote".

 

 

 

 

Sonntag, 01.10.2017

Immerhin schonmal Kärnten.

Ein herrlicher verregneter Sonntag in Tirol, Nach intensiver Diskussion unserer Optionen

a) Slowenien soll uns in Ruhe lassen, wir fahren heim und nächstes Mal wieder in den Norden

b) dann eben wieder wie früher, ist nicht unser erstes Rodeo und wer braucht schon den ganzen Schnickschnack?

c) wir sehen zu, dass wir das reparieren/lassen und halten unsere Richtung bei

entschließen wir uns, in Österreich zu bleiben und gleich am Montag eine Werkstatt zu finden. Bestimmt ist es nur eine Sicherung.

Mittlerweile haben wir eine Karte erstanden und befinden Klagenfurt für groß genug, über eine Caravan-Werkstatt zu verfügen. Außerdem ist da der Wörthersee. Und es führt eine Landstraße dorthin, auf der es bestimmt keinen Stau gibt, stattdessen Alpenpässe. Und die Wetter-App sagt, dort scheint die Sonne.

Die Fahrt ist wie erwartet fantastisch, auf einem Campingplatz mitten in der Stadt direkt am See finden wir einen hübschen Stellplatz, die obligatorische See-Ufer-Wanderung führt uns zu einem fantastischem Restaurant, in dem wir uns die Bäuche vollschlagen und viel zu viel Wein und Bier trinken. Wollen wir dochmal sehen, wer hier wen unterkriegt, immerhin sind wir jetzt in Kärnten und bis nach Slowenien ist es jetzt wirklich nicht mehr weit.

 

Samstag, 30.09.2017

München oder nicht München, das ist hier die Frage.

Ratet! Autobahn nach München? Samstag? Stau. Wer hätte es gedacht. Es ist nervig und ätzend, aber wir sind nun ja auch ein Teil des Problems und wollen, was alle wollen. Bei dem  Schneckentempo haben wir genug Zeit, das Für und Wider eines Abstechers zum Globetrotter-Treffen auf einer Kamel-Farm hinter München zu diskutieren. Oder gleich weiter nach Österreich. Oder nicht.

Sonja möchte das mit einer Straßenkarte in der Hand entscheiden, aber die freundliche Verkäuferin auf der Tankstelle erklärt: "Koaten homma nit, kaaft bei uns koa Saou!"

Nachdem wir die Autobahn nicht mehr ertragen können, und sich die Berge verlockend am Horizont auftürmen, biegen wir spontan rechts ab und fahren stur auf ebendiese zu. Und dann geht es erstaunlich schnell, sowohl geradeaus als auch bergauf und ehe wir uns versehen, sind wir in Tirol und haben Spaß.

Am Ende des Tages verschlägt es uns ausgerechnet nach Kitzbühel, das hätten wir uns so nie vorgenommen, aber es lockt ein Campingplatz mit Wellnessoase (tatsächlich, Sauna, Dampfgrotte, Hallenbad usw.), die wir aber gar nicht zu sehen bekommen. Wir entdecken nämlich, dass Kitzbühel an einem traumschönen See liegt.

Sogleich brechen wir zur Umrundung auf und sind entzückt, ein richtiges kleines Moor zu entdecken, man kann es auf Holzplanken überqueren und es riecht nach Schottland!

Im Hintergrund mähen allerdings keine Schafe, es bimmeln Kuhglocken, die Berge spiegeln sich im Wasser, alles ist prima.

Wir trödeln rum, bis es dunkel wird und damit auch schnell rattenkalt. Zurück am Bus stellen wir fest, dass sich in der Zwischenzeit die Bordelektrik verabschiedet hat. Wahrscheinlich Richtung Nordwesten.

Es gibt kein Licht, kein Wasser, keinen Kühlschrank, aber vor allem keine Heizung. Wenn man bedenkt, dass wir noch vor ein paar Jahren ohne all diese Annehmlichkeiten auf einer Baudiele übernachtend durch Nordschottland geturnt sind und das großartig fanden, sind wir erstaunlich angepisst deswegen.

Tatsächlich brauchten wir das damals nicht, weil wir anders aufgestellt waren, halt eingerichtet auf einen Urlaub, der hauptsächlich im Freien stattfindet, angefangen mit Taschenlampen, Batterien, wärmerer Kleidung, Decken und anderer Verpflegung. Dies sollte eigentlich ein gemütlicher Rentner-Trip zur Erholung zwischendrin sein.

Aber was soll's, wir lassen uns nicht unterkriegen, ist bestimmt nur eine doofe Sicherung, morgen sehen wir weiter und bis nach Slowenien ist es ja nicht mehr weit.

 

Freitag, 29.09.2017

Haken und Ösen... (Schwäbische Alb)

Mal was ganz anderes...dachte ich mir, mal nicht immer in den Nordwesten, wie wäre es z. B. mal mit Südosten? Nur eine gute Woche Zeit, also Slowenien. Berge, Pässe, Seen, bestimmt toll.

Bus gepackt, Sonja abgeholt, losgefahren, erstes Ziel der Bus-Ausbauer, eine Steckdose ist malad und es liegt ja auf dem Weg, bis nach Slowenien ist ja nicht weit, knappe 1000 Kilometerchen, das machen wir mit dem Bus in 2 Tagen und sind super entspannt dabei.

Wie sagt man bei uns? "Besser mal die Fress' gehalle", wir geraten von einem Stau in den nächsten und nach vielen Stunden rollen wir erschöpft von der Autobahn auf schwäbischen Landstraßen zum Bus-Ausbauer. Der repariert "gschwind" die Steckdose und empfieht dringend, heute nicht mehr weiter Richtung München zu fahren. Das das am Freitagnachmittag vor einem langen Wochenende keine gute Idee ist, glauben wir ihm sofort. Er empfiehlt eine besonders schöne Strecke zur Wimser Mühle, dort könne man prima essen und ungestört übernachten.

Wir tun wie uns geheißen, die Gegend ist zauberhaft, die Straße schlängelt sich entlang von Felsen und Flüsschen voller Forellen wie diesen

und es gibt überhaupt keinen Stau. Nur Straßensperren und Umleitungen. Wir mäandern zunehmend genervt durch die Gegend und brauchen ewig. Na ja, ist ja Urlaub, was soll's, sind wir eben tapfer und am Ende kommen wir doch an der Wimser Mühle an.

Wir machen einen schönen Spaziergang, nach so vielen Stunden im Stau tut Bewegung gut, nicht nur uns, außerdem ist es schön hier.

An diesem blitzeblauen See, es sind mehrere, mit kleinen Wasserfällen verbunden, und ja, er ist wirklich so blau, schlagen wir unser Lager auf.

Die kleinen Wasserfälle erzeugen ein schönes EInschlaf-Geräusch, sorgen allerdings auch dafür, dass wir unendlich oft wachwerden und pinkeln müssen, also eher eine unruhige Nacht und im Morgennebel brechen wir auf, das obligatorische "Unser Stellplatz für die Nacht"-Foto und weiter geht's. Ist ja nicht mehr weit nach Slowenien.

 

 

Freitag, 01.09.2017

Stadion-Nudeln

Nach soviel Fauna ist es wieder an der Zeit für etwas Urbanisation. Wir besuchen Cardiff und besichtigen dort als erstes die Bay. Dort im Hafen befinden sich einige Firmengebäude mit modernster Architektur neben einer alten Kirche.

Die modernen Gebäude sind  schwierig zu fotografieren, exemplarisch hier nur die Oper. Für diese wurde ein Architekturwettbewerb ausgerufen, den die im Irak geborene Zaha Hadid gewann. Ihr Designvorschlag war jedoch so radikal, dass die Schirmherren des Wettbewerbs eine zweite Runde ausriefen, in der Hoffnung, ein etwas gemäßigterer Entwurde möge gewinnen. Aber Zaha gewann nicht nur diese zweite sondern auch noch die verzweifelt ausgerufene dritte Runde

Sie war ganz zuversichtlich und sagte: "Gib Ihnen Zeit und Raum, den Entwurf zu verstehen. Das Problem hierzulande ist, die Leute haben so lange soviel Müll ansehen müssen, dass sie denken, das leben ist ein Tesco. Wenn Dein größtest Ziel darin besteht, einen Supermarkt zu entwerfen, hast du ein Problem."

Uns hat das große gläserne Ding jedenfalls gefallen, auch wenn wir die Inschrift nicht verstehen konnten.

Ebenfalls hier im Hafen befindet sich das Mekka der Whovians:

und eine norwegische Kirche, in der man Kerzen mit Salzkaramellduft erstehen konnte. Na Klar.

Genug Kultur, wir begeben uns zum Stadion um unsere vorbestellten Tickets für das Rugby-Spiel am Abend abzuholen und bekommen von den sehr netten Mitarbeitern dort erklärt, wo wir anschließend die Nacht verbringen können, in den Sophia Gardens gibt es einen Campingplatz hinter dem Cricketstadion.

Dort lassen wir uns nieder neben einem Nerd-Pärchen, sie kruschelt im Zelt rum und er sitzt neben seinem Auto dessen Motor läuft, während er über ein langes Kabel sein Handy auflädt, auf dem er wichtige Sachen macht. Stundenlang. Wir amüsieren uns köstlich, schön, dass die Jungen Leute noch Spaß daran finden, ein Wochenende in der "Natur" zu verbringen, gnihihihi. 

Es ist ein kurzer Fußweg in die Innenstadt, entlang des River Taff, auf walisisch Avon Taf, von dem die Hauptstadt ihren Namen hat. Ja. Cardiff, wie in Avon Taf. Vielleicht klappt es auf walisisch? "Caer Dydd" wie in "Avon Taf". Wir geben es auf, das zu verstehen und nehmen ein leichtes Mittagessen in einem Restaurant namens Pie Minister, natürlich gibt es Pie und Ale und einen sehr gut gelaunten Kellner.

Wir beobachten das bunte Treiben auf der Fußgängerzone, das in Großbrittanien immer ein wenig bunter ist als überall sonst, wo ich je war. Das Wort Exzentrik wurde hier erfunden, oder?

Nachdem wir den Hund zurück zum Campingplatz gebracht haben, schauen wir den Nerds ein wenig bei ihren Grillversuchen zu. Die stellen sich dabei aber besser an als wir am Black Rock Beach und wir brechen auf um noch ein wenig echtes Drama zu erleben.

Auf dem Weg zum Stadion entdecken wir noch diese hübsche Graffito, Totenköpfe gehen immer.

Das Rugby Stadion Arms Park schmiegt sich direkt ans Millenium Stadium, in dem dieses jahr das Champions League Finale stattfand. Der EIngang ist winzig,

der Zuschauerbereich überschauber

und die Atmosphäre familiär, einige Spieler kommen vorbei und geben Autogramme.

Statt Stadionwurst gibt es hier asiatische Nudeln und eine Burgerbude, wir sind entzückt. Auf dem Rasen wird nochmal ein bißchen der Einwurf geübt

und als Vorprogramm versinkt die Sonne romantisch im Meer.

Dann geht es endlich los, Cardiff gegen Edinburgh, die Liga-Regeln sind kompliziert mit Conferences und Play-Offs, aber das Spiel ist schnell kapiert. Wir haben es schon häufiger im Fernsehen geschaut aber noch nie live, es ist großartig.

Ich könnte mich jetzt stundenlang darüber auslassen, wie fantastisch genau Rugby ist, und warum das für mich deutlich kurzweiliger anzuschauen ist als Fussball, belasse es aber bei der kurzen und knackigen Definition, dessen Autor ich nicht weiß:

Rugby is a game for hooligans played by gentlemen;

soccer is a game for gentlemen played by hooligans.

Es ist ein großartiger Abend, leider verliert Cardiff, aber zum Glück gewinnt Edinburgh, da schlugen heute zum Glück zwei Herzen in meiner Brust.

 

Nachtrag 02.09.

Die Nacht auf dem Campingplatz ist erst laut wegen der Bollywood-Party im angrenzenden Cricketstadion, die Band gibt alles und wir haben unseren Spaß daran. Zudem ist sie kurz, denn um sieben Uhr wird das bei der Party angefallene Altglas aus wahrscheinlich 5 Metern Höhe in gefühlten 5 Metern Entfernung geräuschvoll in einen Laster gekippt. Aber auch das nehmen wir positiv, es ist Abreisetag und so sind wir früh auf der Straße.

Bei bestem Wetter verlassen wir über die herrliche Brücke Wales, der übliche Stau rund um London hält sich in Grenzen, wir dürfen eine 2 Stunden frühere Fähre nehmen und quasi sofort zum Boarding durchfahren, die SIcht bei der Überfahrt ist so gut, dass wir die ganze Zeit England UND Frankreich sehen können.

Dann ergriff uns der Stalltrieb und wir brausen nach Hause, über 5 Grenzen hinweg sind wir heute in 6 Ländern gewesen, Wales, England, Frankreich, Belgien, Niederlande, Deutschland.

 

 

Donnerstag, 31.08.2017

The Gangs of Llandrindod

Inspiriert von der Drachenstatue und dem freien WLAN in Corwen hatten wir einen fantastischen Abend, es regnete sanft aufs Klappdach (der erste Regen seit wir in Großbritannien sind), wir tranken Rotwein und ein Bier namens "Dead Pony Club" (auf der Rückseite der Flasche stand beruhigenderweise "no Ponys were harmed in the making of this beer" und schauen das Staffelfinale von Game of Thrones via Sky auf dem Laptop.

Ich habe den Landy geliebt, aber einen verregneten Abend konnte man da nicht so luxuriös verbringen, das Raumwunder Bulli mit seinen drehbaren Vordersitzen, dem Klappsofa und dem schwenkbaren Tisch fühlt sich dagegen an wie ein Ferienhaus.

Pünktlich nach dem Frühstück hörte der Regen auf, die Sonne kam raus, Ihro Gnaden Madame Murmel nahm entspannte Reisehaltung ein und los ging's Richtung Süden, Tagesziel durch die Brecon Beacons nach Penderyne, wo sich die einzige Destillery (oder eine von zweien) befindet.

Die natürliche Etappenmitte ist Oswestry, also tippen wir das ins Navi. Kurz vorher lesen wir im Online-Reiseführer, das Schönste an Oswestry sei seine Nähe zu Welshpool. Also fahren wir da nur durch, stellen dabei fest, dass es in England liegt, verlassen also kurz Wales und kehren schleunigst wieder dahin zurück. Auf den Schreck müssen wir in Welshpool erstmal bei Andrews preisgekrönter Fish & Chips Bude einkaufen, und nehmen einen kleinen Imbiss im Bus auf der Hauptstraße.

Ab Newtown gibt es endlich wieder single tracks bergauf und man wähnt sich fast in der Prairie, ok, sind Schafe, keine Büffel.

Aber nicht nur Schafe, die kohleschwarzen Angus-Rinder im Tal gucken uns erst grimmig an

und als Murmel grimmig zurückguckt, gibt es eine kleine Stampede

Finstergucken-Wettbewerbe gewinnen wir IMMER!

Im Tal ist alles wieder Textmarker-Grün und die Hecken sind außerordentlich ordentlich.

Heute gibt es reichlich Gegend zu bestaunen, aber auch Fauna-mäßig ist einiges geboten, bei Cwmtaf lungern dieses Jungs auf der Straße rum, als seien sie in Schottland

und bei Merthyr Tydfil (womöglich das walisische Wort für In-der-Mitte-der-Prairie) stoßen wir tatsächlich mehrfach auf Wildpferde.

 

Das sind Welsh Mountain Ponies und von denen leben hier ca. 800 Exemplare frei. Also doch Prairie! Wir genießen die steppenartige Landschaft, zwischendrin regnet es auch mal einige Minuten, aber die dramatischen Wolken machen die Szenerie nur noch aufregender.

Dann geraten wir in einen Stau. Im Nirgendwo. Eine der gefährlichsten walisischen Straßengangs versperrt allen Autos den Weg und verlangt...ähm...wir wissen es nicht, Tempo 5 in ihrem Wohngebiet?

Und zwischen allem fliegen Greifvögel aller Sorten. WIr sind heute nur eine Stunde hier durchgefahren, es gibt sicher noch viel mehr zu entdecken, wenn wir wiederkommen, widmen wir diesem Gebiet sicher Tage, nicht nur Stunden. Aber heute haben wir noch etwas anderes vor.

Die Whisky-Herstellung war in Wales eine verlorengegangene Kunst, bis sich ein paar Freunde in den 90ern bei einem Kneipenabend dazu entschlossen, die erste Destille seit über hundert Jahren in Wales zu eröffnen. Am St. David's Day im Jahr 2004 erfüllten sie sich ihren Traum in Penderyn am Fuß der Brecon Beacons.

Für eine Führung sind wir zu spät dran, aber die Sondereditions-Schätze dürfen wir noch bewundern, alles ist sehr neu und sehr schick, anders als die altehrwürdigen Destillerien in Schottland, aber wir sind mal zutraulich und kaufen ein Set von ihren 3 Standards, schon allein wegen der hübschen Flaschen.

Irgendwie ist alles schon ein bißchen off season, die Bank Holidays sind vorbei und auf dem Campingplatz in Aberdare, den wir für die Nacht auserkoren haben, stehen noch eine Handvoll Camper und die Rezeption ist seit 16:00 geschlossen.

Lutz hilft zwei Frauen beim Rangieren, die das erste Mal mit ihrem Wohnwagen, 2 Kindern und 5 (!) Hunden unterwegs sind. Zum Dank verraten sie uns die Zahlenkombination des EIngangstores und den Code für die Badezimmertür, und so schmuggeln wir uns trotzdem rein. Natürlich werden wir gleich morgen früh bei der Rezeption die Gebühr bezahlen. Später hilft Lutz nochmal aus (der alte Camper-Gott) als die Damen ihr Vorzelt falschrum in den Keder tüddeln. Ich schließe derweil Freundschaft mit dem knorrigen Kerl aus Northumberland von gegenüber, der unseren Bulli bewundert und mit seiner schlecht gelaunten Frau und zwei Pitbulls unterwegs ist.

Er war drei Jahre in Dortmund und findet alles klasse, unser Auto, unseren Hund, unser Land und überhaupt. Wir haben viel Spaß mit ihm, ich besonders mit seinem Akzent, der schon fast schottisch ist.

Da wir immer noch pappsatt sind von der Monster-Fischportion am Mittag, belassen wir es bei einem kalten Imbiss und nur wenigen Shortbread mit drei Sorten Schokolade, der Whisky muss ja auch noch probiert werden.

 

 

 

 

Mittwoch, 30.08.2017

The Ugly House

Wir halten uns tatsächlich an die Routenvorschläge und machen uns auf RIchtung Snowdon, den höchsten Berg von Wales. DIe Fahrt ist fantastisch.

Erst ist alles quietschegrün, je höher wir kommen je mehr gleicht es den schottischen Highlands.

 

Erwähnte ich schon, dass hier überall Schmalspureisenbahnen fahren? Auf den schönsten Strecken, teilweise am Strand oder mitten durch die Berge, viele mit Dampf. Hier haben wir mal ein besonders niedliches Exemplar erwischt, in seinem natürlichen Habitat hat es auch freundlich gehupt.

Wir haben Lust auf noch mehr Insel und fahren über eine sehr beindruckende Hängebrück nach Anglesey und dort zu Ostspitze der Insel.

  

Wir besichtigen eine Abtei aus dem 10. Jahrhundert, finden das aber nur so mittelspannend, viel mehr interessiert uns der angeschlossene Friedhof und der EInblick in die walisische Grabpflegekunst.

Entweder wächst der Farn hier unfassbarschnell, oder man legt hier keinen großen Wert darauf. Zugegeben, manche der Steine sind uralt, den ältesten, den wir entdeckt haben war von 1696, aber es gibt auch genug vom ENde des 20. Jahrhunderts und die sehen genauso aus. Wie immer entdecke ich einen "Lieblingsstein", diesmal den von dem armen Teufel, der an Heiligabend mit seinem Schiff unterging.

