Sonntag, 23.07.2017

His Grace Iain Murray 10th Duke of Atholl

Am Abend freuen wir uns, dass es uns gelungen ist, hier am nördlichsten Punkt so lange aufzubleiben, dass es hier noch hell und im Rest von Schottland schon dunkel ist.

Am Morgen beobachten wir die beiden älteren Radfahrer beim Packen. Sie haben beide eine Neuseelandflagge am Radanhänger, daher schließen wir messerscharf, dass es Kiwis sind. WIr belauschen ein Gespräch, dass sie mit einem älteren Ehepaar (mit einem großartigen alten babyblauen T2-Bus unterwegs) führen. Die Neuseeländer sind bei dieser Tour schon 3.800 Kiliometer gefahren. Dreitausendachthundert. Auf dem Fahrrad. Mit Anhänger und Zelt. Durch die Highlands. Da sind Berge. Und Gegenwind. Wir erbleichen.


SIe berichten fröhlich, dass sie auf vielen Inseln gewesen seien, Arran, Islay, Skye natürlich, und heute auf die Orkneys übersetzen, wo sie sich mal 3 Ruhetage gönnen. Sie erzählen auch von ihrer Riesentour durch Kanada und währenddessen betrachte ich etwas verschämt meinen kleinen Urkunden-Aufkleber für 500 km Autofahren. Erwähnte ich schon, dass einer der beiden einen krummen Rücken hat und beim Gehen ein Bein nachzieht? Der braucht eine Viertelstunde vom Zelt zur Dusche wenn er geht, fährt aber Tausende Kilometer Rad. Die müssen wirklich lieben, was sie tun.


Das Wetter ist entgegen der Vorhersage gut, es hat in der Nacht geregnet aber jetzt ist der Himmel blau und wir bummeln los.

Leider ist die Gegend langweilig, rechts und links der Straße unendliche Wiesen, die einzige Abwechslung bieten die dunklen Flecken, das sind die Schatten der Wolken und hin und wieder die Ruinen eines verlassenen Farmhauses.


Als wir uns wieder der Küste nähern, wird es irisch, also so wie in der Kerrygold-Werbung. Steilküsten und braune Kühe.


Die Strecke wird ein bißchen spannender, Haarnadelkurven am Abgrund und schwarze Kühe.

Und einen hübschen Friedhof:


Am Moray Firth in Tain liegt die Glen Morangie Destillerie. Die hat mehrfach den Besitzer gewechselt und gehört mittlerweile zur Moet-Luis-Vuitton-Gruppe. Sie dürfte neben Glenfiddich zu den bekanntesten Destillerien gehören und exportiert in die ganze Welt. Aber der 200 Jahre alten Tradition gemäß hat die Destille auch heute nur genau 16 Mitarbeiter.


"The 16 Men of Tain", so steht es auch auf den Flaschen geschrieben. Unter den 16 gibt es aber mittlerweile eine Frau. Wir buchen keine Führung, schlappen aber über das Firmengelände, bewundern die 8 Brennblasen (die höchsten in Schottland, daher soll der milde Geschmack kommen), das dekorative Auto im Hof, den hauseigenen kleinen Wasserfall und den Fjord.


Und da sind tatsächlich Seehunde, sie stecken die Köpfe aus dem Wasser, gucken rechts, gucken links und verschwinden wieder. Auf dem Foto sieht man keine, weil ich nie schnell genug abgedrückt habe, aber sie waren da! Ischschwör!!


Wie Banksy schon sagte, Exit through the Gift Shop, ich habe praktisch nix gekauft!


Dann geht es ab über einen Damm und eine Brücke zurück auf die Black Isle, eigentlich ist das nur eine Halbinsel zwischen drei Förden, aber die Schotten nehmen das nicht so genau, ist genug Wasser drumherum, isses eine Insel.

Wir haben noch genug Shortbread (die beste Sorte der Welt) an Bord

und daher brausen wir an Inverness vorbei gleich durch nach Blair Atholl. Die Gegend wird in den Cairngorns wieder etwas highlandischer und das Wetter wechselt im Viertelstundenrhytmus von Veronika-der Lenz-ist-da zu gleich-wirds-hier-aber-sowas-von-gewittern und wieder zurück.


Wir stoppen kurz im Bruar House, das man hier "Harrods of the Highlands" nennt, ich berichtete bereits davon, verlassen es aber ohne Beute, das Spaß-Budget neigt sich bedenklich dem Ende zu. Also begeben wir uns auf einen unserer Lieblingsplätze von ganz Schottland. Unterhalb von Blair Castle hat (und das ist die Wahrheit) His Grace the 10th Duke of Atholl auf seinen Ländereien Anfang der 70er einen Campingplatz eröffnet. Davon habe ich Euch letztes Jahr schon vorgeschwärmt, riesige englische Rasenflächen, ein Bach, der einen natürlichen großen Swimming-Pool bildet, komplette Badezimmer in den Sanitärhäusern.


Der Duke war die einzige Person in ganz Europa, die legal eine Privat-Armee haben durfte, die Atholl Highlanders. Hier gibt es auch eine der besten Pipe-Bands von Schottland, das Highland Gathering hier findet selbstverständlich vor dem Schloß statt inklusive einer Parade der Band und der "Armee" durch das Dorf.

Wer mag gewinnt hier einen Eindruck, es ist die diesjährige Parade, die wir natürlich nicht gesehen haben, sie findet jährlich im Mai statt.

https://www.youtube.com/watch?v=9iR78WG3V8E

Der Duke starb in den 90ern und da er kinderlos war, vermachte er einen Tag vor seinem Tod seine Ländereien und sein Schloß einem wohltätigem Verein. Damit enterbte er faktisch seinen eigentlichen Erben, einen Cousin, der in Südafrika geboren war und dort auch lebte. Dieser meinte aber, dass er sich mehr als Südafrikaner denn als Schotte fühle und nahms nicht krumm, immerhin erbte er den Titel und wurde somit der 11th Duke of Atholl. Und als solcher flog er bis zu seinem Tod 2012 jedes Jahr im Mai hier hin und nahm die Parade seiner Armee ab.

Auf diesem Platz hier findet man keine Radfahrer. dafür aber eine höchst interessante Ansammlung wirklich gigantischer Familienzelte. Wie es scheint, verbringen manche hier die gesamten Ferien im Zelt. Da gibt es welche, 12 Meter lang,  mit Eingangshalle, Wohnzimmer, Küche hintereinander,  und rechts und links davon schließen noch Nord- und Südflügel an, darin vermuten wir die Schlafzimmer, natürlich alles mit Stehhöhe für große Menschen. Wir schätzen einige davon auf über 30 Quadratmeter überbaute Fläche. Anscheinend gibt es hier nicht viel Wind. Wir prüfen die Wetter-App und staunen, vor allem, als wir das App-Bild mit dem tatsächlichen Bild vergleichen:

Umso besser. Wie sagt man hier: Wenn Dir das Wetter nicht gefällt warte eine Stunde, dann hast Du ein anderes.

Samstag, 22.07.2017

Die neuesten Mitglieder des NC 500 Clubs

Allmählich fühlen wir uns unbesiegbar. Wir haben IMMER den geilsten Übernachtungsplatz, IMMER das beste Wetter und IMMER den Spitzenplan für jegliche Unternehmungen. Tatsächlich hat es in den letzten 10 Tagen ab und an geregnet, aber IMMER hochanständig, also entweder nachts oder wenn wir sowieso gerade 100 Kilometer fahren wollten.

Die notariell beglaubigte Aufsichtsbeamte prüft das Wetter und befindet: ein toller Tag für eine kurze Fahrt und einen langen Aufenthalt auf einem Campingplatz.

Nach 3 Tagen Wildcamping haben müssen wir einige Tanks entleeren, andere auffüllen, Wäsche waschen und mal eine echte Dusche nehmen. Die im Todesstern ist toll, aber den richtigen Dreck kriegt die auch nicht ab.


Zunächst geht es über den Damm, den wir den ganzen Abend bewundert hatten nach Tongue, auch hier fabulöse Sandstrände.

 


Von hier oben kann man auch noch einmal den Damm und vor allem die Seehund-Sandbänke sehen.


Wir spielen Spot-the-Castle (na wer sieht's?)

Die Straße ist erst ganz prima (immer wenn sie so ist, steht am Anfang ein "mit Mitteln der EU gebaut"-Schild, soviel zum Brexit) und dann wieder hobbly-wobbly. Hier nun auch mal ein Foto von einem Plomben-Rausrüttler:



und einer Ruine. Ich mag Ruinen.


Und einer Ruine mit Kühen drin.

Und Kühen ohne Ruinen, Kühe mag ich auch.

Und noch eins für Murmel:


Und dann ist es geschafft, wir erreichen Thurso. Sonja wird sich lebhaft erinnern, aber heute strahlt die Sonne und der WInd ist lebhaft, aber ungefährlich. Gegenüber erkennt man erstaunlich deutlich die Orkneys und wir schmieden schonmal Pläne für die nächste Tour. Sonja und ich als Versorgungstruppe im gelben Bus und Marion auf dem Motorrad...

An Thurso außer der häufigen Stürme noch zwei weitere DInge speziell. Erstens:



und zweitens ist es hier verboten, beim Einparken zu singen:


Nein, Quatsch, zweitens ist speziell, dass wir hiermit beide die NC500 komplett absolviert haben. Das ist die "North Coast 500 Tour", ein 500 Kilometer langer Trail rund um Nordschottland.Hier ein ausnahmsweise geklautes Bild von der schottischen Tourismusseite, so hoch fliegt der Todesstern leider nicht:

und hier der Trail:

Den ersten Teil haben wir getrennt voneinander unternommen, den zweiten nun gemeinsam, und wir beglückwünschen uns. Murmel bekommt zur Belohnung einen weiteren Strandspaziergang (das einzige, was der Hund mehr liebt als Schnee ist Sand, könnt Ihr sie sehen?)

 

 und wir bekommen T-Shirts und Aufkleber, die unsere großartige Leistung angemessen würdigen und zur Schau stellen.


Während ich dies tippe, wackelt der Todesstern wie ein Lämmerschwanz. Marion hat natürlich einen riesig großen Aufkleber bekommen (ich nur einen kleinen, alle mal so ohhhh!), und befreit gerade hingebungsvoll das Heck vom Dreck der letzten 2000 Kilometer, um ihn würdig anzubringen.

Später: Auf diesem Bild sieht man einen majestätischen Todesstern, eine stolze Marion, einen riesigen NC 500 Aufkleber, die Orkneys und die Minions.

So lautete mein Auftrag und ich bin froh, dass es mir gelungen ist, denn nun darf ich zur Belohnung Burger essen gehen im Blue Door Café hier um die Ecke.

Nun noch das Bild vom Stellplatz für die Nacht, die beiden Fahrräder im Bild gehören zwei älteren Herren, der eine ist bestimmt 70 Jahre alt. Die treffen wir seit Tagen immer mal wieder, die sind derart sportlich unterwegs, dass wir uns vor Hochachtung kaum lassen können.



Später: Die beiden drahtigen Herren füllen draußen ihre Wasserflaschen und wir bestellen voller Hochachtung für dieses Askese Himbeer- und Pinacolada-Shakes zu unseren Burgern. Wir müssen schließlich nachher noch duschen und finden, das ist schon genug Sport. Das Blue Door Café ist herrlich, die Mannschaft sieht aus, als wäre niemand über 20 Jahre alt, alle gut gelaunt und freundlich, es wird viel gelacht und zur lauten Musik gehampelt, durch das Fenster hat man den schönsten Blick über die Bucht, Bay TV mal wieder at it's best.

Freitag, 21.07.2017

Massenmörder und Highland-Schrate

Heute morgen um 4:30 wird Marion geweckt. Grmpf, Grmpf, Grmpf, Skrondel, Skrondel, Grmpf. Das war aber nicht ich, sondern 5 solche Kameraden, die rund um den Todesstern friedlich ästen.

 Ja, ja, ich habe es nur auf den Fotos gesehen. So um 8 Uhr. Sie hat versucht, mich zu wecken. Zweimal. Wollte aber auch die Hirsche nicht vertreiben. Und keinen Arm verlieren. Und unser Super-Duper-Jagdhund hat unten in meinem Schlafsack geschnarcht. War schließlich kalt in der Nacht.

Nach dem Kaffee ging's weiter immer nordwärts. Und Junge, was für eine Gegend. Und die Wolken! Und die Lochs! Und der Himmel! Und überhaupt!



Als dann auch noch Ruinen ins Bild kommen, eskalieren wir völlig und knipsen die Akkus unserer Handy heiß. Und es geht immer weiter so, nach jeder Kurve etwas noch Schöneres. Man sollte ja meinen, wir waren oft genug hier, aber es ist immer wie beim ersten Mal.


Deshalb heute Fotos, Fotos, Fotos, was soll ich groß erzählen, es ist Herr-der-Ringe-Land, an den Hügeln fehlen nur noch die runden Hobbit-Türen und über den schwarzen Bergen die Nazgul.

Alles ist Jippih!



Gegen Mittag erreichen wir Sango Sands, einen wirklich karibischen Strand. Und es ist warm. Wir spielen Fangen mit dem Hund und Verstecken, klettern in den Felsen rum, kriegen nasse Füsse und haben unseren Spaß. Glaubt einem keiner, dass das hier der äußerste Norden ist.

Natürlich liebe ich meinen Hund, aber eigentlich fotografiere ich ihn nur deshalb dauernd, damit niemand denkt, wir fotografieren hier nur Karibik-Postkarten ab.

Aber es gibt noch mehr zu entdecken. Ein paar Kilometer weiter befindet sich die Smoo Cave. Ob Tolkien hier auf Smaug gekommen ist? Über Treppen geht es runter in eine Schlucht, man kann sich gut vorstellen, wie die Wikinger hier ihre Boote reingezogen haben, Funde weisen darauf hin, dass sie hier repariert und gebaut haben.



Die Höhle ist riesig. Man kann sie nicht gut fotografieren, denn sie ist außerdem dunkel. Durch ein Loch in der Decke der ersten Kammer fällt Licht ein.



und durch ein Loch in der zweiten Kammer ballert ein amtlicher Wasserfall nach unten. Colin bietet ab hier Führungen mit einem Boot in die dritte Kammer, aber da es in letzter Zeit zuviel geregnet hat und Westwind weht, geht das heute nicht.


Macht nichts. Und weiter geht die wilde Fahrt. Single Track mit einigem Gegenverkehr, mit Lkws und anderen Wohnmobilen ist es spannend, denn hier sind selbst die passing places winzig. Für die 20 Kilometer rund um den Fjord sind wir fast zwei Stunden unterwegs.


Als endlich kein Betrieb mehr ist und man die Piste kilometerlang vor sich sehen kann, kommt ein Mann auf uns zu, zu Fuß. Wir denken, dass das wohl der einsamste Mensch in den Highlands heute ist, in alle RIchtungen von hier aus erstrecken sich endlose Weiten ohne Weg, ohne Pfad. Als wir näherkommen winkt er uns ran. Wir stoppen und erkennen, das der alte bärtige zerzottelte Kerl wohl doch nicht ganz alleine ist. Er hält uns einen Vortrag, dass man uns von oben beobachtet und auch von drumherum, er deklamiert recht zornig und wir verstehen ihn immer schlechter, seine Gesten werden ausholender und zack, winkt er ab und marschiert strammen Schrittes weiter seines Weges. Ääääähm...Ja. Wir hoffen, er weiß, wo er hin will und auch,  dass er da willkommen ist und zuckeln weiter.

Wir entdecken unterwegs noch eine weitere Ruine, dahinter liegt das verlassene Dorf Balnakeil. Leider verpassen wir die Zufahrt und haben nur dieses Foto von außen geschossen.

Aber die Geschichte ist so spannend, dass ich sie dennoch erzähle:
Auf dem Friedhof liegt seit dem Jahr 1623 der 18-fache Mörder Donald McMurdo. Angeblich war er ein Auftragsmörder, der seine Opfer durch das Loch in der vorhin besuchten  Smoo Cave entsorgte. Der Pfarrer war nicht begeistert davon, ihn auf seinem heiligen Acker zu begraben, man munkelt, dass entweder Donald selbst im vorhinein oder aber sein Auftraggeber für viel Geld eine Grabstelle gekauft hätten. So begrub man ihn auf der Friedhofsgrenze halb drinnen halb draußen liegend, meißelte einen Totenkopf mit gekreuzten Knochen auf seinen Grabstein und folgende Inschrift:

Donald MacMurdo here lies low
was ill to his friends and worse to his foe
true to his master in prosperity and woe
DMMC 1623

(Donald MacMurdo liegt hier tief, war übel zu seinen Freunden und schlimmer noch zu seinen Feinden, treu seinem Meister in Wohlstand und Leid.

Nach den vielen Eindrücken heute sind wir auch schon ziemlich groggy und stoppen früh für die Nacht. Natürlich stehen wir am Fjord, links Sandbänke mit Seehunden, rechts ein Damm über den es morgen weiter Richtung Thurso geht, hinter uns Schafe, über uns reichlich Seevögel. Und um es komplett zu machen in Richtung Damm ein wunderschöner Friedhof, den haben wir uns dann nochmal genau angeschaut.

 

DieseInschrift auf diesem Stein fanden wir sehr anrührend:

Und an diesem mochten wir den Quaich und die Flasche:

Und was hier für einer begraben liegt, ist auch klar:

Heute haben wir zum allerersten Mal nicht nur Schafe sondern auch Schäfer gesehen. Single Track kamen uns zwei ausgesprochen glänzend gelaunte braun gebrannte junge Männer auf einem Quad entgegen, bedankten sich geradezu ekstatisch dafür, dass wir Platz zum passieren ließen, hinten auf dem Quad klammerten sich ganze 4 Border Collies fest.

Und eben kam ein älterer Schäfer ebenfalls auf einem Quad mit zwei Border Collies an Bord, der mit wildem Gejohle und Gepfeife die Herde neben unserem Schlafplatz  zusammentrieb

Ihn haben wir nicht aufs Bild bekommen, er war flitzeflink mit seinem Quad im Heidekraut unterwegs. Und so genießen wir den Blick aus dem Fenster und schottes Chicken Fajita ;-)

Donnerstag, 20.07.2017

Buddha by the Sea and on the Beach

Buddha by the sea ist vollgestopft mit Räucherstäbchen und Klingeling-Dingern, hunderte von Klingeling-Dingern und nach 5 Minuten kriege ich das Nervenflattern. Auf dem Schild draußen ist angekündigt, die Waren seien "from Nepal, Rajastan & far away", far away ist dann anscheinend die Südamerika-Abteilung, in der man sich trefflich auf den dias de los muertes vorbereiten kann, wie gesagt, Totenköpfe gehen halt immer.