Ok. morbide haben wir auch erledigt, auf zu heitereren DIngen, wir besichtigen einen hübschen Leuchtturm und schauen mit dem Fernglas rüber zu Puffin Island um die dort lebenden Papageientaucher zu bewundern. Da unsere ornitologischen Kenntnisse aber eher ausbaufähig sind, haben wir möglicherweise nur ordinäre Seemöwen gefeiert.

   

Wir verlassen die Insel über eine noch interessantere Brücke, die Britannia Bridge, die zweigeschossig ist, oben fahren die Autos und darunter die Eisenbahn. Wenn man oben fährt, sieht man natürlich wenig davon, aber das Foto möchte ich Euch dennoch nicht vorenthalten, schaut mal, wie der Ort heißt, in dem man auf die Brücke auffährt.

Und Ihr denkt, ich veräpple Euche...fragt hier mal jemanden nach dem Weg...

Auf der Fahrt durch die Berge Richtung Süden, kurz hinter Betws-y-Coed Capel Curig finden wir dann tatsächlich das "Ugly House". Dort hatte der Grundstückseigentümer tatsächlich einen Wettbewerb ausgerufen, wer es schafft, innerhalb von 24 Stunden ein komplettes Steinhaus zu bauen, darf es samt Grundstück behalten. Tja, und das hat einer geschafft. Das Haus ist krumm und schief, die Steine nur grob behauen, heute befindet sich ein Tea Room darin, aber den Namen hat es - zu Recht - behalten.


Nach so viel Kultur genießen wir in Corwen einen sehr ruhigen Abend mit Burgern, Dead Pony Beer und der Aussicht auf dieses Kunstwerk, dass tatsächlich in einem Stück aus dem abgesägten Baum geschnitzt wurde, das Ding ist so groß wie ich.

 

Dienstag, 29.08.2017

Mit der Tardis an den Strand

Über den Single Track von Machynlleth fahren wir nach Llwyngwril. Grün hier.

In Llwyngwril häkelt man offensichtlich gerne, jedenfalls hing an der Brücke dieser Kerl, riesengroß, man sieht zum Größenvergleich noch einen Teil unseres Außenspiegels:

Wir sind noch nicht ganz fertig mit Lachen, als wir über die TARDIS stolpern:

 

Wer nie Doctor Who gesehen hat, kann damit nichts anfangen, aber ich schmeiße mich weg. Da hat ein echter Fan eine alte Telefonzelle umhäkelt und dem guten Doctor ein bizarres Denkmal gesetzt. Aber weiter geht die wilde Fahrt, das Wetter ist viel besser, als es auf den Fotos manchmal scheint, die Gegend ist genial, das Heidekraut blüht ab und zu taucht ein Castle auf, manchmal sogar mit Palmen davor wie hier in Penrhydeudraeth (Ich schwöre, die Namen sind nicht erfunden!)

Wir beschließen, die Nacht am Strand von Porthmadog zu verbringen, erstens, weil wir das aussprechen können und zweitens darf man hier am Strand Auto fahren, was wir natürlich ausgiebig machen.

 

Dabei gibt es natürlich etliche Regeln zu befolgen, ein ausliegender Flyer klärt darüber auf.

Leider auf walisisch, aber wir sind ziemlich sicher, dass wir uns an alle soweit gehalten haben. Lutz behauptet, von der vielen Gegend und den Schafen und Kühen habe er eine Fauna-Phobie entwickelt und müsste mal wieder unter Menschen. Am besten betrunkene und ein bißchen assige, wie zu Hause eben. Zum Glück gibt es fußläufig eine irische Kneipe, da begeben wir uns umgehend hin.

Dort lernen wir einen netten Waliser kennen, der hat noch fast alle Zähne und ist nur ganz wenig am Hals tättowiert. Er zeigt uns liebevollst spannende Routen, die wir fahren sollen und weist uns auf die ein oder andere weniger bekannte Sehenswürdigkeit hin, unter anderem das "Ugly House". Nur von zwei Orten namens Sowieso und Geräusch (wir haben es nicht so richtig verstanden und er konnte es auch nicht buchstabieren) sollten wir uns dringend fernhalten, das sei zu asi. Früher sei es nett gewesen aber heutzutage tz tz tz. AUs seinem Mund nehmen wir das sehr sehr ernst und versprechen, uns fernzuhalten. Pizza- und Ale-seelig machen wir uns zurück zu unserem sandigen Zuhause.

 

Montag, 28.08.2017

Ganz nach unserem Geschmack

Beim Aufwachen sehen wir das aus unserem 'Schlafzimmerfenster':

Und beim Frühstück das:

Noch Fragen? Wales ist toll und wird immer toller. Wir wollen ein bißchen Kultur genießen und beschließen, das Hünengrab von Crymych in Brynberian (oder umgekehrt?) zu besuchen. So sieht das aus:

Und der 16 Tonnen schwere Dekcle liegt so auf:

Seit 5000 Jahren. Und wackelt kein bißchen.

Vielleicht hätte man diese Jungs mal an die Europabrücke in Koblenz lassen sollen?

Der Weg von da - laut Navi die schnellste Strecke - ist abenteuerlich, wir lieben sie. Rauf, runter, mal haarscharf an der Steilküste entlang, Haarnadelkurven im 20%-Gefälle, die Hecken bilden Tunnel, ab und zu die Bäume auch, die wachsen über der "Straße" zusammen und man fährt regelrecht in die Schwärze. Unser Entzücken kennt keine Grenzen mehr, als wir an einer Stelle über eine große Pfütze staunen, es hat doch ewig nicht geregnet, Mitten auf der Straße.

Als wir näher kommen stellen wir fest: Das ist ein Bach. Der kommt von rechts und fließt nach links. Da muss man durchfahren. Die stets höflichen Briten haben das auch ordentlichst markiert.

Anscheinend ist das von der anderen Seite kommend ausgeschildert, denn uns kommen Radfahrer entgegen. Da es sehr eng ist, halte ich an und sie lachen sich kaputt als sie unseren Schnorchel sehen und fragen "WIE tief genau ist diese Furt?" Und das ist eine Bundesstraße. Die ist auf der Karte gelb. Es gibt rot (zweispurig oder mehr), gelb (ein- oder anderthalb-spurig) und weiß. Wir beschließen, morgen weiße Straßen zu nehmen um zu sehen, wieviel schmaler, steiler und nasser es noch werden kann. Unser Vertrauen in den Bus ist hoch, ich weiß.

Dann wieder atemberaubende Küsten und im Ort Aberaeron kommt der komplette Verkehr zum Erliegen, da es dort eine Parade gab, wir machen Picknick im Bus und genießen die Show.

Heute wollen wir aber wirklich nicht kraxeln und stehen auf einem Bauernhof in Llanidloes Pant Mawr, umgeben von Hühner und lustigen Schafen mit schwarzen Köpfen und schwarzen Füßen.

 

 

Sonntag, 27.08.2017

Whitesands, bei Pete fragen

Unser Stellplatz für die Nacht ist so geil, dass ich ihm einen eigenen Eintrag widme. In Whitesands an der äußersten Westspitze lebt Pete. Sein Campingplatz hat auch einen Namen, aber den kann ich mir weder merken noch aussprechen. AUf einer Klippe oberhalb DES Surfer-Hot-Spots mit der entsprechenden leichten Hippie-Aura, völlig schräg und krumm und schief, aber mit fantasatischer Aussicht und für schmale 12 Pfund.

Bei der Ankunft erklären uns ein paar braungebrannte Jungs, wir sollen mal gucken, wenn wir 'durch den Matsch da hinten links' hochfahren, sind oben rechts bestimmt noch freie und halbwegs gerade Plätze. Rezeption gibt es nicht, aber Pete sei irgendwo 'da unten', wir sollen uns mal einrichten und dann bei ihm das Geld abgeben. Machen wir.

Dann klettern wir runter, besuchen Pete wie besprochen, klettern in den Felsen rum, gucken den Surfern zu und fotografieren den Bus von unten. Seht ihr ihn?

Das Wetter ist übrigens ebenfalls karibisch.

Als wir wieder hochgekraxelt sind (ja ich weiß, aber hmpf, guckt mal die Aussicht von oben)

haben wir Hunger und wollen zu Feier des Tages grillen. Das klappt nur so mittel, wir stellen uns doof an. Erst qualmen wir alles voll, dannist das Feuer zu heiß und die Bratkartoffeln verbinden sich auf ewig mit der Pfanne. Dooferweise ist es trotzdem für die Burger nicht heiß genug und sie bleiben roh. Wir schmeißen die Pfanne in den Müll und kochen auf dem Gaskocher. Der Grill wäre günstig abzugeben, falls jemand Interesse hat.

Satt und müde gibt es nur noch den Sonnenuntergang zu bewundern.

Und dann beordert uns Madame ins Bett, anscheinend ist sie ebenfalls fertig mit diesem Tag.

 

 

 

Sonntag, 27.08.2017

Tenby bzw. Dinbych-y-pysgod

Tatsächlich heisst der Ort Tenby auf walisisch: Dinbych-y-pysgod und so geht das hier dauernd. Es ist großartig, wenn wir unsere Tagesroute planen und uns gegenseitig zu erklären versuchen, dass hinter Ramalamadingdong die Abfahrt nach Abahatschi liegt.

Aber Tenby ist klasse. Alle Häuschen sind pastellfarben, überall wachsen Palmen (der gute Golfstrom) und das Meer ist karibisch anzusehen. Die Engländer baden eifrig.

 

Eine ordentliche Burg gibt's auch, aber die lassen wir aus, weil wir Pasteten kaufen und am Strand verzehren müssen, das macht man hier so...

 

Samstag, 26.08.2017

Gwasanaethau und so...

In Dünkirchen war es bisher immer deutlich entspannter als in Calais, aber auch hier werden wir 5mal kontrolliert, abwechselnd von den Franzosen und den Engländern, teilweise in Militäruniform mit umgehängten Maschinenpistolen, aber den Gesichtern von 18-jährigen, dann nochmal von der Reederei-Security, Kofferraum auf, Schiebetür auf, Schlafsack anheben usw.

Und als wir schon an der Lane stehen, die ersten schon auf das Schiff fahren, holen sie aus einem Lkw einen armen Kerl raus, der es trotz der Kontrollen fast geschafft hätte.

Die Überfahrt ist dann wie immer entspannt, Lutz entdeckt das Schiff, ich haue mir ein Full English Breakfeast rein, durch die kleine Zeitverschiebung sind wir um neun Uhr drüben und schaffen es pünktlich zum Stau nach London.

Außer den extra-hohen englischen Lkw gibt es nichts Spannendes zu bestaunen, wir halten stur nach Westen und in Wales ist endlich die Bahn frei.

Als erstes stelle ich fest, dass walisisches Gälisch komplett anders ist als schottisches Gälisch.

Raststätte heisst: Gwasanaethau und wird auch so ausgesprochen...wink

Als Nächstes entdecken wir, dass schottische single tracks ein Scheiß sind gegen walisische...Die sind hier genauso schmal und gewunden, allerdings geht es dazu noch teilweise bis zu 20% Gefälle rauf oder runter und um es abzurunden wachsen rechts und links des Weges meterhohe Hecken, so dass man garantiert nicht sehen kann, was oder wer hinter der Kurve liegt. Hier mal ein harmloser, in den aufregenden kamen wir nicht zum fotografieren...

Als Belohnung erreichen wir einen spitzenmäßigen Campingplatz auf der Nicholston Farm, oberhalb dieses fantastischen Sandstrandes:

Und mit "oberhalb" meine ich, dass wir komplett erschossen waren, als wir durch die Treibsanddünen, die Brombeerhecken und den Steilhang wieder raufgeklettert waren.

Ab jetzt achten wir darauf.

 

 

Freitag, 25.08.2017

Der Neue will auch mal was erleben...

 

Das isser, unser Neuer:

Reichweite passt und Madame genehmigt den neuen Thron:

Auf der Autobahn überholen wir den hier:

Recht hat er, also stehen wir am Hafen von Dünkirchen, genießen den Sonnenuntergang und den Luxus im Bus und warten auf die Morgenfähre. Diesmal geht die Reise nach Wales.

 

 

 

 

Freitag, 28.07.2017

Folge dem weißen Kaninchen...

Wie beschrieb ich uns noch neulich? Vorausschauend und planerisch verantwortungsvoll... am Morgen - kurz nach der Abfahrt RIchtung Dover- prüfe ich die Fährpapiere. Nur um sicherzugehen, dass wir auch wirklich für 18:00 Uhr gebucht haben. Super! Haben wir auch.

Nur- äh - leider nicht für heute. Sondern erst für morgen. Ratzupaltuff!

Egal, wir wollten ja sowieso fragen, ob wir früher irgendwo mitdürfen. Ähem. Am Hafen angekommen das übliche Palaver, Kontrolle der Franzosen, Kontrolle der Briten, man mäandert da bestimmt 20 Minuten zwischen Betonabsperrungen rum bis zu dem Häuschen, an dem man sein Ticket vorzeigen muss. Ich erkläre wortreich, dass wir vielleicht ein klitze-klitze-kleines bißchen zu früh dran sind, so schlanke 30 Stündchen, aber er könne da doch sicher was machen?

Der Fährmann ist nett und tut sein Möglichstes, aber das hatte wohl schon seinen Grund, warum wir für samstags gebucht hatten. Freitags sind die Fähren nämlich viel teurer. Am Ende einigen wir uns auf 102 Euro Aufpreis und dürfen schon heute abend um 18:00 Uhr fahren. Ok, denken wir, suchen wir uns hier ein Plätzchen und warten bis dahin, es regnet nämlich "cats and dogs" wie man hier sagt.

Statt des üblichen Anhängers für die Windschutzscheibe erhalten wir aber eine große gelbe Papp-Eule. So eine Art Pokal für den Tagessieger beim Verwechseln von Abfahrtszeiten/-tagen? Eher ein Stigma, denn auf dem ersten Parkplatz schickt man uns weg. Auf dem zweiten auch. Und zwischen den Lkw verstecken klappt auch nicht. Schließlich erklären sie uns, dass wir rausmüssen. So richtig raus. Und zwar den Schildern mit der gelben Eule folgend und dann durch diese blaue Halle da, an der das Schild mit der gelben Eule hängt. In der blauen Halle wird gefilzt. Gründlich. Wir warten und tragen Bedenken. Aber dann werden wir nur gefragt. ob wir rauswollen. Wir bejahen das energisch und fliegen hochkantig aus Halle und Hafen raus.

Nun stehen wir auf einem ebenfalls verbotenen Busparkplatz vor dem Dover Castle, dort wollte uns erst ein türkischer Lkw vertreiben, da waren wir aber schon sauer und haben stattdessen ihn vertrieben. Zusätzlich musste ich noch ein paar distanzlose Puderbacher finster anstarren und jetzt ist es ganz schön, Blick auf Castle links und Hafen rechts. Nur ganz schön windig, der Seewetterdienst zeigt 4 Meter hohe Wellen auf der Karte des Ärmelkanals und wir freuen uns schon.

Donnerstag, 27.07.2017

German Couple 19 Pfund

Oxford ist immer noch so mittel. Sprühregen, grauer Himmel, doofe Autobahn liegt noch vor uns, Murmel hat einen ziemlich eindeutigen Kommentar dazu:

 

Na gut, dann kein City-Ausflug sondern ab auf die Straße. EIn paar Kilometer geht es, aber sobald wir uns dem Riesenring rund um London nähern: 7 Spuren in jede Richtung und auf allen ist Betrieb.



Amüsant sind nur ab und zu die Lastwagen, einer transportierte Golf-Caddy-Wagen, einer Oldtimer und einer einen Hubschrauber. Diese beiden hier (im BMW eine junge Frau, im Mercedes ein junger Mann) hielten über bestimmt 3 Kilometer den Verkehr hinter sich auf, weil sie sich durch die offenen Fenster miteinander unterhielten.


Unsere Idee für heute: Wir schauen uns dieses heiße Brroitten mal aus der Nähe an und bummeln dann entlang der Küstenstraße am Ärmelkanal, da finden wir bestimmt einen schönen Übernachtungsplatz.
Broitton ist nicht so heiß aber immerhin scheint die Sonne. Leider ist es auch ziemlich voll und ziemlich zugebaut, hier mal eine etwas zierlichere Hotelburg, hier stehen noch ganz andere Klötze rum.


Bis zum berühmten Pier kommen wir gar nicht durch, an der Marina ist es genauso schwer, wir zuckeln immer weiter, bis wir schon wieder raus sind.



Dann finden wir doch noch in einem Ortsteil ein Restaurant mit großem Parkplatz, für die über 7 Meter braucht man halt ein bißchen Fläche. Wir sehen ein Schild "Subway to the Beach" und durch den Tunnel sieht man das Meer.


Das Meer macht heute mächtig was los.


Das muss ich mir genau ansehen.

 

Pöh, halb so wild, denke ich noch, als sich in meinem Rücken bereist das Unheil andeutet:

Treffer!


Zurück zum Mutterschiff, abtrocknen, weiterfahren. WIr stranden schlussendlich kurz vor Hastings auf einem wunderschönen Campingplatz, leider sehr teuer (35 Pfund) aber bisher der beste, den wir hatten. Tip-Top-Anlage mit Super-Sanitäranlagen, riesige unparzellierte Wiesen, extrem nette, freundliche, witzige und fürsorgliche Mitarbeiter und einen gigantisch großen Privatstrand, kilometerlang. Unser zuverlässiger WIndmesser (Murmels linkes Ohr) sagt allerdings "blowy as fuck", also richten wir uns auf eine schauklige Nacht und eine spassige Überfahrt morgen ein.


Der Platz hier heisst übrigens nach seinem Ort "Normans Bay Caravan Park" und das hat mit den Normannen zu tun, die hier 1066 angesegelt kamen und die Engländer plattgemacht haben. Zum Glück wusste ich das* und habe den Inhaber nicht mit "Du bist also Norman" angesprochen.


*wusste ich natürlich nicht, aber Marion hats mir erzählt, die ist hier die Geschichtsprofessorin, ich bin nur die Geschichtenerzählerin. Und seit Lancaster sind anscheinend ein Paar, bekannt als "the german couple"

Mittwoch, 26.07.2017

Wie wir einen See neben der Themse anlegten...

Tja, wie sagt man so schön bei uns: "Besser mol die Fress' gehalle!"
IST das hier annet Regnen dran...längs und quer! Und in England gilt leider nicht die schottische Ein-Stunden-Regel, es wird wohl den ganzen Tag so bleiben. Na ja, mit ganzen 2 Regentagen in den letzten 3 Wochen haben wir uns gar nicht zu beschweren und die 300 Kilometer nach Oxford sind auch bei Sonne langweilig.

Die Lkw sind hier höher als sonstwo und fahren auf drei oder auch mal 4 Spuren nebeneinander, wir werden regelmäßig von den Riesentrümmern überholt.

Also machen wir es uns gemütlich, Stilleben mit der Queen, der Kaffeetasse und den Pantoffeln und ja ich weiss, ich habe eine Jogginghose an. Pöh! Seht Ihr an einem verregneten Urlaubstag im gemütlichen Sessel anders aus?



Wir unterhalten uns mit "weißt-du-noch" Schmankerln. Falls es interessiert, ich habe sie am Ende angehängt.

Irgendwann kommen wir auch in Oxford an, der Campingplatz ist ok, aber ziemlich teuer. Und dann haben sie nichtmal ein Grauwasser-Ablass-Dingsi. Für Nicht-Wohnmobilisten: Da fährt man mit dem Todesstern über so eine RInne, unten klappt man dann einen Schlauch raus, aus dem das gesammelte Dusch- und Spülwasser in die Rinne ablaufen kann. Also jedenfalls haben die das hier nicht und Marion erklärt mir, dass wir dafür ein "Wassertaxi" an Bord haben, einen Tank mit Rädern, in den lässt man das Grauwasser ab und bringt es dann dahin, wo die Camping-Betreiber es haben wollen.

Unser Wassertaxi ist aber mittlerweile in der Heckgarage begraben. Unter den Pipes, den Stühlen, dem Tisch, dem Irn Bru, dem Haggis, den Beuteln mit Wäsche, dem Porridge, dem Whisky, den Geschenken für die Daheimgebliebenen. Irgendwo darunter vermuten wir das Bernsteinzimmer und die Bundeslade und DARUNTER dann das Wassertaxi. Uff.

Also ergeht im Namen des Volkes folgendes Urteil: Die können uns mal, regnet ja eh. Klammheimlich deponieren wir die Spülschüssel mit dem dreckigen Geschirr so gekonnt vor dem Abwasserschlauch, dass man ihn praktisch nicht sehen kann, und öffnen das Ventil. Abklatschen, Spitzenplan bewundern. Ungefähr 3 Minuten lang, dann stehen wir bis zu den Knöcheln im Wasser. Die doofe Wiese nimmt genau gar nix auf und genau vor dem WoMo ist eine Kuhle. EIne große Kuhle. Oder besser gesagt, ein kleiner See. Verdammt, wie peinlich. Wir brechen das Drama ab und räumen die Heckgarage aus. FInden das Wassertaxi, befreien es von allerlei Sediment und dem Staub der Jahrhunderte und tragen brav unser Abwasser weg.

Als der Regen besser wird, beschließt Marion doch noch einen Ausflug in die Stadt zu unternehmen, gleich am Eingang ist eine Bushaltestelle. Murmel und begleiten sie noch dorthin, dann nieselt es wieder und wir gehen zurück, ich kenne Oxford schon und habe mich auch zu sehr an die Jogginghose gewöhnt. 

Die Nachbarschaft hier ist lustig, links steht ein Fiat-Camper in den Farben meines Bullis

Vor dem Zaun fließt übrigens ein winziger kurzer Nebenarm der Themse, und rechts von uns steht sogar ein gelber T1-Bulli, aber der ist gar nicht echt, es ist ein Zelt!

Und da ist auch Marion schon wieder zurück mit dem Aussehen und der Laune eines begossenen Pudels, sie stand im mittlerweile strömenden Regen als der Linienbus in die City pünktlichst erschien und ohne zu bremsen an ihr vorbeisauste. Oxford kann uns aber wirklich mal!

Jetzt kochen wir erstmal Tortellini und beobachten mit Vergnügen die soeben angekommene 7-köpfige französische Familie beim Aufbau ihrer Zeltstadt.

Der Plan für morgen? Hm...es sind noch 230 Kilometer bis Dover und wir müssen übermorgen abend da sein. Vielleicht gucken wir uns die Hitzewelle in Broitten mal an und gondeln von da über Hastings Richtung Dover.

 

Drei Schmankerl, die eigentlich nicht so lustig sind, dass ich sie hier erwähnt hätte, aber uns haben sie amüsiert:

Auf der Fidden Farm Camping meldeten wir uns bei der Tochter an. Als sie uns wieder aus dem Haus lassen wollte, klemmte die Tür. Sie brüllte "DAAAAAD!!! THE DOOOOOOR!!!" dass wir fast umkippten vor Schreck. Dad erschien sogleich und versuchte mit Schlägen und Tritten die Tür aufzubekommen. Ich sah uns schon durch das Fenster klettern, als er vorschlug, den Hinterausgang zu benutzen. So führte er uns durch Flur und Küche ins Wohnzimmer, wo seine Frau (?) im Bademantel auf dem Sofa saß und fernsah. Wir grüßten freundlich aber sie ignorierte uns völlig, anscheindend passiert das ständig, und sie nimmt es nicht mehr wahr.

Als es in Mull so geregnet hat suchten wir das Toilettenhäuschen der Tourist Information auf. Wir mussten sehr lachen als wir sahen, dass in den Dyson-Hände-Trocken-Puste-Dingern überall Schuhe steckten. Da wussten sich ein paar durchnässte Radfahrer nicht mehr anders zu helfen.

In Greenock stieg ich aus dem WoMo und ging zur Rezeption als in gefühlt 5 Metern Höhe ein uraltes Militärflugzeug über mich hinwegdonnerte. Den ersten Herzinfarkt bekam ich, als ich das Geräusch so nah hörte (das kam urplötzlich, von vorne hörte man den gar nicht, erst als er über mir war) und den zweiten, als eine Sekunde später der Schatten auf mich fiel, vor Schreck habe ich mich mit den Händen über dem Kopf hingehockt. Marion fiel im Todesstern fast vom Fahrersitz vor Lachen. Und die beiden Damen in der Rezeption fanden es unerhört lustig als ich sehr betont um einen "ruhigen" Platz für die Nacht fragte. "Obviously we don't have them anymore!" gickelten sie.

 

 

 

Dienstag, 25.07.2017

28 Grad in Broitton!!!

Übernachtung war gut, Wetter ist prima, Autobahn ist langweilig.

Es gibt nicht viel zu sehen, die Gegend ist - nun ja Gegend. Wir sind verwöhnt von spektakulären Aussichten und gähnen herzzerreißend. Kurzer Stopp in Gretna Green, ist halt der letzte Ort vor der Grenze, Hamsterkäufe Haggis, Porridge, Granola Squares, Irn Bru (brrr!) für die Schotten zu Hause, das übliche Programm.

Dann haben wir doch einmal KEINEN Lauf, als wir nach einem Übernachtungsplatz suchen. Wir befinden uns inzwischen knapp oberhalb von Liverpool und Manchester auf der Autobahn und da ist es schwierig rechts und links der Straße nach geeigneten Plätzen Ausschau zu halten. Aber deshalb auf der Landstraße rumgondeln ist noch langweiliger. Ich schlage den Campingplatz in Lancaster vor, direkt am Meer, schöner ruhiger Bauernhof.

Der Weg dahin ist mühselig, die Straße schmal, geparkte Autos, Mäuerchen, eine Baustelle und überhängende Äste verlangen Marion und dem Todesstern alles ab. Endlich angekommen stellen wir fest, dass da, wo wir stehen könnten alles so schief ist, dass es auch mit Auffahrkeilen nicht mehr zu retten wäre. Also zurück, beim Wenden in 100 Zügen ein großes Loch erwischt, übel aufgesetzt  und die Halterung vom Reserverad verbogen. Sch***!

Dann den nächsten Platz angesteuert, der nahm aber keine Wohnmobile, nur Wohnwagen (?). Dann den dritten angefahren (wie gesagt, alles über diese engen Gäßchen, einmal mussten wir mit dem Riesenschiff 50 Meter zurückfahren um Autos durchzulassen, da war keiner an der Rezeption. Nachdem wir eine Stunde gewartet hatten gaben wir auf.

Lancaster, Du kannst uns mal! Auf dem Weg zurück zur M6 ergoogelten wir uns einen kleinen Platz auf einer Schaffarm in der Nähe. Der sehr nette Eigentümer (der gerade in Socken seinen Rasen mähte...) wies uns einen hübschen Platz zu und erklärte dann, er akzeptiere aber keine EC- oder Kreditkarten. Wir wurden blass bei der Vorstellung, hier auch noch weggeschickt zu werden, ich fing sogleich das Jammern an, während Marion das WoMo nach Bargeld filzte...verdammtes Gretna Green, mit seinen Aufklebern, Schlüsselanhängern und Shortbread-Dosen. Er versprach mir, uns auf keinen Fall wegzuschicken. Long story short: Marion wurde fündig, wir konnten bezahlen und begucken jetzt bei Whisky und Haggis den sehr ordentlichen Sonnenuntergang, im Hintergrund blöken Schafe, im Vordergrund schnarcht Murmel.

 

In den Duschen sprach mich eine ältere sehr kleine und sehr erhitzte Dame an, was ICH denn jetzt von DIESEM Wetter halte, sie sei heute aus Brighton (sie sprach es Brroitten aus) gekommen und es sei so unfassbar heiß! 28 Grad !!! habe es heute gegeben! In Brroitten!! Und hier sei es immerhin ein bißchen besser, aber immer noch 24 Grad!!! Sie war regelrecht sauer und nun müsse sie erstmal duschen! Aber Kalt!

Auf Twitter las ich heute "Die ersten Folgen des Brexit: Das verkackte Regenwetter musste die Insel bereits verlassen." Aber das habe ich ihr nicht gesagt.

Montag, 24.07.2017

Der Fahrradweg nach Linlithgow

Nach einem wunderbar sonnigen Abend genießen wir am Morgen die sanitären Einrichtungen. Her Grace Murmel the first Duchess of the Todesstern nimmt derweil huldvoll die Parade von Kindern und Hunden ab, die an ihr vorbeidefiliert.

Weil auch heute das Wetter fantastisch ist und wir uns noch nicht so richtig durchringen können ab jetzt nur noch Autobahnen zu sehen, besichtigen wir die Länderen des Castle. Dazu gehört eine Wassermühle, die noch täglich in Betrieb ist. WIr begucken sie von innen und außen, im Shop kaufen wir dort hergestelltes Hafermehl und Scones.

Die überleben genau bis zum Bahnübergang, wo sie uns die Wartezeit versüßen. Die Scones und die schönen Vorgärten.


Wir fahren 10 Kilometer weiter bis zu Edradour Distillery, der kleinsten legalen Brennerei in Schottland. Wären ihre Brennblasen nur ein bißchen kleiner, gälten sie nach hiesigem Recht als transportabel und somit illegal. Die Zufahrt ist wie ein Tunnel aus Bäumen und die Destille ist wirklich winzig aber bildhübsch.

   


Drinnen gibt es unter anderem einen Whisky namens Fairy Flag, der zu Ehren eines Films über die Geschichte der MacLeods und ihrer Clan-Fahne. Angeblich bekamen sie die von den Feen und man konnte damit Vieh heilen, Unfruchtbarkeit kurieren und sie sorgte stets für reichlich FIsche im Loch vor dem Dunvegan Castel. Sie wird ausgestellt im Dunvegan Castel, dass wir nur von außen beguckt haben, weil wir die MacLeods ja nicht leiden können. Der 15 Jahre alte Whisky ist leider köstlich. Bescheiden wir wir sind (und mittlerweile pleite) kaufen wir nur jeder eine Miniaturflasche.


Zwei wichtige Informationen, falls Ihr hier mal hinkommt: Diese Fässer hier sind alle mit Namen gekennzeichnet und es ist verboten auf dem Parkplatz Bratwurst zu grillen.



Die Autobahn stellen wir uns immer noch schrecklich vor und machen einen Abstecher nach Pitlochry. Das ist wirklich schön aber auch klein und nach zwei Stunden hilft es alles nichts mehr, wir müssen los. Ab heute sind wir offiziell auf dem Heimweg.

Wie erwartet ist es ein langweiliger Ritt, einzige Highlights waren die hübschen Wolken, das am Horizont vorbeifliegende Sterling Castle und die Falkirk Kelpies, die knipse ich morgen nochmal richtig. Ich glaube von denen habe ich letztes Jahr schon erzählt, 30 Meter hohe Stahl-Skulpturen am Clyde Canal.

 


Unseren Platz für die Nacht haben wir in Linlithgow auf dem Parkplatz des Castle gefunden, malerisch zwischen See, Park und Schloß von 1424, in dem etwas über 100 Jahre später  Maria Stuart geboren wurde. Die wiederum wurde im Alter von 6 Tagen Königin von Schottland. Mit ihrer Krönung auf Stirling Castle  wartete man immerhin rücksichtsvoll, bis sie 9 Monate alt war.


2012 war ich hier schonmal aus Versehen mit dem Landy, wir hatten uns hinter Edinburgh verfahren und fanden uns auf dem Fahrradweg nach Linlithgow wieder, von dem wir nur durch eine beherzte Gurkerei zwischen Loch 8 und Loch 9 des örtlichen Golfplatzes wieder zurück zur korrekten Route Richtung  Stirling kamen. Die Golfer haben übrigens freundlich gewunken und nicht geschimpft. Da wusste ich, ich komme wieder.

Sonntag, 23.07.2017

His Grace Iain Murray 10th Duke of Atholl

Am Abend freuen wir uns, dass es uns gelungen ist, hier am nördlichsten Punkt so lange aufzubleiben, dass es hier noch hell und im Rest von Schottland schon dunkel ist.

Am Morgen beobachten wir die beiden älteren Radfahrer beim Packen. Sie haben beide eine Neuseelandflagge am Radanhänger, daher schließen wir messerscharf, dass es Kiwis sind. WIr belauschen ein Gespräch, dass sie mit einem älteren Ehepaar (mit einem großartigen alten babyblauen T2-Bus unterwegs) führen. Die Neuseeländer sind bei dieser Tour schon 3.800 Kiliometer gefahren. Dreitausendachthundert. Auf dem Fahrrad. Mit Anhänger und Zelt. Durch die Highlands. Da sind Berge. Und Gegenwind. Wir erbleichen.


SIe berichten fröhlich, dass sie auf vielen Inseln gewesen seien, Arran, Islay, Skye natürlich, und heute auf die Orkneys übersetzen, wo sie sich mal 3 Ruhetage gönnen. Sie erzählen auch von ihrer Riesentour durch Kanada und währenddessen betrachte ich etwas verschämt meinen kleinen Urkunden-Aufkleber für 500 km Autofahren. Erwähnte ich schon, dass einer der beiden einen krummen Rücken hat und beim Gehen ein Bein nachzieht? Der braucht eine Viertelstunde vom Zelt zur Dusche wenn er geht, fährt aber Tausende Kilometer Rad. Die müssen wirklich lieben, was sie tun.


Das Wetter ist entgegen der Vorhersage gut, es hat in der Nacht geregnet aber jetzt ist der Himmel blau und wir bummeln los.

Leider ist die Gegend langweilig, rechts und links der Straße unendliche Wiesen, die einzige Abwechslung bieten die dunklen Flecken, das sind die Schatten der Wolken und hin und wieder die Ruinen eines verlassenen Farmhauses.


Als wir uns wieder der Küste nähern, wird es irisch, also so wie in der Kerrygold-Werbung. Steilküsten und braune Kühe.


Die Strecke wird ein bißchen spannender, Haarnadelkurven am Abgrund und schwarze Kühe.

Und einen hübschen Friedhof:


Am Moray Firth in Tain liegt die Glen Morangie Destillerie. Die hat mehrfach den Besitzer gewechselt und gehört mittlerweile zur Moet-Luis-Vuitton-Gruppe. Sie dürfte neben Glenfiddich zu den bekanntesten Destillerien gehören und exportiert in die ganze Welt. Aber der 200 Jahre alten Tradition gemäß hat die Destille auch heute nur genau 16 Mitarbeiter.


"The 16 Men of Tain", so steht es auch auf den Flaschen geschrieben. Unter den 16 gibt es aber mittlerweile eine Frau. Wir buchen keine Führung, schlappen aber über das Firmengelände, bewundern die 8 Brennblasen (die höchsten in Schottland, daher soll der milde Geschmack kommen), das dekorative Auto im Hof, den hauseigenen kleinen Wasserfall und den Fjord.


Und da sind tatsächlich Seehunde, sie stecken die Köpfe aus dem Wasser, gucken rechts, gucken links und verschwinden wieder. Auf dem Foto sieht man keine, weil ich nie schnell genug abgedrückt habe, aber sie waren da! Ischschwör!!


Wie Banksy schon sagte, Exit through the Gift Shop, ich habe praktisch nix gekauft!


Dann geht es ab über einen Damm und eine Brücke zurück auf die Black Isle, eigentlich ist das nur eine Halbinsel zwischen drei Förden, aber die Schotten nehmen das nicht so genau, ist genug Wasser drumherum, isses eine Insel.

Wir haben noch genug Shortbread (die beste Sorte der Welt) an Bord

und daher brausen wir an Inverness vorbei gleich durch nach Blair Atholl. Die Gegend wird in den Cairngorns wieder etwas highlandischer und das Wetter wechselt im Viertelstundenrhytmus von Veronika-der Lenz-ist-da zu gleich-wirds-hier-aber-sowas-von-gewittern und wieder zurück.


Wir stoppen kurz im Bruar House, das man hier "Harrods of the Highlands" nennt, ich berichtete bereits davon, verlassen es aber ohne Beute, das Spaß-Budget neigt sich bedenklich dem Ende zu. Also begeben wir uns auf einen unserer Lieblingsplätze von ganz Schottland. Unterhalb von Blair Castle hat (und das ist die Wahrheit) His Grace the 10th Duke of Atholl auf seinen Ländereien Anfang der 70er einen Campingplatz eröffnet. Davon habe ich Euch letztes Jahr schon vorgeschwärmt, riesige englische Rasenflächen, ein Bach, der einen natürlichen großen Swimming-Pool bildet, komplette Badezimmer in den Sanitärhäusern.


Der Duke war die einzige Person in ganz Europa, die legal eine Privat-Armee haben durfte, die Atholl Highlanders. Hier gibt es auch eine der besten Pipe-Bands von Schottland, das Highland Gathering hier findet selbstverständlich vor dem Schloß statt inklusive einer Parade der Band und der "Armee" durch das Dorf.

Wer mag gewinnt hier einen Eindruck, es ist die diesjährige Parade, die wir natürlich nicht gesehen haben, sie findet jährlich im Mai statt.

https://www.youtube.com/watch?v=9iR78WG3V8E

Der Duke starb in den 90ern und da er kinderlos war, vermachte er einen Tag vor seinem Tod seine Ländereien und sein Schloß einem wohltätigem Verein. Damit enterbte er faktisch seinen eigentlichen Erben, einen Cousin, der in Südafrika geboren war und dort auch lebte. Dieser meinte aber, dass er sich mehr als Südafrikaner denn als Schotte fühle und nahms nicht krumm, immerhin erbte er den Titel und wurde somit der 11th Duke of Atholl. Und als solcher flog er bis zu seinem Tod 2012 jedes Jahr im Mai hier hin und nahm die Parade seiner Armee ab.

Auf diesem Platz hier findet man keine Radfahrer. dafür aber eine höchst interessante Ansammlung wirklich gigantischer Familienzelte. Wie es scheint, verbringen manche hier die gesamten Ferien im Zelt. Da gibt es welche, 12 Meter lang,  mit Eingangshalle, Wohnzimmer, Küche hintereinander,  und rechts und links davon schließen noch Nord- und Südflügel an, darin vermuten wir die Schlafzimmer, natürlich alles mit Stehhöhe für große Menschen. Wir schätzen einige davon auf über 30 Quadratmeter überbaute Fläche. Anscheinend gibt es hier nicht viel Wind. Wir prüfen die Wetter-App und staunen, vor allem, als wir das App-Bild mit dem tatsächlichen Bild vergleichen:

Umso besser. Wie sagt man hier: Wenn Dir das Wetter nicht gefällt warte eine Stunde, dann hast Du ein anderes.

Samstag, 22.07.2017

Die neuesten Mitglieder des NC 500 Clubs

Allmählich fühlen wir uns unbesiegbar. Wir haben IMMER den geilsten Übernachtungsplatz, IMMER das beste Wetter und IMMER den Spitzenplan für jegliche Unternehmungen. Tatsächlich hat es in den letzten 10 Tagen ab und an geregnet, aber IMMER hochanständig, also entweder nachts oder wenn wir sowieso gerade 100 Kilometer fahren wollten.

Die notariell beglaubigte Aufsichtsbeamte prüft das Wetter und befindet: ein toller Tag für eine kurze Fahrt und einen langen Aufenthalt auf einem Campingplatz.

Nach 3 Tagen Wildcamping haben müssen wir einige Tanks entleeren, andere auffüllen, Wäsche waschen und mal eine echte Dusche nehmen. Die im Todesstern ist toll, aber den richtigen Dreck kriegt die auch nicht ab.


Zunächst geht es über den Damm, den wir den ganzen Abend bewundert hatten nach Tongue, auch hier fabulöse Sandstrände.