Auf unserem weiteren Weg Richtung Norden nimmt der Verkehr drastisch zu, das Wetter ist so la la. Wir beschließen etwas kulturell Wertvolles zu unternehmen und stoppen an den Inverewe Gardens. Da hat ein exzentrischer Schotte Schiffsladungen von Mutterboden ankarren lassen und die günstige Lage des Loch Ewe am Golfstrom genutzt, einen botanischen Garten anzulegen.


Der Kartenverkäufer erklärt uns kurz einiges und erwähnt noch beiläufig "the midges are pretty lethal today". Das sind sie in der Tat, aber zum Glück haben wir unsere albernen Midges-Hüte dabei und glaubt uns, NIEMAND hat gelacht. NIEMAND. Alle anderen stapften nämlich wie der schwarze Block umher, Kapuzen bis zur Nase runtergezogen, Schals und Tücher bis zu den Augenbrauen hoch.


In der Tat ist dieser Garten sehr hübsch und es gibt Pflanzen aus aller Welt, Eukalyptus, Bambus, Palmen, Pinien, Magnolien und Rhododendron, viele davon in gigantischer Größe. Auch einen lustigen Gemüsegarten, in dem immer abwechselnd Gemüse und Blumen in ordentlichen Vierecken gepflanzt sind.

 


Nun ist es leider so, dass wir beide keine Hobbygärtner sind, der Gärtnerei eher skeptisch (Marion) bis ablehnend (moi) gegenüberstehen und gar keine Ahnung davon haben. Und so hielt sich unser Enthusiasmus sehr in Grenzen. Dieser Garten ist an uns leider völlig verschwendet und so halten wir es schlicht für ganz großen Quatsch, sowas hier an der windigsten, kältesten, kargsten und felsigsten Gegend West-Europas zu veranstalten.
Um dann doch noch wenigstens etwas Expertise zu similieren hier unsere Lieblinge im Park:

der Camouflage-Baum

 

die Distel-Agaven-Hybride


und Rhabarber gab's auch.

 

Das beste war eigentlich der Blick auf Loch Ewe und die Werbung für das hauseigene Midge-Mittel.
Also dampften wir ab Richtung Ullapool und erfreuten uns lieber an der echten Natur, die von selbst da wächst wo sie will.

Die Wolken haben auch ordentlich Quatsch gemacht, meistens sieht der Himmel so aus, als wäre alles mit Zeitraffer aufgenommen und daher so langgezogen, einmal so als würde auf den Wallewölkchen ein Topfdeckel sitzen und sie platt drücken.

Einen Strandspaziergang gab es natürlich auch noch, bevor wir endgültig in die Felsenwelt aufstiegen.


Nun stehen wir mitten im Geopark etwas oberhalb der Straße  und schauen durch das Fenster auf dieses Panorama.


Neben uns steht ein weiteres Wohnmobil, darin  übernachtet John, der Vogelbeobachter, das ist ein weit verbreitetes Hobby hierzulande. Vorhin kam eine Gruppe - wir denken Studenten, die zu den Informationstafeln aufstiegen und beim Runtersteigen eine herrliche Midge-Pantomime aufführten. Also war ich gewappnet und unternahm die Hunderunde mit albernem Hut. Weise Entscheidung, denn John und ich kamen ins Plaudern und als wir fertig waren saßen Millarden von den Dingern auf dem Netz vor meinem Gesicht. Ich habe ja schon oft Midges gesehen und ich habe auch schon viele auf einmal gesehen, aber das hier? Das habe ich noch nie gesehen. Es kam wie es kommen musst, trotz wildem Hut- und Körpergeschüttel vor der Tür kamen hunderte mit mir zusammen reingeschwebt und jetzt ist hier erstmal Halali im Todesstern.




Mittwoch, 19.07.2017

Bay TV auf Skye (Titel geklaut)

Es war ein brillanter Sonnenuntergang. Wir haben ihn durch das Fenster genossen. In der Sekunde, in der man vor die Tür trat, war man auch schon komplett von den Midges benagt. So schossen wir nur geschwind ein Beweisfoto, flüchteten  ins Innere des Todessterns und stritten um die Fenistil-Tube.

Nach soviel Natur verordneten wir uns ein bißchen Urbanisation und begaben uns nach Portree. Zunächst besuchten wir unseren Lieblingsladen mit dem netten Ehepaar vom letzten Jahr. Dort gibt es allerlei lustige Dinge zu kaufen, auf ungefähr der Hälfte sind Totenköpfe, auf der anderen Hälfte irgendwas mit Blümchen. Und natürlich hundert Sorten Whisky.


Diesmal hatte er Dienst, begrüßte uns gleich mit "you'd been here before!" und fütterte den Hund mit riesigen Leckerchen. Wir plauderten über Seeadler und Whisky, probierten auch ein zwei Schlückchen und baten dann um einen "Getorften for the very Beginners". Er empfahl uns einen Smokehead von der Insel Islay. Da der erstens tatsächlich schmeckte, zweitens recht günstig war und drittens in einer Blechdose mit Totenköpfen kam,  kauften wir eine Flasche. Er schenkte uns noch eine kleine Flasche vom gleichen Stoff dazu, damit wir den für unser geplantes Fischmahl am Hafen  gleich zur Hand hätten.
Also begaben wir uns gleich dorthin,  aßen Fish & Chips beinebaumelnd auf der Hafenmauer sitzend, erstanden eine Tüte Chips mit Haggis-Geschmack und amüsierten uns über das Angebot der Touristenläden.

Da es immer noch so "heiß" (23 Grad) hier ist, haben die Geschäftsinhaber alle Türen geöffnet, so das wir einen Blick in den Personalraum eines Klamottenladens werfen konnten. "FOLD OR DIE" Gnihihihihi!

Insgesamt war einiges los in Portree, vor der Bank fuhr ein Reisebus dem Geldtransporter mit Schmackes den Spiegel ab und brauste weiter, den daneben stehenden  Geldboten in vollem Ornat mit Helm, schußsicherer Weste und Geldkassette fassungslos dreinblickend in einer Staubwolke zurücklassend.
Bei herrlichstem Wetter tuckerten wir durch die Berge, dann ab über die Brücke, dort warfen wir mein Billig-Armbändchen vom letzten Jahr in den Fjord, weil das Silber abging ;-)

Unsere eigentliche RIchtung ist nun der Norden, weil aber der Westeross Trail so schön ist und der Name so Games-of-Thrones-inish nahmen wir den Umweg über Achnasheen nach Gairloch. Es geht rauf und runter, mal ist die Straße breit und glatt, mal single track, wir bekommen Krämpfe vom Bitte-Winken und noch öfter vom Danke-Winken. Das macht man hier so, und wenn jemand einen überholen lässt, hupt man freundlich, weil der das WInken ja nicht sehen könnte.

Besonderes Highlight war diesmal ein Single-Track-Tunnel, der war wirklich nichts für schwache Nerven und die vielen Cattle Grids. Ein Cattle Grid ist ein Graben quer über der Straße, 2-3 Meter breit. Darüber liegen ebenfalls Quer runde oder eckige Eisenstangen. Kühe und Schafe können nicht darüber gehen und so hält man sie einigermaßen beisammen. Leider waren die nicht alle durch Schilder angekündigt, so dass wir den ersten viel zu schnell nahmen. Nachdem uns dabei fast die Plomben aus den Zähnen gefallen wären wurden wir vorsichtiger, was zu regelmäßigen Vollbremsungen führte.

Am Victoria Wasserfall machten wir Halt und räumten erstmal den Todesstern wieder auf. Der gesamte Inhalt war um einen Meter nach vorne verschoben und alles was einstmals hing, lag nun. Der Wasserfall war hübsch und nass, viel mehr faszinierten uns allerdings die  Wolken, die wie riesige Donuts über uns aufzogen. Wir bestaunten das Loch Mare und erreichten schließlich Gairloch. Dort besuchen wir morgen die beiden Hauptattraktionen, zum einen das HillieBillie-Café, ein in den frühen 80ern steckengebliebener Hippie-Buchladen mit Tea Room und einen Laden mit Blick auf den Fjord, der vielversprechend "Buddha-on-the-sea" heisst. Nun gibt es Abendessen und Ale von Skye mit Blick  auf selbiges. Heute abend macht sie ihrem Name Ehre und ist ganz in Nebel gehüllt.

Dienstag, 18.07.2017

So sehn Fjorde aus, scha la la lala

Zunächst einmal - weil mir ja sonst wieder keiner glaubt - ein paar heimliche Schnappschüsse des gestrigen Personals: Der Vampir, die Zigarre, der Bunk Camper,



der Bad Ass und das Schweizer National-Basilikum.



Am Abend erschienen noch zwei Wölkchen und trieben Schabernack, eine simulierte ziemlich glaubwürdig ein Feuer hinter dem Hügel, die andere einen kompakten Riesen-Wattebausch zwischen drei Gipfeln.



Dann zuckelten wir los, Marion hatte eine Silberschmiede ausgekundschaftet, die ziemlich einzigartiges von der Natur und dem Book of Kell inspiriertes Geschmeide herstellt. Es wurde eine Super-Fahrt. Mal dunkelblaues mal dunkelgrünes Fjordwasser,



mal wähnten wir uns in  Norwegen,mal in der Mongolei.



Ich hatte in einem kleinen Laden ein Buch gekauft namens "The Guide to mysterious Skye". Darin hat der Auto alle Sagen und Legenden gesammelt, die sich hier um jeden Tümpel, jeden Felshaufen und jede andere Landmarke drehen. So amüsierten wir uns über die Feen-, Geister-, Monstersichtungen, auch zu diesen hübschen Tafelbergen gibt es blutrünstige und unterhaltsame Geschichten.
Die Silberschmiede lag dann am Ende dieses Weges, hier stört einen übrigens keineswegs ein Traktor vorneweg, ohne den kommt man auch nicht schneller voran. Die freilaufenden Silberschmiede werden hier artgerecht in einem uralten Schulhaus mit Meerblick gehalten und waren ausgesprochen freundlich.



Sie erklärten uns geduldig alle Muster und Motive, Marion entschied sich für einen Ring mit den "Dogs of Lindisfarne" (ein Wikingermuster) und einen Anhänger mit den Umrissen der Isle of Skye, ich für einen Anhänger mit Kringeln und Kreisen. Klingt jetzt nicht so bedeutungsvoll, symbolisiert aber Regentropfen die in eine Pfütze fallen und das fand ich meinem heiteren Gemüt sehr entsprechend. Außerdem ist es eine Pfütze auf Skye und somit schonmal per se toll. Pöh!

Fjorde mit Inseln, Single Track Road bis zu den schwarzen Cuillins am  Horizont, wir beglückwünschen uns auf jedem Meter.


Wir erreichen Dunvegan Castle,  eines der ganz wenigen, das noch ganzjährig bewohnt wird und zwar seit 800 Jahren vom Clan der MacLeods. Die können wir aber nicht leiden, weil der aktuelle Chief (denen gehört dieser komplette Teil von Skye) vor einigen Jahren die Black Cuillins (dieses Gebirge am Horizont) für 2 Millionen Pfund bei Ebay eingestellt hat. Kein Witz! Außerdem verlangen sie reichlich viel Eintritt, daher fotografieren wir nur das zugegeben wunderschöne EIngangstor.



Zu meinem Entzücken fahren wir an einem Steinkreis vorbei. Ok, ein Kreis aus zwei Steinen ist kein Kreis, ja ja, Klugscheißer, aber es waren mal 3! Der Legende nach (tolles Buch habe ich da gekauft) hat Fingal hier mit seinen Kumpanen gejagt und an den drei Steinen seinen Kessel über dem Feuer aufgehängt um aus den erlegten Rehen Eintopf zu kochen. Der Name der Stätte lautet Sornaichean Coir'Fhinn.



Nach soviel Kultur sind wir hungrig und machen Picknick an einer steilen Küste über Idrigill. Blick nach links, rechts und geradeaus:

 


Auch die Aufsichtsbeamte ist zufrieden, daher noch ein Beweisfoto mit Todesstern.


Da das doofe Handy alles immer so flach abbildet (die Berge sind hier höher als es auf den Bildern erscheint und insgesamt ist alles deutlich mehr 3D, ich muss doch mal eine richtige Kamera mitnehmen), machen wir noch ein Bild von diesem Platz von unten, das ist natürlich nicht der Todesstern, es ist viel zu heiß um so weit zu laufen.

Tatsächlich sind es 23 Grad im Schatten. Die Bewohner hier sprechen von einer Hitzewelle, die Frau im Buchladen sah aus, als bekäme sie gleich einen Schlaganfall. Damit uns das am Dunvegan Castle gesparte Eintrittsgeld kein Loch in die Tasche brennt, geben wir es schnell hier in der Skye-Brauerei inUig aus.


Tatsächlich finden wir es auch ein bißchen zu warm hier und ziehen uns in die Berge zurück. Von dort kann man die Hafenbucht noch toll sehen und Disteln gibt es auch. Also packen wir unsere Pipes an und beginnen sehr enthusiastisch, die Gegend anzutröten. Unser Elan wird nach einer Viertelstunde von den Midges doch empfindlich gestört und wir ziehen uns in den Todesstern zurück um auf den Sonnenuntergang zu warten. Die Sache ist nur die, der beginnt hier so gegen halb elf und wir sind jetzt schon müde. Den besten Platz hat sowieso wie immer Madame eingenommen. Wir werden sehen.

 

Montag, 17.07.2017

Autokino oder die fragwürdige Idylle im Hochmoor

Im Moor müsst Ihr Euch das so vorstellen:  Es ist unglaublich still. Da zwitschern keine Vögel, da zirpen keine Grillen, da sind keine Menschen, alles was man hört sind die eigenen Schritte und wenn man stehenbleibt hört man nichts mehr. Es ist unglaublich schön. Die Landschaft ist sehr reduziert, es gibt keine Bäume, keine Büsche, nur krautiges niedriges Zeug und das meiste ist grün. Ich habe da immer das Gefühl, dass meine Sinne ein bißchen schärfer werden, wenn nicht so ein akustischer und optischer Overflow auf mich einwirkt.

Guckt Euch mal die Gegend bei Google Earth an, dann wisst Ihr was ich meine.

Und dann kommen wir zurück auf den Campingplatz. Das ist kein richtiger Campingplatz wie man sie auf dem Festland kennt. Das ist einfach nur die einzige flache und trockene Stelle in diesem riesigen Moor, an dieser langen Straße die hier durchführt. Da hat ein schlauer Schotte erst eine Brauerei gegündet und dann ein Sanitärhäuschen gebaut und ein Preisschild aufgestellt. Ok, ein paar Stromanschlüsse und eine Wasserzapfstelle gibt es auch.
Man sollte meinen, hier sitzen ein paar unerschrockene Hanseln andächtig und still in der Natur und reden wenig. Nun ja. In der letzten halben Stunde war es hier so:

Ein kleineres Wohnmobil mit der Aufschrift "Bunkcamper" fährt ein und sucht umständlich und unter viel Rangieren einen leicht schiefen Platz auf. Ihm folgt der wahrscheinlich langsamste Italiener der Welt. Er hält 17mal an, steigt aus, steigt ein, fährt laaangsaaam ein paar Meter, steigt aus, steigt ein usw.  Während wir das noch beobachten erscheint ein Airstream, diese amerikanischen silbernen zigarrenförmigen Wohnwagen.

Auftritt der Schweizer: 5 sehr sehr junge Schweizer in einem sehr sehr alten Wohnmobil entern schwungvoll den Platz und stellen sich krumm und schief und unter reichlich aus den offenen Fenstern und Türen (!) brüllend in eine Lücke am Stromanschluß.

Der Bunkcamper stellt fest, dass sein Stromkabel zu kurz ist und wendet in 48 Zügen seine Karre. Steht jetzt noch schiefer, aber das Kabel reicht. Nun kommt ein weißes "Motorhome Hire" an. Es stiegen eine Menge Leute aus (5 oder 6, mutmaßlich Italiener) und schwärmten sternförmig aus um den Platz zu inspizieren.

Der langsame Italier hat beim 18. Zwischenstopp seine Frau vergessen,  die läuft hinter ihm her. Währenddessen rennt ein kleiner bebrillter Junge mit einem Wasserkessel kreuz und quer zwischen allen Wohnmobilen rum, dengel kabengel kadengel.

Der schlaue Schotte erklärt den Schweizern, dass der geschotterte Teil mit den Stromanschlüssen teurer ist, alle hüpfen an Bord und parken unter viel unverständlichem Krakeele, mehreren Anläufen mit Vollgas in bedenklicher Schräglage und hängendem Heck auf einem abfallenden Stück Wiese ein.

Der Italiener hat seine Frau wieder aufgenommen und parkt jetzt mit dem Temperament von Plattentektonik  und der Geschwindigkeit einer Wanderdüne dem neben ihm stehenden Bulli die Schiebetür zu.

Auftritt der Vampire: Ein kunterbunt bemalter (ich glaube) Kangoo mit einer großen Fledermaus auf der Seite und der Aufschrift "Fang Face" auf der einen und "bad ass" auf der anderen Tür stürmt beherzt den Platz und stoppt an der Wasserstelle.

Die Schweizer haben Tisch und Stühle von ihrem Dach aus auf die Wiese geworfen und stellen einen Topf Basilikum (Ihr kennt die aus dem Supermarkt mit der Folie drumherum?) auf den Tisch. Nun sitzen sie drumherum und jeder zupft sich ein bis zwei Blättchen. Ob das Nahrungsbudget für die Camp-Gebühr draufgegangen ist?)

Ein Mann mit Neoprenanzug (ehrlich!) kommt aus dem Nirgendwo mit einer Spülschüssel voller Geschirr in der Hand und verschwindet in der silbernen amerikanischen Zigarre. Hat die Besatzung den mit dem Zeug an einem Wasserfall zum Spülen ausgesetzt? Der Italiener - zufrieden mit sich, der Welt und seinem Stellplatz - sitzt auf dem Vordersitz, trinkt Wein und verspeist in rascher Folge ungefähr 15 BabyBel-Käse.

Erst jetzt entdecken wir John Wayne, im Hintergrund steht ein alter Mann mit O-Beinen, einem Karohemd und einem Cowboyhut und betracht wie wir das Geschehen. Über den knirschenden Kies erscheint ein schwarzglänzender amerikanischer Pickup mit 4 hysterisch kläffenden Hunden auf der Ladefläche, umrundet einmal flott den Platz und verschwindet wieder Richtung Horizont.

Die Besatzung des Motorhome Hire ist wieder eingetroffen. Zu unserem Entzücken agieren sie wie dieTeam-Tage des Kindergartens Winningen, stehen im Kreis und jeder berichtet einzeln von seinen Erkenntnissen, während die anderen andächtig lauschen. Wir erwarten jeden Moment dass ein Flipchart aufgestellt wird. Das Ergebnis der Beratungen erschöpft sich dann darin, dass das Wohnmobil 3,80 Meter nach hinten gerollt wird und so verbleibt.