 


Von hier oben kann man auch noch einmal den Damm und vor allem die Seehund-Sandbänke sehen.


Wir spielen Spot-the-Castle (na wer sieht's?)

Die Straße ist erst ganz prima (immer wenn sie so ist, steht am Anfang ein "mit Mitteln der EU gebaut"-Schild, soviel zum Brexit) und dann wieder hobbly-wobbly. Hier nun auch mal ein Foto von einem Plomben-Rausrüttler:



und einer Ruine. Ich mag Ruinen.


Und einer Ruine mit Kühen drin.

Und Kühen ohne Ruinen, Kühe mag ich auch.

Und noch eins für Murmel:


Und dann ist es geschafft, wir erreichen Thurso. Sonja wird sich lebhaft erinnern, aber heute strahlt die Sonne und der WInd ist lebhaft, aber ungefährlich. Gegenüber erkennt man erstaunlich deutlich die Orkneys und wir schmieden schonmal Pläne für die nächste Tour. Sonja und ich als Versorgungstruppe im gelben Bus und Marion auf dem Motorrad...

An Thurso außer der häufigen Stürme noch zwei weitere DInge speziell. Erstens:



und zweitens ist es hier verboten, beim Einparken zu singen:


Nein, Quatsch, zweitens ist speziell, dass wir hiermit beide die NC500 komplett absolviert haben. Das ist die "North Coast 500 Tour", ein 500 Kilometer langer Trail rund um Nordschottland.Hier ein ausnahmsweise geklautes Bild von der schottischen Tourismusseite, so hoch fliegt der Todesstern leider nicht:

und hier der Trail:

Den ersten Teil haben wir getrennt voneinander unternommen, den zweiten nun gemeinsam, und wir beglückwünschen uns. Murmel bekommt zur Belohnung einen weiteren Strandspaziergang (das einzige, was der Hund mehr liebt als Schnee ist Sand, könnt Ihr sie sehen?)

 

 und wir bekommen T-Shirts und Aufkleber, die unsere großartige Leistung angemessen würdigen und zur Schau stellen.


Während ich dies tippe, wackelt der Todesstern wie ein Lämmerschwanz. Marion hat natürlich einen riesig großen Aufkleber bekommen (ich nur einen kleinen, alle mal so ohhhh!), und befreit gerade hingebungsvoll das Heck vom Dreck der letzten 2000 Kilometer, um ihn würdig anzubringen.

Später: Auf diesem Bild sieht man einen majestätischen Todesstern, eine stolze Marion, einen riesigen NC 500 Aufkleber, die Orkneys und die Minions.

So lautete mein Auftrag und ich bin froh, dass es mir gelungen ist, denn nun darf ich zur Belohnung Burger essen gehen im Blue Door Café hier um die Ecke.

Nun noch das Bild vom Stellplatz für die Nacht, die beiden Fahrräder im Bild gehören zwei älteren Herren, der eine ist bestimmt 70 Jahre alt. Die treffen wir seit Tagen immer mal wieder, die sind derart sportlich unterwegs, dass wir uns vor Hochachtung kaum lassen können.



Später: Die beiden drahtigen Herren füllen draußen ihre Wasserflaschen und wir bestellen voller Hochachtung für dieses Askese Himbeer- und Pinacolada-Shakes zu unseren Burgern. Wir müssen schließlich nachher noch duschen und finden, das ist schon genug Sport. Das Blue Door Café ist herrlich, die Mannschaft sieht aus, als wäre niemand über 20 Jahre alt, alle gut gelaunt und freundlich, es wird viel gelacht und zur lauten Musik gehampelt, durch das Fenster hat man den schönsten Blick über die Bucht, Bay TV mal wieder at it's best.

Freitag, 21.07.2017

Massenmörder und Highland-Schrate

Heute morgen um 4:30 wird Marion geweckt. Grmpf, Grmpf, Grmpf, Skrondel, Skrondel, Grmpf. Das war aber nicht ich, sondern 5 solche Kameraden, die rund um den Todesstern friedlich ästen.

 Ja, ja, ich habe es nur auf den Fotos gesehen. So um 8 Uhr. Sie hat versucht, mich zu wecken. Zweimal. Wollte aber auch die Hirsche nicht vertreiben. Und keinen Arm verlieren. Und unser Super-Duper-Jagdhund hat unten in meinem Schlafsack geschnarcht. War schließlich kalt in der Nacht.

Nach dem Kaffee ging's weiter immer nordwärts. Und Junge, was für eine Gegend. Und die Wolken! Und die Lochs! Und der Himmel! Und überhaupt!



Als dann auch noch Ruinen ins Bild kommen, eskalieren wir völlig und knipsen die Akkus unserer Handy heiß. Und es geht immer weiter so, nach jeder Kurve etwas noch Schöneres. Man sollte ja meinen, wir waren oft genug hier, aber es ist immer wie beim ersten Mal.


Deshalb heute Fotos, Fotos, Fotos, was soll ich groß erzählen, es ist Herr-der-Ringe-Land, an den Hügeln fehlen nur noch die runden Hobbit-Türen und über den schwarzen Bergen die Nazgul.

Alles ist Jippih!



Gegen Mittag erreichen wir Sango Sands, einen wirklich karibischen Strand. Und es ist warm. Wir spielen Fangen mit dem Hund und Verstecken, klettern in den Felsen rum, kriegen nasse Füsse und haben unseren Spaß. Glaubt einem keiner, dass das hier der äußerste Norden ist.

Natürlich liebe ich meinen Hund, aber eigentlich fotografiere ich ihn nur deshalb dauernd, damit niemand denkt, wir fotografieren hier nur Karibik-Postkarten ab.

Aber es gibt noch mehr zu entdecken. Ein paar Kilometer weiter befindet sich die Smoo Cave. Ob Tolkien hier auf Smaug gekommen ist? Über Treppen geht es runter in eine Schlucht, man kann sich gut vorstellen, wie die Wikinger hier ihre Boote reingezogen haben, Funde weisen darauf hin, dass sie hier repariert und gebaut haben.



Die Höhle ist riesig. Man kann sie nicht gut fotografieren, denn sie ist außerdem dunkel. Durch ein Loch in der Decke der ersten Kammer fällt Licht ein.



und durch ein Loch in der zweiten Kammer ballert ein amtlicher Wasserfall nach unten. Colin bietet ab hier Führungen mit einem Boot in die dritte Kammer, aber da es in letzter Zeit zuviel geregnet hat und Westwind weht, geht das heute nicht.


Macht nichts. Und weiter geht die wilde Fahrt. Single Track mit einigem Gegenverkehr, mit Lkws und anderen Wohnmobilen ist es spannend, denn hier sind selbst die passing places winzig. Für die 20 Kilometer rund um den Fjord sind wir fast zwei Stunden unterwegs.


Als endlich kein Betrieb mehr ist und man die Piste kilometerlang vor sich sehen kann, kommt ein Mann auf uns zu, zu Fuß. Wir denken, dass das wohl der einsamste Mensch in den Highlands heute ist, in alle RIchtungen von hier aus erstrecken sich endlose Weiten ohne Weg, ohne Pfad. Als wir näherkommen winkt er uns ran. Wir stoppen und erkennen, das der alte bärtige zerzottelte Kerl wohl doch nicht ganz alleine ist. Er hält uns einen Vortrag, dass man uns von oben beobachtet und auch von drumherum, er deklamiert recht zornig und wir verstehen ihn immer schlechter, seine Gesten werden ausholender und zack, winkt er ab und marschiert strammen Schrittes weiter seines Weges. Ääääähm...Ja. Wir hoffen, er weiß, wo er hin will und auch,  dass er da willkommen ist und zuckeln weiter.

Wir entdecken unterwegs noch eine weitere Ruine, dahinter liegt das verlassene Dorf Balnakeil. Leider verpassen wir die Zufahrt und haben nur dieses Foto von außen geschossen.

Aber die Geschichte ist so spannend, dass ich sie dennoch erzähle:
Auf dem Friedhof liegt seit dem Jahr 1623 der 18-fache Mörder Donald McMurdo. Angeblich war er ein Auftragsmörder, der seine Opfer durch das Loch in der vorhin besuchten  Smoo Cave entsorgte. Der Pfarrer war nicht begeistert davon, ihn auf seinem heiligen Acker zu begraben, man munkelt, dass entweder Donald selbst im vorhinein oder aber sein Auftraggeber für viel Geld eine Grabstelle gekauft hätten. So begrub man ihn auf der Friedhofsgrenze halb drinnen halb draußen liegend, meißelte einen Totenkopf mit gekreuzten Knochen auf seinen Grabstein und folgende Inschrift:

Donald MacMurdo here lies low
was ill to his friends and worse to his foe
true to his master in prosperity and woe
DMMC 1623

(Donald MacMurdo liegt hier tief, war übel zu seinen Freunden und schlimmer noch zu seinen Feinden, treu seinem Meister in Wohlstand und Leid.

Nach den vielen Eindrücken heute sind wir auch schon ziemlich groggy und stoppen früh für die Nacht. Natürlich stehen wir am Fjord, links Sandbänke mit Seehunden, rechts ein Damm über den es morgen weiter Richtung Thurso geht, hinter uns Schafe, über uns reichlich Seevögel. Und um es komplett zu machen in Richtung Damm ein wunderschöner Friedhof, den haben wir uns dann nochmal genau angeschaut.

 

DieseInschrift auf diesem Stein fanden wir sehr anrührend:

Und an diesem mochten wir den Quaich und die Flasche:

Und was hier für einer begraben liegt, ist auch klar:

Heute haben wir zum allerersten Mal nicht nur Schafe sondern auch Schäfer gesehen. Single Track kamen uns zwei ausgesprochen glänzend gelaunte braun gebrannte junge Männer auf einem Quad entgegen, bedankten sich geradezu ekstatisch dafür, dass wir Platz zum passieren ließen, hinten auf dem Quad klammerten sich ganze 4 Border Collies fest.

Und eben kam ein älterer Schäfer ebenfalls auf einem Quad mit zwei Border Collies an Bord, der mit wildem Gejohle und Gepfeife die Herde neben unserem Schlafplatz  zusammentrieb

Ihn haben wir nicht aufs Bild bekommen, er war flitzeflink mit seinem Quad im Heidekraut unterwegs. Und so genießen wir den Blick aus dem Fenster und schottes Chicken Fajita ;-)

Donnerstag, 20.07.2017

Buddha by the Sea and on the Beach

Buddha by the sea ist vollgestopft mit Räucherstäbchen und Klingeling-Dingern, hunderte von Klingeling-Dingern und nach 5 Minuten kriege ich das Nervenflattern. Auf dem Schild draußen ist angekündigt, die Waren seien "from Nepal, Rajastan & far away", far away ist dann anscheinend die Südamerika-Abteilung, in der man sich trefflich auf den dias de los muertes vorbereiten kann, wie gesagt, Totenköpfe gehen halt immer.


Auf unserem weiteren Weg Richtung Norden nimmt der Verkehr drastisch zu, das Wetter ist so la la. Wir beschließen etwas kulturell Wertvolles zu unternehmen und stoppen an den Inverewe Gardens. Da hat ein exzentrischer Schotte Schiffsladungen von Mutterboden ankarren lassen und die günstige Lage des Loch Ewe am Golfstrom genutzt, einen botanischen Garten anzulegen.


Der Kartenverkäufer erklärt uns kurz einiges und erwähnt noch beiläufig "the midges are pretty lethal today". Das sind sie in der Tat, aber zum Glück haben wir unsere albernen Midges-Hüte dabei und glaubt uns, NIEMAND hat gelacht. NIEMAND. Alle anderen stapften nämlich wie der schwarze Block umher, Kapuzen bis zur Nase runtergezogen, Schals und Tücher bis zu den Augenbrauen hoch.


In der Tat ist dieser Garten sehr hübsch und es gibt Pflanzen aus aller Welt, Eukalyptus, Bambus, Palmen, Pinien, Magnolien und Rhododendron, viele davon in gigantischer Größe. Auch einen lustigen Gemüsegarten, in dem immer abwechselnd Gemüse und Blumen in ordentlichen Vierecken gepflanzt sind.

 


Nun ist es leider so, dass wir beide keine Hobbygärtner sind, der Gärtnerei eher skeptisch (Marion) bis ablehnend (moi) gegenüberstehen und gar keine Ahnung davon haben. Und so hielt sich unser Enthusiasmus sehr in Grenzen. Dieser Garten ist an uns leider völlig verschwendet und so halten wir es schlicht für ganz großen Quatsch, sowas hier an der windigsten, kältesten, kargsten und felsigsten Gegend West-Europas zu veranstalten.
Um dann doch noch wenigstens etwas Expertise zu similieren hier unsere Lieblinge im Park:

der Camouflage-Baum

 

die Distel-Agaven-Hybride


und Rhabarber gab's auch.

 

Das beste war eigentlich der Blick auf Loch Ewe und die Werbung für das hauseigene Midge-Mittel.
Also dampften wir ab Richtung Ullapool und erfreuten uns lieber an der echten Natur, die von selbst da wächst wo sie will.

Die Wolken haben auch ordentlich Quatsch gemacht, meistens sieht der Himmel so aus, als wäre alles mit Zeitraffer aufgenommen und daher so langgezogen, einmal so als würde auf den Wallewölkchen ein Topfdeckel sitzen und sie platt drücken.

Einen Strandspaziergang gab es natürlich auch noch, bevor wir endgültig in die Felsenwelt aufstiegen.


Nun stehen wir mitten im Geopark etwas oberhalb der Straße  und schauen durch das Fenster auf dieses Panorama.


Neben uns steht ein weiteres Wohnmobil, darin  übernachtet John, der Vogelbeobachter, das ist ein weit verbreitetes Hobby hierzulande. Vorhin kam eine Gruppe - wir denken Studenten, die zu den Informationstafeln aufstiegen und beim Runtersteigen eine herrliche Midge-Pantomime aufführten. Also war ich gewappnet und unternahm die Hunderunde mit albernem Hut. Weise Entscheidung, denn John und ich kamen ins Plaudern und als wir fertig waren saßen Millarden von den Dingern auf dem Netz vor meinem Gesicht. Ich habe ja schon oft Midges gesehen und ich habe auch schon viele auf einmal gesehen, aber das hier? Das habe ich noch nie gesehen. Es kam wie es kommen musst, trotz wildem Hut- und Körpergeschüttel vor der Tür kamen hunderte mit mir zusammen reingeschwebt und jetzt ist hier erstmal Halali im Todesstern.




Mittwoch, 19.07.2017

Bay TV auf Skye (Titel geklaut)

Es war ein brillanter Sonnenuntergang. Wir haben ihn durch das Fenster genossen. In der Sekunde, in der man vor die Tür trat, war man auch schon komplett von den Midges benagt. So schossen wir nur geschwind ein Beweisfoto, flüchteten  ins Innere des Todessterns und stritten um die Fenistil-Tube.

 

Nach soviel Natur verordneten wir uns ein bißchen Urbanisation und begaben uns nach Portree. Zunächst besuchten wir unseren Lieblingsladen mit dem netten Ehepaar vom letzten Jahr. Dort gibt es allerlei lustige Dinge zu kaufen, auf ungefähr der Hälfte sind Totenköpfe, auf der anderen Hälfte irgendwas mit Blümchen. Und natürlich hundert Sorten Whisky.


Diesmal hatte er Dienst, begrüßte uns gleich mit "you'd been here before!" und fütterte den Hund mit riesigen Leckerchen. Wir plauderten über Seeadler und Whisky, probierten auch ein zwei Schlückchen und baten dann um einen "Getorften for the very Beginners". Er empfahl uns einen Smokehead von der Insel Islay. Da der erstens tatsächlich schmeckte, zweitens recht günstig war und drittens in einer Blechdose mit Totenköpfen kam,  kauften wir eine Flasche. Er schenkte uns noch eine kleine Flasche vom gleichen Stoff dazu, damit wir den für unser geplantes Fischmahl am Hafen  gleich zur Hand hätten.
Also begaben wir uns gleich dorthin,  aßen Fish & Chips beinebaumelnd auf der Hafenmauer sitzend, erstanden eine Tüte Chips mit Haggis-Geschmack und amüsierten uns über das Angebot der Touristenläden.

Da es immer noch so "heiß" (23 Grad) hier ist, haben die Geschäftsinhaber alle Türen geöffnet, so das wir einen Blick in den Personalraum eines Klamottenladens werfen konnten. "FOLD OR DIE" Gnihihihihi!

Insgesamt war einiges los in Portree, vor der Bank fuhr ein Reisebus dem Geldtransporter mit Schmackes den Spiegel ab und brauste weiter, den daneben stehenden  Geldboten in vollem Ornat mit Helm, schußsicherer Weste und Geldkassette fassungslos dreinblickend in einer Staubwolke zurücklassend.
Bei herrlichstem Wetter tuckerten wir durch die Berge, dann ab über die Brücke, dort warfen wir mein Billig-Armbändchen vom letzten Jahr in den Fjord, weil das Silber abging ;-)

Unsere eigentliche RIchtung ist nun der Norden, weil aber der Westeross Trail so schön ist und der Name so Games-of-Thrones-inish nahmen wir den Umweg über Achnasheen nach Gairloch. Es geht rauf und runter, mal ist die Straße breit und glatt, mal single track, wir bekommen Krämpfe vom Bitte-Winken und noch öfter vom Danke-Winken. Das macht man hier so, und wenn jemand einen überholen lässt, hupt man freundlich, weil der das WInken ja nicht sehen könnte.

Besonderes Highlight war diesmal ein Single-Track-Tunnel, der war wirklich nichts für schwache Nerven und die vielen Cattle Grids. Ein Cattle Grid ist ein Graben quer über der Straße, 2-3 Meter breit. Darüber liegen ebenfalls Quer runde oder eckige Eisenstangen. Kühe und Schafe können nicht darüber gehen und so hält man sie einigermaßen beisammen. Leider waren die nicht alle durch Schilder angekündigt, so dass wir den ersten viel zu schnell nahmen. Nachdem uns dabei fast die Plomben aus den Zähnen gefallen wären wurden wir vorsichtiger, was zu regelmäßigen Vollbremsungen führte.

Am Victoria Wasserfall machten wir Halt und räumten erstmal den Todesstern wieder auf. Der gesamte Inhalt war um einen Meter nach vorne verschoben und alles was einstmals hing, lag nun. Der Wasserfall war hübsch und nass, viel mehr faszinierten uns allerdings die  Wolken, die wie riesige Donuts über uns aufzogen. Wir bestaunten das Loch Mare und erreichten schließlich Gairloch. Dort besuchen wir morgen die beiden Hauptattraktionen, zum einen das HillieBillie-Café, ein in den frühen 80ern steckengebliebener Hippie-Buchladen mit Tea Room und einen Laden mit Blick auf den Fjord, der vielversprechend "Buddha-on-the-sea" heisst. Nun gibt es Abendessen und Ale von Skye mit Blick  auf selbiges. Heute abend macht sie ihrem Name Ehre und ist ganz in Nebel gehüllt.

Dienstag, 18.07.2017

So sehn Fjorde aus, scha la la lala

Zunächst einmal - weil mir ja sonst wieder keiner glaubt - ein paar heimliche Schnappschüsse des gestrigen Personals: Der Vampir, die Zigarre, der Bunk Camper,



der Bad Ass und das Schweizer National-Basilikum.



Am Abend erschienen noch zwei Wölkchen und trieben Schabernack, eine simulierte ziemlich glaubwürdig ein Feuer hinter dem Hügel, die andere einen kompakten Riesen-Wattebausch zwischen drei Gipfeln.



Dann zuckelten wir los, Marion hatte eine Silberschmiede ausgekundschaftet, die ziemlich einzigartiges von der Natur und dem Book of Kell inspiriertes Geschmeide herstellt. Es wurde eine Super-Fahrt. Mal dunkelblaues mal dunkelgrünes Fjordwasser,

mal wähnten wir uns in  Norwegen,mal in der Mongolei.