Wir sind fassungslos ob des überbordenden Wildlife hier im Nirgendwo, betrachten den Italiener beim stillen Verdauen seiner Käsemahlzeit und die Horde fröhlicher Jungschweizer beim friedlichen Äsen.

Der Platz ist nun voll und langsam kehrt Ruhe ein. Auch die Vampire haben nach einer letzten Platzrunde ein Fleckchen gefunden, von dem aus sie - ähm ja was? jagen? WIr denken nicht weiter darüber nach.

Ich schwöre, es war genau so. Und ich schwöre ebenfalls, dass ich noch keinen Tropfen Alkohol heute hatte und als letztes schwöre ich, dass ich aber genau jetzt anfange, mich zu besaufen.

Montag, 17.07.2017

Sing us a song of a Lad that is gone ...

Am Morgen Blick aus dem Fenster

Tatsächlich. Wenn man genau hinschaut erkennt man gegenüber eine Fleck Sonne auf dem Hang, wo ein Loch in den Wolken das Licht durchlässt. Puh, da hat das allwissende Wetter-Orakel (moi) aber Schwein gehabt. Die Wolken werden weniger, die Sonnenflecken mehr, der Wind lässt nach. Habichsdochgesachthabich!

Kurzer Zwischenstopp am Castle

und ab auf die nächste Insel. Und das Wetter wird immer besser. Auf der Brücke schon blauer Himmel!

Und auf dem Berg gegenüber nur noch Deko-Wölkchen...

Wir genießen die Fahrt und fotografieren uns zum Depp.

Endlich hat auch das Wasser die ordnungsgemäße Farbe und alles leuchtet blau und grün.

Wir wollen diesen herrlichen Tag so weit es geht draußen verbringen. Daher halten wir nur kurz am CoOp um die Vorräte aufzufüllen und besuchen wie jedes Mal den witzigen Flohmarkt dahinter, wo eine alte Frau alles für 1-2 Pfund verkauft, was die Leute aus Skye nicht mehr brauchen. Die unfassbarste Sammlung aus blindgewordenen Gläsern, verbogenen Kerzenständern, angeschlagenen Tellern, verrosteteten Teedosen mit der jungen Queen drauf oder Dianas Hochzeit, ein unglaublicher Quatsch aber wir kaufen dort immer etwas. Weil's so lustig ist.

Next Stop: Sligachan. Kleine Campungwiese im Moor gegenüber einer Brauerei. War 2014 toll, war 2016 toll und ist dieses Jahr auch wieder toll.

Da die Sonne scheint und immer noch ein leichter Wind geht, fühlen wir uns einigermaßen sicher vor Midges. Gleich nachdem wir den Todesstern einrangiert haben starten wir zu einer 2-stündigen Wanderung ins Moor. Wir sehen einiges an Midges aber sie lassen uns in Ruhe, nur hin und wieder müssen wir eine Bremse abwehren. Der Wind wird immer weniger und uns qualmen regelrecht die Socken. Aber herrlich ist es hier. Wir machen Fotos hoch und quer, Panoramafotos und 360-Grad-Videos, aber nichts davon gibt auch nur im Ansatz wieder, wie das hier ist.

Wir sind natürlich brav und bleiben auf dem schmalen Pfad, den sie hier durchgebaut haben, damit Wanderer sicher sind und die Schönheit des Moors mit den dunklen Cuillins dahinter genießen können.

Die vorwitzige Murmel unternimmt natürlich Ausfälle nach rechts und links, kommt auch regelmäßig mit schwarzen morastigen Beinchen zurück und wird regelmäßig von winzigen aufgeregten Vögeln begleitet, die sie da wohl geärgert hat. Also verhaften wir sie und legen sie an die Flexi-Leine. The queen is not amused:

Nun erholen wir uns beim Fünf-Uhr-Tee und schauen zu, wie der Platz hier voll wird. Als wir ankamen sah es noch so aus:

Aber es trudeln immer mehr Leute ein und in zwei Stunden bekommen wir die Tür wahrscheinlich nicht mehr auf. Wir beschließen, die nächsten zwei Tage lieber wild zu stehen.

 

 

 

 

Sonntag, 16.07.2017

Vollsperrung

Der Regen macht eine Pause und wir machen sauber. Geduscht, den Todesstern ausgefegt und den Hund gebürstet. Am Ben Nevis existiert seit heute ein kleiner Strand, soviel Sand haben wir dagelassen. Zwei bis drei kleinere Welpen können sie sich auch noch häkeln aus den ausrangierten Hundehaaren. Das Wetter ist ok, bisschen kühl, bisschen windig, ein paar Schauer, alles annehmbar dosiert und auszuhalten.

Der Ben macht uns - wie immer - einen Strich durch die Rechnung, auf dem Gipfel ist es neblig und regnerisch und die Sicht ist bescheiden, so dass sich der Aufstieg wegen der Aussicht nicht lohnt. Zudem sehen wir den ganzen Vormittag den Rettungshubschrauber kreisen, das spricht nicht für tolles Kletterwetter, erst letzte Woche ist hier jemand zu Tode gestürzt.

Marion hat die Oarkneys von der Reiseroute gestrichen. Nachdem wir gestern bei der Auffahrt auf die Fähre arg aufgesetzt sind und die Abfahrt nur bewältigen konnten, weil die Fährschiffer riesige Keile unter unsere Hinterräder legten, ist sie nicht mehr so scharf auf weitere Bootstouren. Außerdem ist das der einer der ganz wenigen weißen Flecke auf unserer inneren Schottlandkarte, und den heben wir uns für eine andere Tour auf.

Hier nochmal ein Bild von dem Seelenverkäufer. Wir standen dann HINTER dem rechten Wohnmobil und hinter uns quetschten sie noch ein Auto. Kein Wunder, dass sie Mühe hatten abzuschließen 😂

Ich denke, dass ich das mal als eigene Tour plane mit dem Bulli, der ist für enge winklige Rumpelpisten besser aufgestellt als der arme Todesstern. Der hat heute morgen eine halbe Flasche WD40 in alle Scharniere bekommen. Nach 3 Tagen Rappelstrassen klang jede Schrankklappe nach HuiBuh dem Schlossgespenst.

So machen wir uns auf nach Skye. Dahin gibt es untenrum zwar auch nur einen Fähre, aber obenrum eine Brücke.

Auf dem Weg überholt uns eine Ambulanz mit Blaulicht.
Kurz darauf kommt der Verkehr zum Erliegen. Direkt vor uns in der nächsten Kurve - gerade knapp außer Sicht - muss etwas wirklich schlimmes passiert sein. In kurzer Folge kommen drei weitere Rettungsdienstfahrzeuge, zwei Polizeiautos und zwei große Feuerwehrwagen an. Über uns kreist ein Hubschrauber.

Nach ca. 20 Minuten wenden einige Autos vor und und fahren zurück. Wir können das nicht und harren aus, in Gedanken bei den armen Leuten, die da wohl verunfallt sind. Die chinesische Familie vor uns macht derweil ungerührt Selfies, lässig und strahlend an ihren gemieteten BMW gelehnt.

Eine Stunde später sind die meisten Autos weg, wir können erstens nicht wenden und zweitens ist diese Straße die einzige Verbindung zwischen da wo wir herkommen und da wo wir hinwollen. So isses eben in den Highlands.
Wir laufen natürlich NICHT nach vorne um zu gaffen, wie eine ganze Ladung Touristen aus dem Bus hinter uns.

Wir betrachten also 2,5 Stunden lang das hier:

Wie sich später zeigt, ist ein 16-sitziger Minibus auf die Seite gekippt. Nach weiteren anderthalb Stunden ist soweit aufgeräumt und die Insassen des Busses abtransportiert und wir dürfen dass auf der Seite liegende Gefährt passieren. Bedauerlicherweise waren die 2,5 Stunden im Tal die einzigen Sonnenstunden dieses Tages.
Also im Regen durch die Kintails.

Es ist richtiges Trübe-Tassen-Wetter, entsprechend ist die Stimmung eher so mittel, aber die Gegend ist auch bei Schietwetter beeindruckend.

In einer Regenpause machen wir an einem Loch halt und entdecken Flora und Fauna. Unter anderem entdecken wir schottische Baumwolle, genannt "common cotton"

und fleischfressende Pflanzen, eine Sonnentau-Art, bewundern vom Moor gebleichte Baumwurzeln, die aussehen wie Knochen und nicht weiter identifizierbare sehr große Vögel, die wir kurzerhand zu Adlern befördern:

Jemand hat uns Grüße hinterlassen:

und Besuch bekommen wir auch noch, der Todesstern sieht aus, als würde er sich fürchten, also beenden wir den Rundgang.

Wir düsen weiter, die Straße ist jetzt gut, aber es kommt heftiger WInd auf. Daher verkneifen wir uns die Skye Bridge und fahren zu der kleinen Campingwiese am Eilean Donan Castle.

Dort besuchen uns am Abend einige Kollegen von Marion, die mit Freunden und zwei Wohnmobilen in der Nähe waren und wir verbringen einen netten Abend gemeinsam. Der WInd wird immer stärker und ich behaupte, er würde die Wolken vertreiben. Nach 3 Whisky verkünde ich vollmundig und von Amts wegen schönstes Wetter für morgen. Schaunmermal.

Samstag, 15.07.2017

Awe

Da es nun seit 30 Stunden richtig regnet (also so richtig) können wir 50 Meter neben unserem Übernachtungsplatz am Morgen einen amtlichen Wasserfall bestaunen. Murmel ist nass geworden und daher beleidigt.

Über Tobermory gibt es nicht viel zu sagen,wir sind beim Rundgang bis auf die Haut durchnässt worden, irgendwie haben wir auch die Nase voll von Mull und dem ganzen Farn, hier also noch ein paar pflichtschuldige Bilder von der Destille, den bunten Häuschen am Hafen und der Fähre, die uns von hier wegbringt. Ein Highlight war der Anblick von Schuhen, die jemand in den Dyson Händetrockner im Toilettenhäuschen am Hafen gesteckt hatte um sie zu trocknen.

Die Fähre war sehr spassig. Strafverschärfend kam zu dem Regen noch ein ordentlicher Wind hinzu. Die Fähre war winzig und wir wurden zweimal gebeten, doch noch einen winzigen Zentimeter nach vorne zu rücken, so dass sie mit Mühe und Not die Heckklappe zubekamen. Man durfte im Wohnmobil sitzen bleiben, allerdings trugen wir ob des Seegangs einen spontanen Seefestigkeits-Wettbewerb aus.  Das Gestampfe und Geschaukel der Fähre übertrug sich über die Federn des Todessterns, so dass der immer nach rechts wankte, wenn das Schiff sich nach links neigte. Ich sag mal so, Marion wurde stolzer zweiter Sieger :-) Ich habe ein Video davon gemacht und bestimmt finde ich noch raus, wie man das hier hochlädt.

Dann Ankunft in Ardnamurchan, der westlichste Punkt des Mainlands, also dass, was die Briten Festland nennen, hier gibt es ein Schild, dass auf diese erstaunliche Tatsache hinweist und ein Klo. Das verschwommene im Nebel ist unsere Fähre.

Und dann fahren wir durchs Auenland. Leider müssen wir berichten, dass das Auenland kurz nach seiner Befreiung abgesoffen ist und zwar gründlich. Eine kahle Gang hält noch stand, aber sonst begegnen wir auf 50 km single track quasi niemandem mehr.

Die Wasserfälle, in denen sich das Regenwasser von den Felsen sammelt sind so mächtig, wie ich sie hier noch nie gesehen habe, die Fotos geben das leider nicht so her. An den Felsen entlang der schmalen Straße rauscht es nur so herunter und manchmal auch darüber hinweg. Die Fahrt ist spannend.

Die Straßen sind so schmal, dass es sich anfühlt als würde man mit dem Todesstern auf einem Schwebebalken balancieren, nur dass der Balken auch noch nass ist und ständig Schafe im Weg sind. Auf dem zweiten Bild sieht man einen passing place, nur an diesen passen zwei Fahrzeuge aneinander vorbei. Die Destille, die irgendwer 2013 gegründet hat, hat NATÜRLICH heute geschlossen.

In the middle of nowhere entdecken wir noch ein Schlößchen, das aber privat ist und eine hübsche Insel, bei schönem Wetter ist die Gegend atemberaubend, bei dem Sturzregen eher anstrengend.

Daher blieb uns nichts anderes übrig als schnurstracks in den Glen Nevis zu flüchten und dort umgehende lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten.

Das mit der Überschrift erkläre ich später. LTE juchhe und Prost!

 

Freitag, 14.07.2017

My Baby wants Farn, Farn, Farn

Heute haben wir einiges unternommen. Zunächst sind wir schon wieder Boot gefahren, diesmal ohne Wohnmobil auf die Insel Iona. Diese Insel zu sehen war ein lange gehegter Wunsch von Marion, die sich im Mittelalter gut auskennt. Ich habe mir nicht alles gemerkt, daher hier die Kurzfassung, untermalt mit Fotos von Gräbern:


Auf dieser Insel vor der Insel Mull wurde im Jahr 563 die Iona Abbey gegründet, von einem irischen Herrn namens Columba, der später heiliggesprochen wurde. Er christianiserte von Iona aus mit nur zwei Kumpeln fast ganz Schottland und das so gründlich, dass Iona zu einem mittelalterlichen Hot Spot für alle christlichen Schotten wurde. Es wurde an- und an- und umgebaut, um den vielen Pilgern gerecht zu werden. Dann wurde einige hundert Jahre lang einigermaßen abwechselnd alles von Wikingern plattgemacht oder schottische und irische Könige begraben. Insgesamt 48 Stück.

Zwischendrin wurde das "Book of Kell" geschrieben, eigentlich die erste Bibel, auf höchstem buchmalerischen Niveau. Davon konnten wir uns leider nicht überzeugen, da dieses Buch wegen der vielen Wikinger-Überfälle irgendwann nach Irland in Sicherheit gebracht wurde.

Das war der kulturell wertvolle Teil des Tages, ich frotzele nur aus Gewohnheit, es war wirklich interessant. Und Artischocken wachsen hier auch (wie mir gesagt wurde, sind das auch nur Disteln) und der Strand auf dieser Seite ist Gang-Land.


Nach der Rückkehr zu Schiff haben wir noch Quatsch am Strand gemacht, Felsen gespalten und sowas, Ihr kennt das ja.


Wir machten uns auf in Richtung Nord-Mull, diesmal 75 Kilometer single track. Nach nur einem Regentag haben sich in den Bergen Wasserfälle gefüllt, die gestern noch leer waren, ein Super-Anblick aber es ist zu diesig zum Fotografieren. Auffällig ist die Explosion von Farn um uns herum. Meterhoch steht das Zeug, von den Kühen sieht man nur die Rücken. Bei uns sieht man das nur im Wald, hier erstrecken sich Farnhaine rechts und links der Straße über hunderte von Metern.


Auf halber Strecke fangen unser beider Handys plötzlich an zu bimmeln und rappeln und vibrieren und alle Töne von sich zu geben, die sie können. Anscheinend hatten wir für ein paar Sekunden Netz so daß alle Mails, Whattsapps, SMS und Sprachnachrichten der letzten 36 Stunden gleichzeitig empfangen wurden.
Nun sind wir in der Nähe von Tobermory. Wir haben einen kurzen Abstecher in den Ort gemacht, aber die Tobermorinesen und Tobermorinetten verbieten dort das Übernachten auf den Parkplätzen, so daß wir uns in den Wald zurückgezogen haben wie einst die Wikinger. Morgen greifen wir an.

Erwähnte ich bereits, dass es regnet?

Donnerstag, 13.07.2017

Achtung Otter!


Wegen dem Netz auf Mull (also da gibt es keins) mit Verspätung unsere Erlebnisse dort:


Wir sind nach Oban gefahren. Da war ich schonmal und fand es doof.
FInde ich immer noch. Ein paar lustige Sachen gab es immerhin. So haben sie eine hübsche Destille mit leider nur mittelgutem Whisky  und ein völlig deplaziertes Kollosseum. Das hat 1897 ein Schotte bauen lassen, der Rom sehr mochte und das tatsächlich als ABM-Massnahme gedacht war. Am besten gefiel mir der Name des Tattoo-Studios.
Ich habe endlich einen Quaiche erstanden, das habe ich seit drei Reisen vor, und ich habe schon ein Super-Duper-Geburtstagsgeschenk für Nina gefunden ;-)


Planerisch verantwortungsvoll haben wir für 4 Tage Vorräte im Tesco eingekauft. Eigentlich waren wir nur hungrig einkaufen, soll man ja nicht, aber wie sich zeigen sollte war das eine hervorragende Idee.
Dann hatten wir genug von Oban und haben uns auf einer Fähre nach Mull eingeschifft. Dabei entdeckten wir den einsamsten Arbeitsplatz Europas, ein düsteres Schloss im tiefhängenden Nebel und amüsierten uns königlich über die 25 Scheibenwischer des Kapitäns, von denen sich keine zwei gleichzeitig bewegten.


Im Hafen von Craignure legten wir an und mehr ist über den Ort Craignure beim allerbesten Willen nicht zu erzählen. Dann ging es über Holterdipolter Single Tracks über die Insel Mull. Ganz anders als Skye, zu Beginn der Route sehr bewaldet, dann "highlandisch" aber in grellgrün. Wir freuten uns auf Begegnungen mit der Tierwelt, als wir dieses Schild sahen:



Die Otter auf Mull sind erstaunlich groß und auch erstaunlich stur:



Gefährliche Straßengangs sind wir in Schottland ja gewohnt, aber diese hier haben uns dann doch überrascht. Die rivalisierende East Side Gang haben wir später noch getroffen.



Unseren Stellplatz für die Nacht fanden wir auf der Fidden Farm in Fionnphort (FiFaFiFo) ganz im Süden von Mull. Türkises Wasser, Sandstrand, der Himmel riss auf, Karibik anyone?


Voll war es auch nicht und so hätten wir eine ruhige Nacht gehabt, wenn das doofe Sturm- und Regenband vom Atlantik uns nicht doch noch erwischt hätte. Aber wir hatten genug zu essen (hurra!) und zu trinken (doppelhurra!) und haben uns gemütlich in unserem riesigen weißen Kokon eingesponnen.