Ich hatte in einem kleinen Laden ein Buch gekauft namens "The Guide to mysterious Skye". Darin hat der Auto alle Sagen und Legenden gesammelt, die sich hier um jeden Tümpel, jeden Felshaufen und jede andere Landmarke drehen. So amüsierten wir uns über die Feen-, Geister-, Monstersichtungen, auch zu diesen hübschen Tafelbergen gibt es blutrünstige und unterhaltsame Geschichten.
Die Silberschmiede lag dann am Ende dieses Weges, hier stört einen übrigens keineswegs ein Traktor vorneweg, ohne den kommt man auch nicht schneller voran. Die freilaufenden Silberschmiede werden hier artgerecht in einem uralten Schulhaus mit Meerblick gehalten und waren ausgesprochen freundlich.



Sie erklärten uns geduldig alle Muster und Motive, Marion entschied sich für einen Ring mit den "Dogs of Lindisfarne" (ein Wikingermuster) und einen Anhänger mit den Umrissen der Isle of Skye, ich für einen Anhänger mit Kringeln und Kreisen. Klingt jetzt nicht so bedeutungsvoll, symbolisiert aber Regentropfen die in eine Pfütze fallen und das fand ich meinem heiteren Gemüt sehr entsprechend. Außerdem ist es eine Pfütze auf Skye und somit schonmal per se toll. Pöh!

Fjorde mit Inseln, Single Track Road bis zu den schwarzen Cuillins am  Horizont, wir beglückwünschen uns auf jedem Meter.


Wir erreichen Dunvegan Castle,  eines der ganz wenigen, das noch ganzjährig bewohnt wird und zwar seit 800 Jahren vom Clan der MacLeods. Die können wir aber nicht leiden, weil der aktuelle Chief (denen gehört dieser komplette Teil von Skye) vor einigen Jahren die Black Cuillins (dieses Gebirge am Horizont) für 2 Millionen Pfund bei Ebay eingestellt hat. Kein Witz! Außerdem verlangen sie reichlich viel Eintritt, daher fotografieren wir nur das zugegeben wunderschöne EIngangstor.



Zu meinem Entzücken fahren wir an einem Steinkreis vorbei. Ok, ein Kreis aus zwei Steinen ist kein Kreis, ja ja, Klugscheißer, aber es waren mal 3! Der Legende nach (tolles Buch habe ich da gekauft) hat Fingal hier mit seinen Kumpanen gejagt und an den drei Steinen seinen Kessel über dem Feuer aufgehängt um aus den erlegten Rehen Eintopf zu kochen. Der Name der Stätte lautet Sornaichean Coir'Fhinn.



Nach soviel Kultur sind wir hungrig und machen Picknick an einer steilen Küste über Idrigill. Blick nach links, rechts und geradeaus:

 


Auch die Aufsichtsbeamte ist zufrieden, daher noch ein Beweisfoto mit Todesstern.


Da das doofe Handy alles immer so flach abbildet (die Berge sind hier höher als es auf den Bildern erscheint und insgesamt ist alles deutlich mehr 3D, ich muss doch mal eine richtige Kamera mitnehmen), machen wir noch ein Bild von diesem Platz von unten, das ist natürlich nicht der Todesstern, es ist viel zu heiß um so weit zu laufen.

Tatsächlich sind es 23 Grad im Schatten. Die Bewohner hier sprechen von einer Hitzewelle, die Frau im Buchladen sah aus, als bekäme sie gleich einen Schlaganfall. Damit uns das am Dunvegan Castle gesparte Eintrittsgeld kein Loch in die Tasche brennt, geben wir es schnell hier in der Skye-Brauerei inUig aus.


Tatsächlich finden wir es auch ein bißchen zu warm hier und ziehen uns in die Berge zurück. Von dort kann man die Hafenbucht noch toll sehen und Disteln gibt es auch. Also packen wir unsere Pipes an und beginnen sehr enthusiastisch, die Gegend anzutröten. Unser Elan wird nach einer Viertelstunde von den Midges doch empfindlich gestört und wir ziehen uns in den Todesstern zurück um auf den Sonnenuntergang zu warten. Die Sache ist nur die, der beginnt hier so gegen halb elf und wir sind jetzt schon müde. Den besten Platz hat sowieso wie immer Madame eingenommen. Wir werden sehen.

 

Montag, 17.07.2017

Autokino oder die fragwürdige Idylle im Hochmoor

Im Moor müsst Ihr Euch das so vorstellen:  Es ist unglaublich still. Da zwitschern keine Vögel, da zirpen keine Grillen, da sind keine Menschen, alles was man hört sind die eigenen Schritte und wenn man stehenbleibt hört man nichts mehr. Es ist unglaublich schön. Die Landschaft ist sehr reduziert, es gibt keine Bäume, keine Büsche, nur krautiges niedriges Zeug und das meiste ist grün. Ich habe da immer das Gefühl, dass meine Sinne ein bißchen schärfer werden, wenn nicht so ein akustischer und optischer Overflow auf mich einwirkt.

Guckt Euch mal die Gegend bei Google Earth an, dann wisst Ihr was ich meine.

Und dann kommen wir zurück auf den Campingplatz. Das ist kein richtiger Campingplatz wie man sie auf dem Festland kennt. Das ist einfach nur die einzige flache und trockene Stelle in diesem riesigen Moor, an dieser langen Straße die hier durchführt. Da hat ein schlauer Schotte erst eine Brauerei gegündet und dann ein Sanitärhäuschen gebaut und ein Preisschild aufgestellt. Ok, ein paar Stromanschlüsse und eine Wasserzapfstelle gibt es auch.
Man sollte meinen, hier sitzen ein paar unerschrockene Hanseln andächtig und still in der Natur und reden wenig. Nun ja. In der letzten halben Stunde war es hier so:

Ein kleineres Wohnmobil mit der Aufschrift "Bunkcamper" fährt ein und sucht umständlich und unter viel Rangieren einen leicht schiefen Platz auf. Ihm folgt der wahrscheinlich langsamste Italiener der Welt. Er hält 17mal an, steigt aus, steigt ein, fährt laaangsaaam ein paar Meter, steigt aus, steigt ein usw.  Während wir das noch beobachten erscheint ein Airstream, diese amerikanischen silbernen zigarrenförmigen Wohnwagen.

Auftritt der Schweizer: 5 sehr sehr junge Schweizer in einem sehr sehr alten Wohnmobil entern schwungvoll den Platz und stellen sich krumm und schief und unter reichlich aus den offenen Fenstern und Türen (!) brüllend in eine Lücke am Stromanschluß.

Der Bunkcamper stellt fest, dass sein Stromkabel zu kurz ist und wendet in 48 Zügen seine Karre. Steht jetzt noch schiefer, aber das Kabel reicht. Nun kommt ein weißes "Motorhome Hire" an. Es stiegen eine Menge Leute aus (5 oder 6, mutmaßlich Italiener) und schwärmten sternförmig aus um den Platz zu inspizieren.

Der langsame Italier hat beim 18. Zwischenstopp seine Frau vergessen,  die läuft hinter ihm her. Währenddessen rennt ein kleiner bebrillter Junge mit einem Wasserkessel kreuz und quer zwischen allen Wohnmobilen rum, dengel kabengel kadengel.

Der schlaue Schotte erklärt den Schweizern, dass der geschotterte Teil mit den Stromanschlüssen teurer ist, alle hüpfen an Bord und parken unter viel unverständlichem Krakeele, mehreren Anläufen mit Vollgas in bedenklicher Schräglage und hängendem Heck auf einem abfallenden Stück Wiese ein.

Der Italiener hat seine Frau wieder aufgenommen und parkt jetzt mit dem Temperament von Plattentektonik  und der Geschwindigkeit einer Wanderdüne dem neben ihm stehenden Bulli die Schiebetür zu.

Auftritt der Vampire: Ein kunterbunt bemalter (ich glaube) Kangoo mit einer großen Fledermaus auf der Seite und der Aufschrift "Fang Face" auf der einen und "bad ass" auf der anderen Tür stürmt beherzt den Platz und stoppt an der Wasserstelle.

Die Schweizer haben Tisch und Stühle von ihrem Dach aus auf die Wiese geworfen und stellen einen Topf Basilikum (Ihr kennt die aus dem Supermarkt mit der Folie drumherum?) auf den Tisch. Nun sitzen sie drumherum und jeder zupft sich ein bis zwei Blättchen. Ob das Nahrungsbudget für die Camp-Gebühr draufgegangen ist?)

Ein Mann mit Neoprenanzug (ehrlich!) kommt aus dem Nirgendwo mit einer Spülschüssel voller Geschirr in der Hand und verschwindet in der silbernen amerikanischen Zigarre. Hat die Besatzung den mit dem Zeug an einem Wasserfall zum Spülen ausgesetzt? Der Italiener - zufrieden mit sich, der Welt und seinem Stellplatz - sitzt auf dem Vordersitz, trinkt Wein und verspeist in rascher Folge ungefähr 15 BabyBel-Käse.

Erst jetzt entdecken wir John Wayne, im Hintergrund steht ein alter Mann mit O-Beinen, einem Karohemd und einem Cowboyhut und betracht wie wir das Geschehen. Über den knirschenden Kies erscheint ein schwarzglänzender amerikanischer Pickup mit 4 hysterisch kläffenden Hunden auf der Ladefläche, umrundet einmal flott den Platz und verschwindet wieder Richtung Horizont.

Die Besatzung des Motorhome Hire ist wieder eingetroffen. Zu unserem Entzücken agieren sie wie dieTeam-Tage des Kindergartens Winningen, stehen im Kreis und jeder berichtet einzeln von seinen Erkenntnissen, während die anderen andächtig lauschen. Wir erwarten jeden Moment dass ein Flipchart aufgestellt wird. Das Ergebnis der Beratungen erschöpft sich dann darin, dass das Wohnmobil 3,80 Meter nach hinten gerollt wird und so verbleibt.

Wir sind fassungslos ob des überbordenden Wildlife hier im Nirgendwo, betrachten den Italiener beim stillen Verdauen seiner Käsemahlzeit und die Horde fröhlicher Jungschweizer beim friedlichen Äsen.

Der Platz ist nun voll und langsam kehrt Ruhe ein. Auch die Vampire haben nach einer letzten Platzrunde ein Fleckchen gefunden, von dem aus sie - ähm ja was? jagen? WIr denken nicht weiter darüber nach.

Ich schwöre, es war genau so. Und ich schwöre ebenfalls, dass ich noch keinen Tropfen Alkohol heute hatte und als letztes schwöre ich, dass ich aber genau jetzt anfange, mich zu besaufen.

Montag, 17.07.2017

Sing us a song of a Lad that is gone ...

Am Morgen Blick aus dem Fenster

Tatsächlich. Wenn man genau hinschaut erkennt man gegenüber eine Fleck Sonne auf dem Hang, wo ein Loch in den Wolken das Licht durchlässt. Puh, da hat das allwissende Wetter-Orakel (moi) aber Schwein gehabt. Die Wolken werden weniger, die Sonnenflecken mehr, der Wind lässt nach. Habichsdochgesachthabich!

Kurzer Zwischenstopp am Castle

und ab auf die nächste Insel. Und das Wetter wird immer besser. Auf der Brücke schon blauer Himmel!

Und auf dem Berg gegenüber nur noch Deko-Wölkchen...

Wir genießen die Fahrt und fotografieren uns zum Depp.

Endlich hat auch das Wasser die ordnungsgemäße Farbe und alles leuchtet blau und grün.

Wir wollen diesen herrlichen Tag so weit es geht draußen verbringen. Daher halten wir nur kurz am CoOp um die Vorräte aufzufüllen und besuchen wie jedes Mal den witzigen Flohmarkt dahinter, wo eine alte Frau alles für 1-2 Pfund verkauft, was die Leute aus Skye nicht mehr brauchen. Die unfassbarste Sammlung aus blindgewordenen Gläsern, verbogenen Kerzenständern, angeschlagenen Tellern, verrosteteten Teedosen mit der jungen Queen drauf oder Dianas Hochzeit, ein unglaublicher Quatsch aber wir kaufen dort immer etwas. Weil's so lustig ist.

Next Stop: Sligachan. Kleine Campungwiese im Moor gegenüber einer Brauerei. War 2014 toll, war 2016 toll und ist dieses Jahr auch wieder toll.

Da die Sonne scheint und immer noch ein leichter Wind geht, fühlen wir uns einigermaßen sicher vor Midges. Gleich nachdem wir den Todesstern einrangiert haben starten wir zu einer 2-stündigen Wanderung ins Moor. Wir sehen einiges an Midges aber sie lassen uns in Ruhe, nur hin und wieder müssen wir eine Bremse abwehren. Der Wind wird immer weniger und uns qualmen regelrecht die Socken. Aber herrlich ist es hier. Wir machen Fotos hoch und quer, Panoramafotos und 360-Grad-Videos, aber nichts davon gibt auch nur im Ansatz wieder, wie das hier ist.

Wir sind natürlich brav und bleiben auf dem schmalen Pfad, den sie hier durchgebaut haben, damit Wanderer sicher sind und die Schönheit des Moors mit den dunklen Cuillins dahinter genießen können.

Die vorwitzige Murmel unternimmt natürlich Ausfälle nach rechts und links, kommt auch regelmäßig mit schwarzen morastigen Beinchen zurück und wird regelmäßig von winzigen aufgeregten Vögeln begleitet, die sie da wohl geärgert hat. Also verhaften wir sie und legen sie an die Flexi-Leine. The queen is not amused:

Nun erholen wir uns beim Fünf-Uhr-Tee und schauen zu, wie der Platz hier voll wird. Als wir ankamen sah es noch so aus:

Aber es trudeln immer mehr Leute ein und in zwei Stunden bekommen wir die Tür wahrscheinlich nicht mehr auf. Wir beschließen, die nächsten zwei Tage lieber wild zu stehen.

 

 

 

 

Sonntag, 16.07.2017

Vollsperrung

Der Regen macht eine Pause und wir machen sauber. Geduscht, den Todesstern ausgefegt und den Hund gebürstet. Am Ben Nevis existiert seit heute ein kleiner Strand, soviel Sand haben wir dagelassen. Zwei bis drei kleinere Welpen können sie sich auch noch häkeln aus den ausrangierten Hundehaaren. Das Wetter ist ok, bisschen kühl, bisschen windig, ein paar Schauer, alles annehmbar dosiert und auszuhalten.

Der Ben macht uns - wie immer - einen Strich durch die Rechnung, auf dem Gipfel ist es neblig und regnerisch und die Sicht ist bescheiden, so dass sich der Aufstieg wegen der Aussicht nicht lohnt. Zudem sehen wir den ganzen Vormittag den Rettungshubschrauber kreisen, das spricht nicht für tolles Kletterwetter, erst letzte Woche ist hier jemand zu Tode gestürzt.

Marion hat die Oarkneys von der Reiseroute gestrichen. Nachdem wir gestern bei der Auffahrt auf die Fähre arg aufgesetzt sind und die Abfahrt nur bewältigen konnten, weil die Fährschiffer riesige Keile unter unsere Hinterräder legten, ist sie nicht mehr so scharf auf weitere Bootstouren. Außerdem ist das der einer der ganz wenigen weißen Flecke auf unserer inneren Schottlandkarte, und den heben wir uns für eine andere Tour auf.

Hier nochmal ein Bild von dem Seelenverkäufer. Wir standen dann HINTER dem rechten Wohnmobil und hinter uns quetschten sie noch ein Auto. Kein Wunder, dass sie Mühe hatten abzuschließen 😂

Ich denke, dass ich das mal als eigene Tour plane mit dem Bulli, der ist für enge winklige Rumpelpisten besser aufgestellt als der arme Todesstern. Der hat heute morgen eine halbe Flasche WD40 in alle Scharniere bekommen. Nach 3 Tagen Rappelstrassen klang jede Schrankklappe nach HuiBuh dem Schlossgespenst.

So machen wir uns auf nach Skye. Dahin gibt es untenrum zwar auch nur einen Fähre, aber obenrum eine Brücke.

Auf dem Weg überholt uns eine Ambulanz mit Blaulicht.
Kurz darauf kommt der Verkehr zum Erliegen. Direkt vor uns in der nächsten Kurve - gerade knapp außer Sicht - muss etwas wirklich schlimmes passiert sein. In kurzer Folge kommen drei weitere Rettungsdienstfahrzeuge, zwei Polizeiautos und zwei große Feuerwehrwagen an. Über uns kreist ein Hubschrauber.

Nach ca. 20 Minuten wenden einige Autos vor und und fahren zurück. Wir können das nicht und harren aus, in Gedanken bei den armen Leuten, die da wohl verunfallt sind. Die chinesische Familie vor uns macht derweil ungerührt Selfies, lässig und strahlend an ihren gemieteten BMW gelehnt.

Eine Stunde später sind die meisten Autos weg, wir können erstens nicht wenden und zweitens ist diese Straße die einzige Verbindung zwischen da wo wir herkommen und da wo wir hinwollen. So isses eben in den Highlands.
Wir laufen natürlich NICHT nach vorne um zu gaffen, wie eine ganze Ladung Touristen aus dem Bus hinter uns.

Wir betrachten also 2,5 Stunden lang das hier:

Wie sich später zeigt, ist ein 16-sitziger Minibus auf die Seite gekippt. Nach weiteren anderthalb Stunden ist soweit aufgeräumt und die Insassen des Busses abtransportiert und wir dürfen dass auf der Seite liegende Gefährt passieren. Bedauerlicherweise waren die 2,5 Stunden im Tal die einzigen Sonnenstunden dieses Tages.
Also im Regen durch die Kintails.

Es ist richtiges Trübe-Tassen-Wetter, entsprechend ist die Stimmung eher so mittel, aber die Gegend ist auch bei Schietwetter beeindruckend.

In einer Regenpause machen wir an einem Loch halt und entdecken Flora und Fauna. Unter anderem entdecken wir schottische Baumwolle, genannt "common cotton"

und fleischfressende Pflanzen, eine Sonnentau-Art, bewundern vom Moor gebleichte Baumwurzeln, die aussehen wie Knochen und nicht weiter identifizierbare sehr große Vögel, die wir kurzerhand zu Adlern befördern:

Jemand hat uns Grüße hinterlassen:

und Besuch bekommen wir auch noch, der Todesstern sieht aus, als würde er sich fürchten, also beenden wir den Rundgang.

Wir düsen weiter, die Straße ist jetzt gut, aber es kommt heftiger WInd auf. Daher verkneifen wir uns die Skye Bridge und fahren zu der kleinen Campingwiese am Eilean Donan Castle.

Dort besuchen uns am Abend einige Kollegen von Marion, die mit Freunden und zwei Wohnmobilen in der Nähe waren und wir verbringen einen netten Abend gemeinsam. Der WInd wird immer stärker und ich behaupte, er würde die Wolken vertreiben. Nach 3 Whisky verkünde ich vollmundig und von Amts wegen schönstes Wetter für morgen. Schaunmermal.

Samstag, 15.07.2017

Awe

Da es nun seit 30 Stunden richtig regnet (also so richtig) können wir 50 Meter neben unserem Übernachtungsplatz am Morgen einen amtlichen Wasserfall bestaunen. Murmel ist nass geworden und daher beleidigt.

 Über Tobermory gibt es nicht viel zu sagen,wir sind beim Rundgang bis auf die Haut durchnässt worden, irgendwie haben wir auch die Nase voll von Mull und dem ganzen Farn, hier also noch ein paar pflichtschuldige Bilder von der Destille, den bunten Häuschen am Hafen und der Fähre, die uns von hier wegbringt. Ein Highlight war der Anblick von Schuhen, die jemand in den Dyson Händetrockner im Toilettenhäuschen am Hafen gesteckt hatte um sie zu trocknen.

Die Fähre war sehr spassig. Strafverschärfend kam zu dem Regen noch ein ordentlicher Wind hinzu. Die Fähre war winzig und wir wurden zweimal gebeten, doch noch einen winzigen Zentimeter nach vorne zu rücken, so dass sie mit Mühe und Not die Heckklappe zubekamen. Man durfte im Wohnmobil sitzen bleiben, allerdings trugen wir ob des Seegangs einen spontanen Seefestigkeits-Wettbewerb aus.  Das Gestampfe und Geschaukel der Fähre übertrug sich über die Federn des Todessterns, so dass der immer nach rechts wankte, wenn das Schiff sich nach links neigte. Ich sag mal so, Marion wurde stolzer zweiter Sieger :-) Ich habe ein Video davon gemacht und bestimmt finde ich noch raus, wie man das hier hochlädt.

Dann Ankunft in Ardnamurchan, der westlichste Punkt des Mainlands, also dass, was die Briten Festland nennen, hier gibt es ein Schild, dass auf diese erstaunliche Tatsache hinweist und ein Klo. Das verschwommene im Nebel ist unsere Fähre.

Und dann fahren wir durchs Auenland. Leider müssen wir berichten, dass das Auenland kurz nach seiner Befreiung abgesoffen ist und zwar gründlich. Eine kahle Gang hält noch stand, aber sonst begegnen wir auf 50 km single track quasi niemandem mehr.

Die Wasserfälle, in denen sich das Regenwasser von den Felsen sammelt sind so mächtig, wie ich sie hier noch nie gesehen habe, die Fotos geben das leider nicht so her. An den Felsen entlang der schmalen Straße rauscht es nur so herunter und manchmal auch darüber hinweg. Die Fahrt ist spannend.

 Die Straßen sind so schmal, dass es sich anfühlt als würde man mit dem Todesstern auf einem Schwebebalken balancieren, nur dass der Balken auch noch nass ist und ständig Schafe im Weg sind. Auf dem zweiten Bild sieht man einen passing place, nur an diesen passen zwei Fahrzeuge aneinander vorbei. Die Destille, die irgendwer 2013 gegründet hat, hat NATÜRLICH heute geschlossen.

In the middle of nowhere entdecken wir noch ein Schlößchen, das aber privat ist und eine hübsche Insel, bei schönem Wetter ist die Gegend atemberaubend, bei dem Sturzregen eher anstrengend.

Daher blieb uns nichts anderes übrig als schnurstracks in den Glen Nevis zu flüchten und dort umgehende lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten.

Das mit der Überschrift erkläre ich später. LTE juchhe und Prost!

 

Freitag, 14.07.2017

My Baby wants Farn, Farn, Farn

Heute haben wir einiges unternommen. Zunächst sind wir schon wieder Boot gefahren, diesmal ohne Wohnmobil auf die Insel Iona. Diese Insel zu sehen war ein lange gehegter Wunsch von Marion, die sich im Mittelalter gut auskennt. Ich habe mir nicht alles gemerkt, daher hier die Kurzfassung, untermalt mit Fotos von Gräbern:

 


Auf dieser Insel vor der Insel Mull wurde im Jahr 563 die Iona Abbey gegründet, von einem irischen Herrn namens Columba, der später heiliggesprochen wurde. Er christianiserte von Iona aus mit nur zwei Kumpeln fast ganz Schottland und das so gründlich, dass Iona zu einem mittelalterlichen Hot Spot für alle christlichen Schotten wurde. Es wurde an- und an- und umgebaut, um den vielen Pilgern gerecht zu werden. Dann wurde einige hundert Jahre lang einigermaßen abwechselnd alles von Wikingern plattgemacht oder schottische und irische Könige begraben. Insgesamt 48 Stück.

 

Zwischendrin wurde das "Book of Kell" geschrieben, eigentlich die erste Bibel, auf höchstem buchmalerischen Niveau. Davon konnten wir uns leider nicht überzeugen, da dieses Buch wegen der vielen Wikinger-Überfälle irgendwann nach Irland in Sicherheit gebracht wurde.

  Das war der kulturell wertvolle Teil des Tages, ich frotzele nur aus Gewohnheit, es war wirklich interessant. Und Artischocken wachsen hier auch (wie mir gesagt wurde, sind das auch nur Disteln) und der Strand auf dieser Seite ist Gang-Land.

 Nach der Rückkehr zu Schiff haben wir noch Quatsch am Strand gemacht, Felsen gespalten und sowas, Ihr kennt das ja.

 

 
Wir machten uns auf in Richtung Nord-Mull, diesmal 75 Kilometer single track. Nach nur einem Regentag haben sich in den Bergen Wasserfälle gefüllt, die gestern noch leer waren, ein Super-Anblick aber es ist zu diesig zum Fotografieren. Auffällig ist die Explosion von Farn um uns herum. Meterhoch steht das Zeug, von den Kühen sieht man nur die Rücken. Bei uns sieht man das nur im Wald, hier erstrecken sich Farnhaine rechts und links der Straße über hunderte von Metern.


Auf halber Strecke fangen unser beider Handys plötzlich an zu bimmeln und rappeln und vibrieren und alle Töne von sich zu geben, die sie können. Anscheinend hatten wir für ein paar Sekunden Netz so daß alle Mails, Whattsapps, SMS und Sprachnachrichten der letzten 36 Stunden gleichzeitig empfangen wurden.
Nun sind wir in der Nähe von Tobermory. Wir haben einen kurzen Abstecher in den Ort gemacht, aber die Tobermorinesen und Tobermorinetten verbieten dort das Übernachten auf den Parkplätzen, so daß wir uns in den Wald zurückgezogen haben wie einst die Wikinger. Morgen greifen wir an.

Erwähnte ich bereits, dass es regnet?

Donnerstag, 13.07.2017

Achtung Otter!


Wegen dem Netz auf Mull (also da gibt es keins) mit Verspätung unsere Erlebnisse dort:


Wir sind nach Oban gefahren. Da war ich schonmal und fand es doof.
FInde ich immer noch. Ein paar lustige Sachen gab es immerhin. So haben sie eine hübsche Destille mit leider nur mittelgutem Whisky  und ein völlig deplaziertes Kollosseum. Das hat 1897 ein Schotte bauen lassen, der Rom sehr mochte und das tatsächlich als ABM-Massnahme gedacht war. Am besten gefiel mir der Name des Tattoo-Studios.
Ich habe endlich einen Quaiche erstanden, das habe ich seit drei Reisen vor, und ich habe schon ein Super-Duper-Geburtstagsgeschenk für Nina gefunden ;-)


Planerisch verantwortungsvoll haben wir für 4 Tage Vorräte im Tesco eingekauft. Eigentlich waren wir nur hungrig einkaufen, soll man ja nicht, aber wie sich zeigen sollte war das eine hervorragende Idee.
Dann hatten wir genug von Oban und haben uns auf einer Fähre nach Mull eingeschifft. Dabei entdeckten wir den einsamsten Arbeitsplatz Europas, ein düsteres Schloss im tiefhängenden Nebel und amüsierten uns königlich über die 25 Scheibenwischer des Kapitäns, von denen sich keine zwei gleichzeitig bewegten.


Im Hafen von Craignure legten wir an und mehr ist über den Ort Craignure beim allerbesten Willen nicht zu erzählen. Dann ging es über Holterdipolter Single Tracks über die Insel Mull. Ganz anders als Skye, zu Beginn der Route sehr bewaldet, dann "highlandisch" aber in grellgrün. Wir freuten uns auf Begegnungen mit der Tierwelt, als wir dieses Schild sahen:



Die Otter auf Mull sind erstaunlich groß und auch erstaunlich stur:



Gefährliche Straßengangs sind wir in Schottland ja gewohnt, aber diese hier haben uns dann doch überrascht. Die rivalisierende East Side Gang haben wir später noch getroffen.



Unseren Stellplatz für die Nacht fanden wir auf der Fidden Farm in Fionnphort (FiFaFiFo) ganz im Süden von Mull. Türkises Wasser, Sandstrand, der Himmel riss auf, Karibik anyone?

 


Voll war es auch nicht und so hätten wir eine ruhige Nacht gehabt, wenn das doofe Sturm- und Regenband vom Atlantik uns nicht doch noch erwischt hätte. Aber wir hatten genug zu essen (hurra!) und zu trinken (doppelhurra!) und haben uns gemütlich in unserem riesigen weißen Kokon eingesponnen.

 

Mittwoch, 12.07.2017

Fjorde über Fjorde

Nach einer herrlichen Nacht am Fjord machten wir noch einen kleinen Strandspaziergang, Murmel fand aber seltsam, dass ich immerzu Muscheln, Schnecken und Seeigel fotografieren wollte und latschte dauernd ins Bild. Hier also ein Bild von Muscheln, Schnecken und Seeigeln:

 

Wir unternahmen eine Ausfahrt nach Greenock zu einem Kiltverleiher, der sehr günstige "Ex Hire Kilts"  verkauft. Unsere Miniband (Marion und ich) hat sich für einen "Bruce Modern" Tartan entschieden in einer ausgesprochen fröhlichen Farbkombination: lebensbejahendes Dunkelschwarz, frisches Frühlingsgrau und heiteres Ochsenblutrot sollten unser sonniges Gemüt hinlänglich widerspiegeln.

Da wir hier ganz nah an Glasgow sind verstehen wir niemanden. Ich verstehe das Englisch praktisch aller Schotten sehr gut mittlerweile, aber dieser Akzent hier...auf dem Parkplatz sprach uns ein Mann an und ich habe nichtmal herausgefunden, ober uns etwas fragte oder etwas sagte.

Im Ortsteil Glasgower Hafen stehen Geräte rum die aussehen wie irgendwas aus Star Wars:

Das war dann auch genug Industrialisierung für uns und wir bahnten uns den Weg entlang des Loch Lomond

mit Zwischenstopp an unserem geliebten Real Food Cafe in Tyndrum (ja, für den Gratiskaffee haben wir die Becher 1.500 km weit aus Deutschland mitgebracht)

grüner Hügel

und das Loch Awe

bis zu dieser spektakulären Brücke

und rauf nach Ledaig in der Nähe von Oban. Von dort geht morgen die Fähre nach Isle of Mull. Das ist für uns beide Neuland und wir freuen uns schon sehr. Der Stellplatz für heute ist natürlich wieder gigantisch.

Der kleine Punkt links ist Marion, der kleine rechts Murmel.

Blick nach rechts:

Blick nach links

Landschaftsgestaltung ist Typsache ;-)

Jetzt warten wir auf den Sonnenuntergang, der wird bestimmt "voll ramontisch", gelle Lutz?


Aber den wird Madame wohl verschlafen. In diesem Sinne gute Nacht.

 

Dienstag, 11.07.2017

eine gute Routenplanung ist alles

Nach dem Stadtbummel in York wollten wir den Abend am Meer verbringen. Also manövrierte Marion den Todesstern todesmutig durch das Fylingdales Moor an die Küste.

In einer hübschen Bucht bei Whitby beschlossen wir den Tag mit Cider. Da ich dem Alkohol abgeschworen habe, wählte ich einen mit Namen Hand Brake der im Dunkeln leuchten konnte aber nur 4% Alkohol enthielt. Das zählt nämlich nach britischer Meinung nicht.

Murmel kundschaftete aus und brach dann zusammen, hatte wohl zu viele Pommes in York von der Strasse gestaubsaugt. Morgens noch einen kleinen Spaziergang bei Ebbe und zurück auf die Bahn, schließlich sind wir auf dem Weg nach Schottland.  

Gut organisiert und planerisch verantwortungsvoll fuhren wir also statt durchs schöne Northumberland nach Edinburgh "och zu voll, zu viele Touris" oder über die schnelle Autobahn via Glasgow "doofe Autobahn, hässliche Gegend" (beides wären logische Routen gewesen) völlig sinnfrei vom äußeren Osten Englands in den äußeren Westen Schottlands und dabei noch reichlich nordwärts unter Vermeidung von Autobahnen. Je nun.

Immerhin sahen wir Kühe und Schafe und Mäuerchen und Wiesen und so. Und wir machten Halt im Kharma-Lama-Kafe. Das heisst wirklich so und im Garten hinter dem Café stehen zwei Lamas.

Und dann endlich das lang ersehnte Fáilte gu Alba.

Ok, hier sieht es noch immer aus wie in Nordengland und wir setzten auch die kopflose Routenplanung konsequent fort. Wir stehen jetzt quasi in einer Sackgasse namens Gourock, aus der wir uns morgen erstmal wieder rausfummeln müssen, dafür aber mit Blick aufs Meer und die Insel Arran darin. Und Cider haben wir auch noch.

Montag, 10.07.2017

York

Gestern haben wir einen geradezu südländischen Abend genossen, es war richtig heiss und wir haben Wein getrunken. Ziemlich viel Wein. Als ich ins dozieren kam ("ISCHLIEBEEUSCHALLE. Also fasdalle. Einige. Mansch...hicks...mal") hat Marion mich ins Bett geschickt. So gegen halb neun. Teufel Alkohol aber auch.

Heute morgen hat mich dann ein Ire angesprochen, der mit seiner 40 Jahre alten BMW im Sherwood Forest unterwegs war und in unserer Nähe gezeltet hat. Wir kamen ins Plaudern und er schenkte mit erst zwei kleine Flaschen Whisky (I have plenty of'em) aus seine rechten Satteltasche und dann gab er mir seinen selbstgebrannten Poitìn (englisch Poteen) zu probieren aus seiner linken Satteltasche. Jesses, wie lecker. Das ist quasi der Whisky den es gab, bevor es Whisky gab. Köstlich. Sogar morgens um halb neun. Mein Niedergang ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Ausserdem malte er mir auf einem Bierdeckel aus seiner Jackentasche verschiedene Orte auf, die ich mir in Irland angucken soll. Aus seinen Hosentaschen kramte er dann Visitenkarten von seinen Lieblingspubs, falls ich nach Irland käme. Und als ich erwähnte, dass ich erst noch nach Wales wolle, fand er auch hierzu noch eine Visitenkarte mit einer Empfehlung. Ich solle von Sean grüßen, aber möglicherweise kennen Sie ihn da nur als "Dunlop".

Das hier ist zwar nicht die Eiche von Robin Hood aber immerhin eine Eiche und sie hängt pittoresk über den Bach.

Murmel würdigte es auf ihre Weise:


York war diesmal ausnahmsweise geöffnet. Also flugs den Todesstern auf einem Park+Ride abgestellt und den Bus genommen. Riesige Kathedrale und winzige Häuschen mit witzigen Geschäften. Unter anderem den hier:

Der ultimative Harry Potter Devotionalien-Shop. Darin Zauberstäbe und Quidditch-Besen in Originalgrösse, davor eine Schlange von 50 Leuten, hauptsächlich Japaner unter 18.

Kleine Gässchen, also wirklich kleine:

Einen wirklich amtlichen Gin-Laden, in den Fenstern findet man keine zwei gleichen Flaschen:

und eine winzige aber bildschöne Brauerei, leider war ich noch etwas verkatert, daher habe ich mich nur über das Schild im Fenster gefreut:

 

Samstag, 08.07.2017

Anreise

Na ja, Anreisetage sind immer öde, immerhin haben wir es in der Rekordzeit von 5 Stunden nach Dünkirchen geschafft und dabei unendlich geschwitzt und gejammert, dass wir die Hitze nicht mehr ertragen können und blablabla. Sollte ich in einer Woche jammern, dass es in den Highlands kalt ist, lese ich hier nochmal nach... Weil wir so früh ankamen gab's noch einen Strandspaziergang.

Unser LKW Platz vom letzten Jahr war geschlossen, dafür haben wir einen noch viel besseren Platz direkt vor der Schranke gefunden. Dann "wecken" um 4:30 Uhr. Ja, Nina: vier Uhr dreißig. Ich habe immerhin meine Hose richtig rum angezogen und niemanden umgebracht, dass verbuche ich mal als Erfolg. Geholfen hat auch der angereichte Kaffee im Willkommensgeschenk von Marion.

Zum Glück wurden wir als letzte auf das Schiff gelassen, so konnten wir noch mein Hemd von links auf rechts drehen und diesmal richtig zuknöpfen und sogar Zähne habe ich geputzt ohne mich allzuschwer zu verletzen. Um diese frühe Zeit wirkte die Fähre wie ein Lazarettschiff. Überall lagen die Leute mit ihrem Bettzeug auf dem Boden und schliefen. Viele, die sich immerhin schon bewegten, waren in Decken gewickelt und das Accessoire der Saison ist offensichtlich ein Kopfkissen mit Blümchenbezug, vor dem Bauch getragen und fest umarmt. Praktisch alle trugen Jogginghosen.

Dann Dover, Kreidefelsen, Linksverkehr, alles wie immer.

Um London rum ging es supergut, so dass wir bis Nottingham gekommen sind. Aufgrund schwerster Müdigkeit sind wir mit letzter Kraft in den Sherwood Forest gerollt und haben den Tag um 14:00 Uhr für beendet erklärt.

Neu waren in den Ortschaften abseits der Autobahn so Geschwindigkeitsmess-Dingsis, bei uns haben die fröhliche und traurige leuchtende Smileys.

Hier ist es so: Wenn man etwas zu schnell ankommt steht da "Slow down". In gelb. Wenn man das tut erscheint "Thank You" in grün. Marion war nicht bereit meine Theorie zu testen, ob da - wenn man statt zu bremsen richtig Gas gibt "Fuck You" in rot erscheint.

Und übrigens: Hier ist es immer noch zu heiss, aber es gibt immerhin Wolken.

Hier die Einfahrt zum Sherwood Forest:

Wer lieber mit dem Flugzeug anreisen will, landet dann hier:

 

Sonntag, 14.08.2016

Unter Beschuss

Morgens wecken uns Geräusche. Metallisches Scheppern und Geschaffe. Kurze Schreckensvision: Painswick baut seinen sonntäglichen Markt rund um uns auf und wir kommen nie mehr weg? Aber nein, Es gibt ein Toilettenhäuschen gegenüber. Um 7:30 Uhr am Sonntagmorgen (!) erscheint ein Trupp in Arbeitsanzügen und reinigt das Ding komplett und sehr gründlich. Dann grüßen Sie nett und verziehen sich. Na prima! Die Mutter mit Kind Abteilung ist niedlich, neben dem Wickeltisch stehen zwei Kloschüsseln, einen große eine kleine, zwei Waschbecken an der Wand, eins hoch eins niedrig, sogar zwei Spiegel gibt es in Mutter- und in Kinderhöhe, Seifenspender, Klopapier und Papierhandtücher sind aufgefüllt, alles ist blitzsauber. Hach, England! Wir wundern uns etwas, nehmen den Service aber nur zu gerne an. Später verstehen wir: Hier treffen sich um 10:00 Uhr viele viele ältere Herrschaften, die gemeinsam wandern gehen. Sie sind alle perfekt ausgestattet mit Bergschuhen, Rucksäcken mit Trinksystemen, Funkgeräten, Wanderstöcken, Cargohosen und Wanderhüten. Sie sehen sportlich und braungebrannt aus, offensichtlich machen sie das regelmäßig und für sie ist der Service. Wir grüßen nett und frühstücken.

Die restliche Fahrt durch die Cotswolds ist nett, auf einem Schild im Wald steht "Tough Mudder". Das hätte ich gerne geklaut und an mein Auto montiert. Aber anscheinend ist das gar nicht mein wirklicher Name sondern eine merkwürdige Sportart, bei der man einen Parcours bewältigen muss, ähnlich denen, auf denen Spezialeinheiten der Fremdenlegion ausgebildet werden. Zumindest stelle ich mir das so vor.

Kent ist zum Sterben langweilig. Boah, wie Niedersachsen, schnarch. Immerhin nur ein kurzer Stau, das Wetter ist schön, unsere Fenster offen. Da hören wir Schüsse links im Wald. Ähm, Schüsse? Wir spicken durch die Bäume und sehen ein Luftgewehr-Trainingslager durch das linke Fenster! Aus dem rechten Fenster sehen wir bizarrerweise einen Golfplatz. Bevor wir ins Kreuzfeuer geraten können, geht es zum Glück weiter!