Mittwoch, 12.07.2017

Fjorde über Fjorde

Nach einer herrlichen Nacht am Fjord machten wir noch einen kleinen Strandspaziergang, Murmel fand aber seltsam, dass ich immerzu Muscheln, Schnecken und Seeigel fotografieren wollte und latschte dauernd ins Bild. Hier also ein Bild von Muscheln, Schnecken und Seeigeln:

 

Wir unternahmen eine Ausfahrt nach Greenock zu einem Kiltverleiher, der sehr günstige "Ex Hire Kilts"  verkauft. Unsere Miniband (Marion und ich) hat sich für einen "Bruce Modern" Tartan entschieden in einer ausgesprochen fröhlichen Farbkombination: lebensbejahendes Dunkelschwarz, frisches Frühlingsgrau und heiteres Ochsenblutrot sollten unser sonniges Gemüt hinlänglich widerspiegeln.

Da wir hier ganz nah an Glasgow sind verstehen wir niemanden. Ich verstehe das Englisch praktisch aller Schotten sehr gut mittlerweile, aber dieser Akzent hier...auf dem Parkplatz sprach uns ein Mann an und ich habe nichtmal herausgefunden, ober uns etwas fragte oder etwas sagte.

Im Ortsteil Glasgower Hafen stehen Geräte rum die aussehen wie irgendwas aus Star Wars:

Das war dann auch genug Industrialisierung für uns und wir bahnten uns den Weg entlang des Loch Lomond

mit Zwischenstopp an unserem geliebten Real Food Cafe in Tyndrum (ja, für den Gratiskaffee haben wir die Becher 1.500 km weit aus Deutschland mitgebracht)

grüner Hügel

und das Loch Awe

bis zu dieser spektakulären Brücke

und rauf nach Ledaig in der Nähe von Oban. Von dort geht morgen die Fähre nach Isle of Mull. Das ist für uns beide Neuland und wir freuen uns schon sehr. Der Stellplatz für heute ist natürlich wieder gigantisch.

Der kleine Punkt links ist Marion, der kleine rechts Murmel.

Blick nach rechts:

Blick nach links

Landschaftsgestaltung ist Typsache ;-)

Jetzt warten wir auf den Sonnenuntergang, der wird bestimmt "voll ramontisch", gelle Lutz?


Aber den wird Madame wohl verschlafen. In diesem Sinne gute Nacht.

 

Dienstag, 11.07.2017

eine gute Routenplanung ist alles

Nach dem Stadtbummel in York wollten wir den Abend am Meer verbringen. Also manövrierte Marion den Todesstern todesmutig durch das Fylingdales Moor an die Küste.

In einer hübschen Bucht bei Whitby beschlossen wir den Tag mit Cider. Da ich dem Alkohol abgeschworen habe, wählte ich einen mit Namen Hand Brake der im Dunkeln leuchten konnte aber nur 4% Alkohol enthielt. Das zählt nämlich nach britischer Meinung nicht.

Murmel kundschaftete aus und brach dann zusammen, hatte wohl zu viele Pommes in York von der Strasse gestaubsaugt. Morgens noch einen kleinen Spaziergang bei Ebbe und zurück auf die Bahn, schließlich sind wir auf dem Weg nach Schottland.  

Gut organisiert und planerisch verantwortungsvoll fuhren wir also statt durchs schöne Northumberland nach Edinburgh "och zu voll, zu viele Touris" oder über die schnelle Autobahn via Glasgow "doofe Autobahn, hässliche Gegend" (beides wären logische Routen gewesen) völlig sinnfrei vom äußeren Osten Englands in den äußeren Westen Schottlands und dabei noch reichlich nordwärts unter Vermeidung von Autobahnen. Je nun.

Immerhin sahen wir Kühe und Schafe und Mäuerchen und Wiesen und so. Und wir machten Halt im Kharma-Lama-Kafe. Das heisst wirklich so und im Garten hinter dem Café stehen zwei Lamas.

Und dann endlich das lang ersehnte Fáilte gu Alba.

Ok, hier sieht es noch immer aus wie in Nordengland und wir setzten auch die kopflose Routenplanung konsequent fort. Wir stehen jetzt quasi in einer Sackgasse namens Gourock, aus der wir uns morgen erstmal wieder rausfummeln müssen, dafür aber mit Blick aufs Meer und die Insel Arran darin. Und Cider haben wir auch noch.

Montag, 10.07.2017

York

Gestern haben wir einen geradezu südländischen Abend genossen, es war richtig heiss und wir haben Wein getrunken. Ziemlich viel Wein. Als ich ins dozieren kam ("ISCHLIEBEEUSCHALLE. Also fasdalle. Einige. Mansch...hicks...mal") hat Marion mich ins Bett geschickt. So gegen halb neun. Teufel Alkohol aber auch.

Heute morgen hat mich dann ein Ire angesprochen, der mit seiner 40 Jahre alten BMW im Sherwood Forest unterwegs war und in unserer Nähe gezeltet hat. Wir kamen ins Plaudern und er schenkte mit erst zwei kleine Flaschen Whisky (I have plenty of'em) aus seine rechten Satteltasche und dann gab er mir seinen selbstgebrannten Poitìn (englisch Poteen) zu probieren aus seiner linken Satteltasche. Jesses, wie lecker. Das ist quasi der Whisky den es gab, bevor es Whisky gab. Köstlich. Sogar morgens um halb neun. Mein Niedergang ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Ausserdem malte er mir auf einem Bierdeckel aus seiner Jackentasche verschiedene Orte auf, die ich mir in Irland angucken soll. Aus seinen Hosentaschen kramte er dann Visitenkarten von seinen Lieblingspubs, falls ich nach Irland käme. Und als ich erwähnte, dass ich erst noch nach Wales wolle, fand er auch hierzu noch eine Visitenkarte mit einer Empfehlung. Ich solle von Sean grüßen, aber möglicherweise kennen Sie ihn da nur als "Dunlop".

Das hier ist zwar nicht die Eiche von Robin Hood aber immerhin eine Eiche und sie hängt pittoresk über den Bach.

Murmel würdigte es auf ihre Weise:


York war diesmal ausnahmsweise geöffnet. Also flugs den Todesstern auf einem Park+Ride abgestellt und den Bus genommen. Riesige Kathedrale und winzige Häuschen mit witzigen Geschäften. Unter anderem den hier:

Der ultimative Harry Potter Devotionalien-Shop. Darin Zauberstäbe und Quidditch-Besen in Originalgrösse, davor eine Schlange von 50 Leuten, hauptsächlich Japaner unter 18.

Kleine Gässchen, also wirklich kleine:

Einen wirklich amtlichen Gin-Laden, in den Fenstern findet man keine zwei gleichen Flaschen:

und eine winzige aber bildschöne Brauerei, leider war ich noch etwas verkatert, daher habe ich mich nur über das Schild im Fenster gefreut:

 

Samstag, 08.07.2017

Anreise

Na ja, Anreisetage sind immer öde, immerhin haben wir es in der Rekordzeit von 5 Stunden nach Dünkirchen geschafft und dabei unendlich geschwitzt und gejammert, dass wir die Hitze nicht mehr ertragen können und blablabla. Sollte ich in einer Woche jammern, dass es in den Highlands kalt ist, lese ich hier nochmal nach... Weil wir so früh ankamen gab's noch einen Strandspaziergang.

Unser LKW Platz vom letzten Jahr war geschlossen, dafür haben wir einen noch viel besseren Platz direkt vor der Schranke gefunden. Dann "wecken" um 4:30 Uhr. Ja, Nina: vier Uhr dreißig. Ich habe immerhin meine Hose richtig rum angezogen und niemanden umgebracht, dass verbuche ich mal als Erfolg. Geholfen hat auch der angereichte Kaffee im Willkommensgeschenk von Marion.

Zum Glück wurden wir als letzte auf das Schiff gelassen, so konnten wir noch mein Hemd von links auf rechts drehen und diesmal richtig zuknöpfen und sogar Zähne habe ich geputzt ohne mich allzuschwer zu verletzen. Um diese frühe Zeit wirkte die Fähre wie ein Lazarettschiff. Überall lagen die Leute mit ihrem Bettzeug auf dem Boden und schliefen. Viele, die sich immerhin schon bewegten, waren in Decken gewickelt und das Accessoire der Saison ist offensichtlich ein Kopfkissen mit Blümchenbezug, vor dem Bauch getragen und fest umarmt. Praktisch alle trugen Jogginghosen.

Dann Dover, Kreidefelsen, Linksverkehr, alles wie immer.

Um London rum ging es supergut, so dass wir bis Nottingham gekommen sind. Aufgrund schwerster Müdigkeit sind wir mit letzter Kraft in den Sherwood Forest gerollt und haben den Tag um 14:00 Uhr für beendet erklärt.

Neu waren in den Ortschaften abseits der Autobahn so Geschwindigkeitsmess-Dingsis, bei uns haben die fröhliche und traurige leuchtende Smileys.

Hier ist es so: Wenn man etwas zu schnell ankommt steht da "Slow down". In gelb. Wenn man das tut erscheint "Thank You" in grün. Marion war nicht bereit meine Theorie zu testen, ob da - wenn man statt zu bremsen richtig Gas gibt "Fuck You" in rot erscheint.

Und übrigens: Hier ist es immer noch zu heiss, aber es gibt immerhin Wolken.