Murmel in entspannter Reiseposition ist das wie immer alles egal.



Bald sind wir in Folkestone, wir nehmen heute nochmal einen Campingplatz damit wir geduscht zu Hause ankommen. 

Außerdem wollten wir heute mal unsere Sachen zusammensuchen und auseinanderdividieren, da hat sich während unserer Beutezüge einiges angesammelt, in der Heckgarage, in den Schränken, in und unter dem Bett...das wird bestimmt eine erfreuliche Schatzsuche, bei der wir einiges finden, von dem wir nichts mehr wussten, sollten höchstens zwei bis drei Ikeatüten pro Person werden.

Ich bin gut vorbereitet, mein Geburtstag liegt ja 2 Tage nach dem Burn's Day, dieses Mal wird der ORDNUNGSGEMÄSS begangen. Mit Pipe und Gedicht und Haggis und Whisky. Das das klar ist! Wenn ich gute Laune habe, mache ich einen vegetarischen Haggis für Weicheier ;-) Oder Ihr fangt schon jetzt an, Euch Ausreden auszudenken. 

Und dann sind wir runter von der doofen Autobahn und verbringen einen herrlichen Nachmittag am Strand. Der WEg runter war mit dem Todesstern etwas abenteuerlich, wir haben ordentlich die Brombeersträucher dezimiert.




Murmel badet und taucht und ist begeistert. Es ist richtig heiß in der Sonne, leichte Brise, England stellt nochmal das hübsche Füßchen vor, damit wir bestimmt wiederkommen.


Wir wandern unterhalb der Kreidefelsen bestimmt einige Stunden, bis Murmel vor lauter Salz und Sand abstehende Ohren bekommen hat.


Das grüne ist nicht etwa Rasen sondern getrockneter Tang, scheint lecker zu sein, denn ab und zu grast sie.


Gerade jetzt stehen wir am Fährhafen, wir haben wie immer Glück und dürfen früher übersetzen als gebucht, besonders Murmel freut das, der isses in England viel zu warm.


Also machen wir brav die Jalousien runter und bekommen als Dank ein sonores Schnarchen bei dem die Scheiben klirren. Ernsthaft, die klingt wie ein besoffener Holzfäller:

Samstag, 13.08.2016

Bille-bille-bille-buff!

Gestern dann die Dusche in Flusko. Super heiss. Wir sahen aus wie Krebse. Vielleicht lag es auch daran, dass es wohl das Sondermodell "Sportdusche Flusko" war. Die Bewegungsmelder waren so doof angebracht, dass man in kurzen Abständen linksrum aus der Dusche rennen und winken musste, danach hochhüpfen und nach oben winken, immer abwechselnd und dabei alle 10 Sekunden den Wasserknopf drücken, damit der heisse Strom nicht versiegt. Hier wird es deutlich früher dunkel, halb zehn war es finster, auf den Inseln erst lange nach elf.

Dann eine entspannte Tour durch den Lake District, on the Road again, heute wollen wir 400 km schaffen. Die Gegend ist toll. Untenrum "Der Doktor und das liebe Vieh", falls das noch wer kennt, obenrum "somehow highlandish".

 

Die Wolken hängen  verdammt tief, aber es reisst immer mehr auf und wir bekommen bestes Wetter.


In Glasgow ist heute das Finale der Grad 1 Bands, die besten Pipe Bands der Welts kämpfen dort im Finale um den Weltmeistertitel. Wir haben Glück, das Internet ist nicht so highlandish und wir verfolgen begeistert den Livestream auf BBC. Dabei fühlen wir uns nicht mehr ganz so virtuos wie gestern, mehr so, als sollten wir die Pipes besser an den Nagel hängen, weil wir nicht würdig sind.

Der kühne Plan für heute: die Cotswold Hills. Das soll eine sehr schöne Gegend sein, alle reichen und berühmten Londoner haben da Wochenendhäuschen, London ist nur eine gute Stunde entfernt. Bis dahin umkurven wir Liverpool und durchqueren Birmingham. Damit uns die Zeit nicht lang wird, üben wir die Aussprache von Cotswold, enden aber immer damit, uns gegenseitig interessante Kotz- und Brechgeräusche vorzumachen. Aber die M6 und später M5 tragen auch einiges zur Unterhaltung bei.

Zuerst überholt uns ein Aston Martin mit Roooooooaaaarrrrr.... später sehen wir ihn am Seitenstreifen stehen und irgendwas am Motor checken. The Klonk of Death? Mächtig grosses Badabumm? Wir wissen es nicht. 10 Minuten später hat er es anscheinend repariert und verschwindet mit einem gut sichtbaren Kondensstreifen am Horizont. Wir sind schwer beeindruckt. Wahrscheinlich hat er es eilig in die Kotzworld Cotswolds zu kommen.

Dann sind wir noch beeindruckter, als uns ein Einfamilienhaus überholt. Mit Schwung.


Als wir fertig sind mit hyperventilieren  und "uiuiuiuiui" brüllen, sehen wir am Strassenrand zwei Autos stehen, ein Range Rover Evoque ist einem Lotus hintendrauf gefahren. Hej iss watt loss...

In Worcester (ausgesprochen Wuhster) machen wir Pause. 22 Grad, wir gehen fast kaputt. Das sind wir nicht gewöhnt. Die M+S Foodhall ist klimatisiert. "Komm wir holen uns ein leckeres Sandwich" sagten wir. Eine halbe Stunde später verlassen wir den Laden, bepackt mit Sandwiches in den ausgefallensten  Variationen, Granatapfelkernen, Smoothies, Clotted-Cream-Reispudding, Farfalle-Spinat-Parmesan-Pinienkern-Salat, Dosen mit Millionairs Bits und Käsekuchen. Hmpf. Panikartige Hamsterkäufe? Kein Wunder, ist doch hier der blöde Minisupermarkt an der doofen Autobahn besser sortiert als bei uns die Feinkostläden. Wir sitzen am Tisch, mampfen als gäbe es kein Morgen und gucken Pipe Bands.

In Gloucester (Gloster) fahren wir raus. Auf der Landstrasse durch die Hills sieht es aus, wie man sich Mittelengland vorstellt. 



Wir stoppen in Painswick, das einzige Dorf hier, dass sich der Gentrifizierung durch die Schönen und Reichen erfolgreich wiedersetzt hat, ein bisschen wie bei Asterix. Wir erfahren, dass in manch anderen Orten Busladungen von Autogrammjägern und Hobbypaparazzi abgeladen werden, die versuchen Kate Winslet, Katie Perry und Konsorten zu erwischen. Was sind wir froh, dass wir das verpassen, unser Übernachtungsplatz ist auf dem Parkplatz des Friedhofs und ein bisschen schief.

1A gerade, kannst so stehen bleiben!

Die runden Hackbällchen von gestern können wir heute nicht essen, die rollen vom Tisch, bille-bille-bille-buff macht das und dann hat sie der Hund.

Aber Mannomann was für ein Friedhof, viele Gräber sind von 1750 so rum, viele wahrschinlich älter, aber man kann die Inschriften nicht mehr lesen. Erst wollen wir Murmel draussen lassen, bis sich herausstellt, dass das d e Hundewiese von Painswick ist, mit Kotbeutelspender und allem. 





Das das Wetter super ist, durchwandern wir den ganzen Ort. Gartenfreunde würden sich hier tot fotografieren, wir haben es damit nicht so werden alle paar Meter freundlich gegrüsst von den Painswickern, die offensichtlich ALLE und IMMER am Samstag ihre Buchsbäumchen trimmen. Eine Woche rund, eine Woche eckig? Ein paar Impressionen, dann gibt es Abendessen, morgen müssen wir spätestens am Abend Nähe Dover sein, damit es übermorgen keinen Stress mit der Fähre gibt.

Freitag, 12.08.2016

Devil's Porridge

Eigentlich sah unser Übernachtungsplatz aus wie ein sackgassiger Parkplatz, als er sich am Abend leerte, gingen wir von völliger Abgeschiedenheit aus. Wie sich zeigte, ist dieser Platz der Wendehammer für das komplette Dorf und 3 angrenzende Counties, oder aber die Dingenskirchener sind traurig, dass sie das einzige Dorf im County sind, das keinen Roundabout hat. Jedenfalls kam stundenlang alle paar Minuten ein Auto, umkurvte schnittig den Parkplatz und verschwand wieder in der Dunkelheit. 
Dank diesem Kumpel hatten wir aber die nötige Bettschwere und konnten es prima ignorieren. 

Und unser ganz leichtes Diätabendessen tät sein übriges dazu!


Kann man den Alibi-Kohlrabi erkennen? Das weisse neben dem Käse...

York war mal wieder geschlossen. Deshalb sind wir nach Süden gefahren und haben in Dumfries den Coop leergekauft. Schottische Vorräte anlegen für uns und die Bestellungen unserer Freunde abarbeiten.Porridge, Porridge mit Früchten, Porridge mit Zimt, Instant Porridge, Portionsporridge, und Porridgeporridge. Außerdem Irn Bru (da schüttelt es selbst mich, chemische Limo die wahrscheinlich im Dunkeln leuchtet, aber schottischer als Whisky), Haggis (palettenweise), Millionairs Cake (wegen der Diät und so), Shortbread (ich behaupte zwar, dass mein selbstgebackenes besser ist als das gekaufte, aber hach so hübsche Dosen), Snowballs (die halte ich auch für gruselig) und noch so ein paar Sachen, die verrate ich aber nicht.

Entzückt waren wir von diesem Schild, aber da wir sowieso schon die erlaubte Zuladung nur mit dem bereits gekauften Porridge überschreiten, haben wir uns das nicht näher angeguckt.

Die Fahrt durch Galloway ist nett, der letzte Rest schottischer Landschaft, dunkle Hügel im Hintergrund, fleckenweise kommt die Sonne durch, braune Galloway-Rinder lösen allmählich die Schafe ab, hunderte von Jahren alte Mäuerchen und Hecken teilen die Wiesen ein. Alles hübsch, aber nicht die Highlands. Wir hören eine Pipe-Cd von Gordon Duncan und sind uns einig, dass der ein ganz schöner Angeber ist, sind aber schwer neidisch. 



Grossartige Galloway-Rinder, fast verzehrfertig:


nicht zum Verzehr geeignet, aber genauso grossartig:


Weil wir uns noch nicht trennen können, besuchen wir das letzte Dorf vor der Grenze. Die Tourist-Trap-Hölle Gretna Green. Die Geschichte dazu ist nett, müsst Ihr bei Interesse aber selber googeln, und nach 2 Stunden konnten wir nicht mehr. Und auch wenn es vielleicht so aussieht: Nein, wir haben Murmel NICHT an der Riesendistel aufgehängt, nur angebunden.


Und dann war es soweit, wir waren raus. Keine hundert Meter hinter dem Schild haben wir beits wilde Pläne geschmiedet, was auf unser Must-Do-Liste Schottland noch nicht erledigt ist. Da wir damit noch nicht fertig sind, erzähle ich das später. Aber zunächst haben wir den zumindest in meinem Fall längst fälligen Ausritt in den Lake District unternommen. Wie sagte Sonja mal: Der Lake District teilt das Schicksal des Allgäus, wenn man in die Alpen fährt. Eigentlich eine wirklich tolle Gegend, jedoch auf dem Hinweg hat man dafür keine Zeit, weil man in die Highlands/Hochalpen will, auf dem Rückweg denkt man: Pöh! So schön wie die Highlands/Alpen kann das gar nicht sein.


Also diesmal sind wir reingefahren, nicht sehr weit, denn es gibt hier 325 Campsites, eine schöner als die nächste, und die Gegend die man von hier aus sieht macht Lust auf mehr. Kommt definitiv auf unsere Liste und ist bestimmt ein Tipp für diejenigen, denen Schottland klimatisch zu rauh ist. Das Wetter ist fantastisch, blauer Himmel, Seewind, angenehm warm. Wir wurden britisch-herzlich empfangen, es gibt fantastisch riesige quietschgrüne Wiesen "for the dogs", so sehen bei uns die Golfplätze nicht aus. Als wir fragten, wo wir denn pipen dürfen ohne allzusehr zu stören: "Pipes? Lovely, here in Front of the reception please!"

Das haben wir dann doch nicht gemacht, sondern sind zu den Hundewiesen gelaufen. Mann, was konnten wir mit den neuen Reeds toll spielen, sogar zweistimmig und - das betone ich ausdrücklich - mit Absicht und wohltönend! Nicht wie sonst unfreiwillig und schräg! Natürlich hatten wir alsbald Publikum, sie waren offensichtlich leicht zu beeindrucken, denn sie fanden uns genauso grossartig, wie wir selbst. 


Murmel widmete sich in stiller Meditation dem grossen Knochen aus Dumfries (Galloway-Rind selbstverständlich) und sang nur ab und zu ein paar Töne mit. 


Heute abend gibt es ganz frischen Fisch und ganz alten Whisky. Aber vorher wird geduscht. Ist nämlich eine Weile her, ich erspare Euch die Details...

Donnerstag, 11.08.2016

Doofer Dackel!

Tja, trotz Doppelnavigation von Uschi und Chantal (Bordnavi und Handy-Navi) haben wir uns verfranst.

Das war vielleicht eine Juckelei, das ging ewig so.


Dem Unterhaltungsmops war wie immer egal. Die hat nur mal Standbein und Spielbein gewechselt und ansonsten geschnarcht.



Nach gesperrtem Roundabout und riesigem Umweg haben wir erst den hier gefunden und uns schlapp gelacht:


Wir haben zwar schon einen Kerl gesucht, aber nicht irgendeinen mit einem Van sondern einen ganz speziellen. Und hier haben wir ihn gefunden:


Unseren neuen allerbesten Freund Gavin. Gavin hat nicht mehr alle Zähne im Mund und spricht einen selbst für mein geübtes Ohr unglaublich schwer zu verstehenden Dialekt. Aber er ist eine Seele von Mensch und ausserdem Reedmaker.

Der baut die Rohrblätter für Dudelsäcke, die uns das Leben so schwer machen. Entweder sind sie viel zu schwer zu spielen oder sie klingen schlecht oder beides. Wenn sie mal gut zu spielen sind und halbwegs vernünftig klingen, gehen sie kaputt.   Und jedes einzelne ist anders, man kann nicht eines aussuchen und dann immer wieder kaufen. Denn dazu müssen sie auch - wenn sie neu sind - eingespielt werden. Es ist ein Jammer mit den Dingern. In Deutschland muss man sie halt bestellen und das beste hoffen. Es geht die Mär, dass die Schotten, wenn sie Reeds machen, die guten behalten für ihre eigenen Bands, die nicht so dollen werden exportiert.

Gavin war grossartig, er hat sich 2 Stunden mit uns und unseren Pipes beschäftigt, uns vorspielen lassen, dann in seriner Werkstatt Reeds speziell für uns angefertigt, uns die spielen lassen, nachgearbeitet, wieder spielen lassen bis sie perfekt waren. Wir sind im Himmel! Ich wollte dann noch eine neue Übungströte und habe gefragt, ob es welche mit verzierten Ferrulen gibt. Welches Muster ich denn gerne hätte? Och, schottische Disteln finde ich schön. Er meinte, wir sollten eine Viertelstunde warten, dann würden sie schnell eine machen. Die Zeit haben wir gut rumbekommen, Noten gekauft, Cds ausgesucht, Dudelsäcke bestaunt mit goldenen Verzierungen. Und jetzt habe ich einen todschicken neuen Practise Chanter (diesmal einen grossen, die anderen haben mich immer ausgelacht mit meiner Kindertröte), auf der habe ich gleich im Laden geübt. 

Beim Bezahlen - die Reeds haben nur 9 Pfund das Stück gekostet, bei uns 18 € - hat uns Gavin noch reich beschenkt. Vielleicht hat er einen Narren an uns gefressen, denn es war ein sehr vergnüglicher Nachmittag und wir haben reichlich gelacht, jedenfalls bekamen wir T-Shirts, Kappen und dicke Bar-Towels geschenkt, das sind kleine dicke Handtücher, die benutzen wir um dem Kondenswasser Herr zu werden, das wir beim Üben so reichlich produzieren.

Jetzt stehen wir in...äh...Dingenskirchen/Südschottland auf dem Parkplatz des einmillionsten Robert Burns Museum, hoffen dass uns keiner verjagt, weil wir wollen fiese fettige schottische Schweinewürstchen in unser gieriges Maul stopfen.

Liebe Grüsse an unsere treuen Leser, morgen werden wir Schottland leider verlassen, ich bin aber sicher, dass wir in England auch noch was zu lachen haben werden! 


P.S. Der Dackel? Das erzähle ich, wenn mir auf der M6 im Dauerregen langweilig wird.

Donnerstag, 11.08.2016

Nachträge und Vorhaben

Gestern Abend haben wir uns ordentlich von diesem Kameraden trösten lassen:



Am Morgen danach dann Huch! Die Concorde ist zwar nicht aufgetaucht, hat aber Ihren Kumpel Escaper vorbeigeschickt um nach uns zu schauen. Diesmal haben wir uns getraut, ein Foto zu machen, bei der Concorde hatten wir Angst vor der wahrscheinlich 5-köpfigen Security-Mannschaft aus dem Bonzenmobil. 

 


Nach einer schönen morgendlichen Hunderunde sind wir auch ziemlich versöhnt mit dem Platz, man kann toll auf der zukünftigen Zeltwiese einen Hügel rauflaufen von dem man die Highlands noch am Horizont sieht. Der Besitzet ist richtig nett und bemüht, er schenkte uns frische Eier von seinen Hühnern. Und es gibt einen Sanitärwagen mit völlig korrekten neuen Klos und Duschen. 21 Pfund ist immer noch eine Menge, verglichen mit den 27 auf dem Deluxe-Platz oder den 24 auf den guten Plätzen. Wir haben uns mal vorgenommen, hier nächstes Jahr nochmal reinzuschauen und den Fortgang der Arbeiten zu begutachten.

Ansonsten: Das Wetter ist trocken und etwas windig, aber Wind können wir. Allerdings stehen jetzt an der Autobahn Schilder mit der aufbauenden Mitteilung: Heavy Rain Forecast. Es ist davon auszugehen, dass man sich in Schottland mit Regen auskennt. Und so ergeht der amtliche Beschluss: Wir verkneifen uns die Worlds (Weltmeisterschaft der Pipe-Spieler und Bands), die ab morgen in Glasgow stattfinden. Es ist Action, wir müssten weit außerhalb parken, mit dem Zug reinfahren, dann den ganzen Tag im strömenden Regen auf dem Green rumlatschen, und dann alles wieder retour. Schade ist es, aber es würde auch einen Haufen Geld kosten. 
Das Geld werden wir natürlich trotzdem ausgeben, allerdings bei der alternativen Indoor-Aktivität. Wir fahren nach Kilmarnock, dort sitzt McCallum Bagpipes. Die haben einen großen Showroom, man kann wohl den Pipemakern bei der Arbeit zusehen und sich mit Experten über unser zickiges Instrument fachsimpeln und jegliches Zubehör kaufen.
Und hier noch der versprochene Wasserfall

Mittwoch, 10.08.2016

Und dabei fing der Tag so gut an...

Nach einer sehr ruhigen wenn auch ziemlich kühlen Nacht (jaja, der Todesstern hat eine Heizung, aber im Schlafsack war es so gemütlich, da bin ich nicht freiwillig raus, um die Heizung anzumachen) sind wir erfrischt auf unserem Super-Duper-5-Sterne-Deluxe Campingplatz aufgewacht.Hier noch ein Bildchen von gestern Abend mit Sonnenuntergang obenrum und kickenden Engländern untenrum.


Dann haben wir eine kleine Platzrunde gedreht, dabei lustige Schilder fotografiert

und lustige Zelte


und lustige Kühe


bis Murmel müde war. Möglicherweise war sie aber auch groggy, weil sie während wir duschen waren, eine Tütensuppe durch den schmalen Schlitz im Schrank rausgefummelt, das Pulver gefressen und die Tütenschnippsel auf den Teppich geklebt hat. Den Teppich können wir jetzt zur Documenta schicken und Murmel ist seeeehr durstig.


Anschliessend sind wir raubrittermässig durch das House of Bruar gedonnert. Das ist so eine Art Highland-Shopping-Center, wo alles nur vom feinsten ist. Jede Klamotte ist aus Seide, Kaschmir, Tweed oder Hirschleder, alles sehr country-living-mässig. Der Hammer ist aber der riesige Feinkostladen. Das ist bei mir auf jeder Tour ein fest eingeplanter Stopp.
Ich würde Euch ja Fotos zeigen, von Fasanpasteten mit Orangenfilets, Wildpasteten mit Schwarzem-Johannisbeer_Chutney, Käse umwickelt mit Blättern vom wilden Knoblauch usw., die Sache ist nur... wir haben alles aufgegessen. Noch auf dem Parkplatz. Ähem. 
Dann hatten wir so figurmässig ein leicht schlechtes Gewissen und befanden Bewegung für nötig. Also sind wir zu den Bruar-Falls raufgeklettert, sehr schöne Wasserfälle, ein toller Lärchenwald, ganz hell. Leider gibt es auch davon kein Bild, weil ich die Kamera vergessen habe. Läuft also.

Nachdem wir die Pasteten so fein abtrainiert hatten, sind wir nochmal in den Laden, denn da gab es ja noch eine Whisky-Abteilung, in der man endlich probieren durfte. Also falls Ihr schonmal für unsere Weihnachtsgeschenke sparen wollt, hier unser absoluter Favorit:


Der Bursche ist 21 Jahre lang in einem Rumfass gereift, sensationell, der beste Whisky, den ich je probieren durfte. Leider 169 Pfund die Flasche, aber in Deutschland ist er viiiiel billiger wegen der hohen Steuern hier. 130 Euro sind wir Euch ja bestimmt wert?

Dann schnell raus - bevor wir schwach werden - und auf dem Parkplatz vor unserem Wohnmobil wie so eine Erscheinung (hier dramatische Musik vorstellen) DIE CONCORDE!!!!

Von der Concorde habe ich Euch noch gar nichts erzählt. Die Concorde ist ein Glamping-Wohnmobil gigantischen Ausmasses, wir sind schon meistens die grössten auf den Plätzen, aber die ist nochmal 2,5 Meter länger und höher. Schneeweiss und mit dem Schriftzug "Concorde". Weil sie aber noch nicht lang genug ist, zieht sie einen Anhänger, auf dem steht ein stealthbomberschwarzes Quad.

Im Cockpit ist alles cremefarbenes Leder und Wurzelholz. Die Sitze sehen aus wie riesige Massagesessel. Das alles durften wir bewundern, als wir in Skye am Hafen standen, brav in der Spur für die, die Ihre Fährplätze vorab reserviert hatten. Die Concorde stand in der Reihe für die Leute ohne Reservierung, uns wurde vorab gesagt, dass man schon sehr viel Glück braucht, um da noch mitgenommen zu werden. Der Fahrer sass mit umgedrehtem Massagesessel entspannt da und schaute Fernsehen. Und was soll ich Euch sagen? Den Sack haben sie als allererstes auf die Fähre gelassen!
Auf Harris angekommen sahen wir ihn wieder, er stand auf dem Parkplatz vor der Destillerie. Fernsehenderweise. Als wir nach 3 Tagen Rundreise mit Orkan wieder dort ankamen stand er da wieder. Oder immer noch? Wir haben uns dann neben ihn gestellt und alles für die Nacht parat gemacht. Ob ihn das gestört hat? Jedenfalls warf er nach 2 Stunden seinen Motor an und verschwand in der Nacht.
Das war alles sehr merkwürdig...und die Krönung ist, dass wir ihn heute - viele Meilen, Tage und verschlungene Wege südwärts auf dem riesigen Parkplatz in Bruar wieder gegenüberstehen hatten. Wahrscheinlich kauft er da immer sein Essen. Oder seine Frau Ihre Klamotten. Oder der Parkplatz gefällt ihm.
Dass man paranoid ist, heisst ja nicht, dass niemand hinter einem her ist, daher haben wir heute Abend den garantiert concorde-freiesten Campingplatz der gesamten britischen Inseln gefunden.Wir fühlen uns ein bisschen verarscht, haben wir doch nach endlosem Rumgegurke den erst dieses Jahr eröffneten nigelnagelneuen Campingplatz beim Falkirk-Wheel gefunden. Ein grosser leicht schiefer Schotterplatz mit Dixie-Klos... für 21 Pfund!

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Und das blöde Falkirk-Wheel können wir auch nicht gucken, weil es tierisch regnet. Und überhaupt. Und einer muss immer die Pfanne festhalten, weil alles so schief ist. Und wir sind nicht mehr in den Highlands, deshalb ist eh alles blöd.

Ich will auf den Arm.

Dienstag, 09.08.2016

Dienstag, oder das haben wir uns verdient.

Heute sind wir mal richtig viel gefahren. 200 km um genau zu sein. Erst über die Skye-Bridge.


Nochmal ein kurzer Stopp an Marins Lieblingschloss und dem dazugehörigen Shop und dann immer weiter auf richtig miesen Strassen bis in die Cairngorns.


Superschön, hach, gleich noch zwei Bilder:


Und weil ich gerade Wlan habe noch zwei. Ihr könnt ja runterscrollen, wenn Euch das langweilt ;-)


Dann endlich der Besuch einer Destillerie, die war zwar geöffnet aber doof. 

Heisst, wir durften nichts probieren, nur kaufen und es gab keine kleinen Fläschchen, nur grosse. Und da sind wir eisern. Wir kaufen nichts, das wir nicht probieren durften. Es lag bestimmt nicht daran, dass die da Flaschen für 750 Pfund verkaufen, neihein!


Also rasch ein Foto für die Galerie und weiter entlang herrlicher Lochs. Dem dritten ist irgendwie das Wasser abhanden gekommen, man sieht an den Knubbel ganz gut, bis wohin es normalerweise steht. Keine Ahnung, was da passiert ist, wir haben nichts angestellt!



Heute abend sind wir in Blair Atholl auf einem 5 Sterne Campingplatz. Wir haben unglaublich heiss geduscht, unsere Nägel manikürt, den Todesstern ausgefegt (Midge-Leichen und Hundehaare hauptsächlich) und Obst gegessen. Jetzt sind wir unbesiegbar.

Der Blick aus dem Fenster, Mylady begutachtet ihre Ländereien:


My Todesstern is my castle:


Spezialnotiz an Sonja: Blair Atholl ist hinter Bruar den Berg rauf. Morgen töten wir keine Midges sondern Fasanpasteten.

Montag, 08.08.2016

Middle of Nowhere Reloaded

Das WLAN im Hafen trug den aufmunternden Namen "Titanic". Also sind wir entspannt an Bord gegangen und merkten: Seefest sind wir. Murmel durfte auch mit an Deck, also thronten wir zu dritt in den fetten Ledersesseln der Aussichtslounge, teilten uns Burgerbrötchen mit gebratenem Speck und Spiegeleiern und waren bester Laune. Hier fahren wir gerade durch das grosse Maul der Fähre in ihren Bauch:


Skye empfängt uns mit Sonne, das haben wir uns nach dem Orkan auf Harris aber auch verdient. In der Skye-Brauerei am Hafen haben wir die Biervorräte nochmal ordentlich aufgestockt und sind dann gleich Richtung Süden getuckert.


 Im Moment haben wir Unterschlupf auf dem Busbahnhof von Portree gefunden und erwägen, die Nacht hier zu verbringen. Wir sind nämlich etwas ermattet von der Tour durch den Ort und dem riesigen Apfelkuchen, den wir gerade vertilgt haben. Ganz möglicherweise auch von dem Whisky, den wir probieren durften. Tipp des Tages: Glendronach 18 Jahre.

Später:
Nach einer kreativen Pause sind wir nochmal durch den Ort gelatscht, beim zweiten Mal war er aber langweilig. Hübscher Hafen, unglaublich fette und kackdreiste Möwen.

Wir sind dann doch noch weiter gefahren und stehen mal wieder wild, middle of nowhere reloaded, aber diesmal scheint die Sonne. Irgendwo zwischen Portree und Sligachan, den Blick fest auf den Old Man of Storr am Horizont gerichtet.



Weil wir wegen des Orkans letzte Nacht und der frühen Fährabfahrt schlagskaputt sind, koche ich uns jetzt ein feines Chili, dann haben wir morgen "Rückenwind" für die Fahrt. 

Übrigens haben wir uns in Portree ein Gälisch-lernen-für-ganz-Doofe-mit-CD-Buch gekauft, schnallt euch also schonmal an, das wird fürchterlich werden.

Am Abend waren wir völlig am Ende, die kurze Nacht, der Ausflug nach Portree, wir nahmen uns vor, nur noch den genialen Sonnenuntergang abzuwarten und dann SOFORT ins Bett zu gehen. Kaum war nur noch der letzte Zipfel der Sonne zu sehen, sprangen wir in die Kojen wie der Road Runner. Nach ein paar Minuten "irgendwas ist anders". Hm... noch hell. Noch hell? Klar, alle Fenster offen, die Türen nicht verriegelt, die Mückennetze und die Jalousien nicht vorgezogen und dann beim Blick durch die Frontscheibe das:


Vielleicht sieht man es, wenn man ins Bild reinzoomt, das Grauen, kaum dämmert es, schon sind sie da, der Fluch Schottlands. Midges IM Todesstern. Wir waren sofort im Blutrausch, wir waren William Wallace  und Rob Roy in Bestform. Es war ein Massaker. Keine Gefangenen. Gute Nacht.

Sonntag, 07.08.2016

Oh jeh...

Der Wind hat nicht nachgelassen. Zusätzlich regnet es quer. 

Etwa 10 Fahrzeuge stehen Schlange vor der Schranke zur Fähre, seit 7 Stunden. Und die lange Nacht liegt noch vor Ihnen. Davon ist nur eines ein Wohnmobil... in einem Kia mit Dachzelt (dass man hier nicht aufklappen kann) sitzt eine Familie mit zwei Kindern. Neben uns auf dem Destillerie-Parkplatz steht ein süsser alter VW-Bus, die haben es ganz gut getroffen, daneben zwei junge Leute mit Ford Focus, Surfbretter obendrauf, Fahrräder hintendran, die ganze Ausrüstung innendrin. Das dürfte schwierig werden. Wir beiden fühlen uns wie Graf und Gräfin Rotz von der Backe und braten Hähnchenbrust.

Seid also unbesorgt, unser einziges Problem ist, dass wir morgen echt früh aufstehen müssen. Ich habe eigentlich nur geschrieben, um den sündteuren Internetzugang abzuwohnen, den ich heute gebucht habe.

Sonntag, 07.08.2016

Hossa!

Das war ja mal ein wilder Ritt...das Gras lag flach, der Sturm hat geweht und der Todesstern hat geschaukelt wie die Hoppetosse auf grosser Fahrt. Mit 30 km/h auf dem Mittelstreifen fahrend haben wir es bis nach Tarbert geschafft.

Da kam einiges an Wasser rechts und links von den Bergen runter, Spontanwasserfälle sozusagen. Bei einem (leider kein Foto) wurde das Wasser am Fuss wieder senkrecht nach oben geweht...es hat nicht richtig geregnet, ab und zu kamen mal so Schwaden die quer über die Strasse wehten, Schwebregen oder so.

Nun sind wir in Tarbert angekommen, es fahren keine Fähren mehr heute. Hoffentlich morgen! Das ist natürlich schlimmer für diejenigen, die hier mit Mietwagen Bed & Breakfast machen und nun sehen müssen, wo sie unterkommen. Wir stehen auf dem Parkplatz der Destillerie, die zu unserem grössten Bedauern Ruhetag hat. Ganz Tarbert hat Ruhetag. Es gibt hier wohl viele Presbyterianer, die am "Sabbat" nicht arbeiten und sich nicht vergnügen. Wie ich las, hat man hier noch bis vor 15 Jahren die Schaukeln sonntags angekettet, damit die Kinder nicht spielen.

 

Zwischendrin reissen die Wolken immer mal auf und dann kommt sogar etwas Sonne durch, aber der Sturm lässt nicht nach. Selbst auf dem geschotterten Parkplatz der Destillerie hat der Todesstern ganz ordentlich Seegang.

Die Schafe meinen, das sei normale Härte und typischer Hochsommer auf Harris und gehen ihren Schafgeschäften nach wie immer.

Wir schlingern im Todesstern von der Kaffeemaschine zum Klo und zurück, mehr gibt es heute nicht mehr zu tun, allen einen schönen Sonntagabend, morgen melden wir uns wieder von Skye, so die Fähre fährt.

Sonntag, 07.08.2016

Ratzupaltuff!

Symbolbild:


Es ist windig. Die Sorte Wind, die es ernst meint. 

Wir stehen noch in Stornoway, bis zu den Steinkreisen sind es zwar nur 25 km, aber die müssten wir dann auch wieder zurück. Und dann 50 km Richtung Süden, weil unsere Fähre morgen um 7:40 Uhr in Tarbert abfährt. 

Also haben wir uns schweren Herzens dazu entschieden, die Steinkreise sich selbst zu überlassen, damit haben wir wenigstens einen Grund wiederzukommen. Als ob wir einen bräuchten...

Gute Nachrichten gibt es auch, es regnet nicht und der Rückweg von der Dusche im Wind hat genügt, die Haare und die Handtücher zu trocknen.

Wir sind einigermassen besorgt, wie sich die Rückfahrt gestalten wird, der Todesstern hat einen cw-Wert wie ein Zweifamilienhaus und die einzige Strasse nach Tarbert führt über die Berge. Zur Not müssen wir uns im Schritttempo von Haltebucht zu Haltebucht tasten. Drückt uns also die Daumen. 
Samstag, 06.08.2016

Nördlicher geht nicht

Hiernach kommt noch Island und dann irgendwann Kanada. We are here:


Und da sieht es so aus:


Und es gibt reichlich Midges, damit die Gegend so schön einsam bleibt:


Aber es gibt eine Stadt und naaaa-türlich ein Castle:


Und es gibt einen sehr hundefreundlichen Campingplatz, unter dem strengen Blick von Lady Murmel of Steòrnbragh hier links im Bild die Three Stooges, die sind nett aber ein bisschen doof, rechts Lollek und Bollek, die sind auch nett, aber ein bisschen dick, hinter uns wohnen Dick und Doof, die sind beides, waren aber gerade beim Gassigehen und sind daher nicht im Bild:



Ach ja die Stadt ist innerhalb von 30 Minuten bequem zu Fuss zu erreichen:



Hier wird der weltberühmte Harris-Tweed gewebt, der darf nur so heissen, wenn er wirklich aus Wolle von hiesigen Schafen und wirklich hier und wirklich von Hand hergestellt wurde. Dies geschieht in herrlichen Etablissements wie diesem hier:



Dort haben wir bei einem unglaublich nettem und lustigem Weber viel Spass gehabt. Wir haben uns durch sämtliche Stoffballen gewühlt und am Ende habe ich einige Meter von diesem herrlichen Stück gekauft:



Das Etikett bekommt man dann dazu, damit man es in das hergestellte Kleidungsstück einnähen kann, um die Echtheit zu bezeugen. Anschliessend sind wir noch bummeln gewesen. Das sind hier alles klitzekleine Läden, in denen man örtliches Kunsthandwerk kaufen kann, wunderschöne Sachen, in der Tat. Besonders hat es uns der keltische Silberschmuck angetan und natürlich alles was aus Tweed hergestellt ist.

Da es auf dem Heimweg ordentlich geregnet hat, sind wir nicht nur pleite und müde, sondern auch nass. Wir beschliessen den Tag also auf der Couch, Murmel hat den Bauch voller Pommes und schnarcht schon, dass die Scheiben klirren. 

Morgen besuchen wir Steinkreise und Strände. Geld für etwas anderes haben wir sowieso nicht mehr.
 
Freitag, 05.08.2016

Karma is a bitch und wegen fehlendem Netz gestern heute 2 Beiträge

Wir sitzen fest in the middle of nowhere.

Die Vorräte gehen zur Neige, das Wasser wird knapp.
Die Kleidung hängt in Fetzen an uns herunter, der Wahnsinn leuchtet aus unseren Augen.
Wir haben uns verschanzt, alle Fenster verhängt um das Grauen nicht sehen zu müssen.
Aber wir können sie hören. Da draußen sind sie. Es müssen Millarden sein. Die Midges aus der Hölle.

Gestern sind wir mal wieder zu Hochform aufgelaufen unter der Überschrift  "Fahr mal da rein, sieht gut aus."

Ankunft auf Harris, die Überfahrt dauerte 1:45 Stunden und war toll, ein bisschen shaky, aber mit grandioser Aussicht auf die ganzen Inselchen, begleitet von fischenden Seevögeln.

Der Plan: erster Schotterparkplatz raus und das mitgebrachte Bier trinken, dann früh schlafen gehen. Nur, es gab keinen Parkplatz. Nur ein Single Track Richtung Norden, wahlweise Richtung Süden. Wir haben uns für den Süden entschieden, was möglicherweise nicht die brillanteste Idee war. Der Track wurde immer schmaler und immer kurviger, die Landschaft ist großartig, eine Art Mondlandschaft aus Steinen, klitzekleinen Seen, Torfmoor und Schafen. Die laufen auf der Straße, die so schmal ist, dass der Todesstern gerade noch mit den Rädern draufpasst, an den Seiten schwebt er über dem Rand. Es ist schon spät, Es gibt nur passing places, die müssen frei bleiben, falls mal Gegenverkehr kommt.

Wild stehen ist hier also nicht, wir brauchen einen Campingplatz. Nach 10 Meilen (und für die braucht man mit dem Dickschiff hier fast eine Stunde) weist ein halb verrostetes Schild auf eine Campsite hin. Links ab. 3 Meilen. "Da fahren wir mal rein, sieht gut aus."


Die Sache mit den Kurven, den Steinen, den Schafen und den Dimensionen der Straße erreicht neue und bisher ungekannte Qualität. Wir kommen noch mit Schrittgeschwindigkeit weiter.
Aber wir kommen an. Die Campsite ist winzig, man muss durch ein enges Tor einen kleinen Stich hoch und das ganze in einer Kurve. Das WoMo gibt alles, Marion flucht, die Kupplung stinkt, keine Chance, hier kommen wir nicht rein. Verdammt. Also gewendet und die drei Meilen zurück zur "Hauptstraße", diesmal strafverschärfend mit einsetzender Dämmerung.

Wir waren ziemlich begeistert, als wir nach kurzer Zeit eine geschotterte Nothaltebucht entdeckten, wir passten gerade noch hinein. In einer einzigen fließenden Bewegung Motor ausmachen - Schlüssel abziehen - zusammenbrechen - Bier aufmachen - Schafe gucken.

Nochmal auf die Karte gucken: Ah, das war die sogenannte "golden road" über die wir noch am Tag zuvor gesprochen haben und vor der der Reiseführer warnt. Räusper.

Am Morgen dann die Erkenntnis: dies ist der Ort, an dem die Midges für die komplette Inselkette gezüchtet werden. Murmel ist das egal.

Heute vormittag haben wir uns dann auf der besser ausgebauten Hauptstrasse durch die Berge Richtung Stornoway begeben, dort stehen wir jetzt auf einem unglaublich gepflegten kleinen Campingplatz. Wir saugen Ihnen den Strom und das Wlan leer, indem wir ALLES angeschlossen haben, was ein Kabel hat. Morgen dann serious shopping in den Tweed Mills von Stornoway. Ihr wisst also jetzt schon alle, was ihr zu Weihnachten geschenkt bekommt.

 

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