Hier die Einfahrt zum Sherwood Forest:

Wer lieber mit dem Flugzeug anreisen will, landet dann hier:

 

Sonntag, 14.08.2016

Unter Beschuss

Morgens wecken uns Geräusche. Metallisches Scheppern und Geschaffe. Kurze Schreckensvision: Painswick baut seinen sonntäglichen Markt rund um uns auf und wir kommen nie mehr weg? Aber nein, Es gibt ein Toilettenhäuschen gegenüber. Um 7:30 Uhr am Sonntagmorgen (!) erscheint ein Trupp in Arbeitsanzügen und reinigt das Ding komplett und sehr gründlich. Dann grüßen Sie nett und verziehen sich. Na prima! Die Mutter mit Kind Abteilung ist niedlich, neben dem Wickeltisch stehen zwei Kloschüsseln, einen große eine kleine, zwei Waschbecken an der Wand, eins hoch eins niedrig, sogar zwei Spiegel gibt es in Mutter- und in Kinderhöhe, Seifenspender, Klopapier und Papierhandtücher sind aufgefüllt, alles ist blitzsauber. Hach, England! Wir wundern uns etwas, nehmen den Service aber nur zu gerne an. Später verstehen wir: Hier treffen sich um 10:00 Uhr viele viele ältere Herrschaften, die gemeinsam wandern gehen. Sie sind alle perfekt ausgestattet mit Bergschuhen, Rucksäcken mit Trinksystemen, Funkgeräten, Wanderstöcken, Cargohosen und Wanderhüten. Sie sehen sportlich und braungebrannt aus, offensichtlich machen sie das regelmäßig und für sie ist der Service. Wir grüßen nett und frühstücken.

Die restliche Fahrt durch die Cotswolds ist nett, auf einem Schild im Wald steht "Tough Mudder". Das hätte ich gerne geklaut und an mein Auto montiert. Aber anscheinend ist das gar nicht mein wirklicher Name sondern eine merkwürdige Sportart, bei der man einen Parcours bewältigen muss, ähnlich denen, auf denen Spezialeinheiten der Fremdenlegion ausgebildet werden. Zumindest stelle ich mir das so vor.

Kent ist zum Sterben langweilig. Boah, wie Niedersachsen, schnarch. Immerhin nur ein kurzer Stau, das Wetter ist schön, unsere Fenster offen. Da hören wir Schüsse links im Wald. Ähm, Schüsse? Wir spicken durch die Bäume und sehen ein Luftgewehr-Trainingslager durch das linke Fenster! Aus dem rechten Fenster sehen wir bizarrerweise einen Golfplatz. Bevor wir ins Kreuzfeuer geraten können, geht es zum Glück weiter!

Murmel in entspannter Reiseposition ist das wie immer alles egal.



Bald sind wir in Folkestone, wir nehmen heute nochmal einen Campingplatz damit wir geduscht zu Hause ankommen. 

Außerdem wollten wir heute mal unsere Sachen zusammensuchen und auseinanderdividieren, da hat sich während unserer Beutezüge einiges angesammelt, in der Heckgarage, in den Schränken, in und unter dem Bett...das wird bestimmt eine erfreuliche Schatzsuche, bei der wir einiges finden, von dem wir nichts mehr wussten, sollten höchstens zwei bis drei Ikeatüten pro Person werden.

Ich bin gut vorbereitet, mein Geburtstag liegt ja 2 Tage nach dem Burn's Day, dieses Mal wird der ORDNUNGSGEMÄSS begangen. Mit Pipe und Gedicht und Haggis und Whisky. Das das klar ist! Wenn ich gute Laune habe, mache ich einen vegetarischen Haggis für Weicheier ;-) Oder Ihr fangt schon jetzt an, Euch Ausreden auszudenken. 

Und dann sind wir runter von der doofen Autobahn und verbringen einen herrlichen Nachmittag am Strand. Der WEg runter war mit dem Todesstern etwas abenteuerlich, wir haben ordentlich die Brombeersträucher dezimiert.




Murmel badet und taucht und ist begeistert. Es ist richtig heiß in der Sonne, leichte Brise, England stellt nochmal das hübsche Füßchen vor, damit wir bestimmt wiederkommen.


Wir wandern unterhalb der Kreidefelsen bestimmt einige Stunden, bis Murmel vor lauter Salz und Sand abstehende Ohren bekommen hat.


Das grüne ist nicht etwa Rasen sondern getrockneter Tang, scheint lecker zu sein, denn ab und zu grast sie.


Gerade jetzt stehen wir am Fährhafen, wir haben wie immer Glück und dürfen früher übersetzen als gebucht, besonders Murmel freut das, der isses in England viel zu warm.


Also machen wir brav die Jalousien runter und bekommen als Dank ein sonores Schnarchen bei dem die Scheiben klirren. Ernsthaft, die klingt wie ein besoffener Holzfäller:

Samstag, 13.08.2016

Bille-bille-bille-buff!

Gestern dann die Dusche in Flusko. Super heiss. Wir sahen aus wie Krebse. Vielleicht lag es auch daran, dass es wohl das Sondermodell "Sportdusche Flusko" war. Die Bewegungsmelder waren so doof angebracht, dass man in kurzen Abständen linksrum aus der Dusche rennen und winken musste, danach hochhüpfen und nach oben winken, immer abwechselnd und dabei alle 10 Sekunden den Wasserknopf drücken, damit der heisse Strom nicht versiegt. Hier wird es deutlich früher dunkel, halb zehn war es finster, auf den Inseln erst lange nach elf.

Dann eine entspannte Tour durch den Lake District, on the Road again, heute wollen wir 400 km schaffen. Die Gegend ist toll. Untenrum "Der Doktor und das liebe Vieh", falls das noch wer kennt, obenrum "somehow highlandish".

 

Die Wolken hängen  verdammt tief, aber es reisst immer mehr auf und wir bekommen bestes Wetter.


In Glasgow ist heute das Finale der Grad 1 Bands, die besten Pipe Bands der Welts kämpfen dort im Finale um den Weltmeistertitel. Wir haben Glück, das Internet ist nicht so highlandish und wir verfolgen begeistert den Livestream auf BBC. Dabei fühlen wir uns nicht mehr ganz so virtuos wie gestern, mehr so, als sollten wir die Pipes besser an den Nagel hängen, weil wir nicht würdig sind.

Der kühne Plan für heute: die Cotswold Hills. Das soll eine sehr schöne Gegend sein, alle reichen und berühmten Londoner haben da Wochenendhäuschen, London ist nur eine gute Stunde entfernt. Bis dahin umkurven wir Liverpool und durchqueren Birmingham. Damit uns die Zeit nicht lang wird, üben wir die Aussprache von Cotswold, enden aber immer damit, uns gegenseitig interessante Kotz- und Brechgeräusche vorzumachen. Aber die M6 und später M5 tragen auch einiges zur Unterhaltung bei.

Zuerst überholt uns ein Aston Martin mit Roooooooaaaarrrrr.... später sehen wir ihn am Seitenstreifen stehen und irgendwas am Motor checken. The Klonk of Death? Mächtig grosses Badabumm? Wir wissen es nicht. 10 Minuten später hat er es anscheinend repariert und verschwindet mit einem gut sichtbaren Kondensstreifen am Horizont. Wir sind schwer beeindruckt. Wahrscheinlich hat er es eilig in die Kotzworld Cotswolds zu kommen.

Dann sind wir noch beeindruckter, als uns ein Einfamilienhaus überholt. Mit Schwung.


Als wir fertig sind mit hyperventilieren  und "uiuiuiuiui" brüllen, sehen wir am Strassenrand zwei Autos stehen, ein Range Rover Evoque ist einem Lotus hintendrauf gefahren. Hej iss watt loss...

In Worcester (ausgesprochen Wuhster) machen wir Pause. 22 Grad, wir gehen fast kaputt. Das sind wir nicht gewöhnt. Die M+S Foodhall ist klimatisiert. "Komm wir holen uns ein leckeres Sandwich" sagten wir. Eine halbe Stunde später verlassen wir den Laden, bepackt mit Sandwiches in den ausgefallensten  Variationen, Granatapfelkernen, Smoothies, Clotted-Cream-Reispudding, Farfalle-Spinat-Parmesan-Pinienkern-Salat, Dosen mit Millionairs Bits und Käsekuchen. Hmpf. Panikartige Hamsterkäufe? Kein Wunder, ist doch hier der blöde Minisupermarkt an der doofen Autobahn besser sortiert als bei uns die Feinkostläden. Wir sitzen am Tisch, mampfen als gäbe es kein Morgen und gucken Pipe Bands.

In Gloucester (Gloster) fahren wir raus. Auf der Landstrasse durch die Hills sieht es aus, wie man sich Mittelengland vorstellt. 



Wir stoppen in Painswick, das einzige Dorf hier, dass sich der Gentrifizierung durch die Schönen und Reichen erfolgreich wiedersetzt hat, ein bisschen wie bei Asterix. Wir erfahren, dass in manch anderen Orten Busladungen von Autogrammjägern und Hobbypaparazzi abgeladen werden, die versuchen Kate Winslet, Katie Perry und Konsorten zu erwischen. Was sind wir froh, dass wir das verpassen, unser Übernachtungsplatz ist auf dem Parkplatz des Friedhofs und ein bisschen schief.

1A gerade, kannst so stehen bleiben!

Die runden Hackbällchen von gestern können wir heute nicht essen, die rollen vom Tisch, bille-bille-bille-buff macht das und dann hat sie der Hund.

Aber Mannomann was für ein Friedhof, viele Gräber sind von 1750 so rum, viele wahrschinlich älter, aber man kann die Inschriften nicht mehr lesen. Erst wollen wir Murmel draussen lassen, bis sich herausstellt, dass das d e Hundewiese von Painswick ist, mit Kotbeutelspender und allem. 





Das das Wetter super ist, durchwandern wir den ganzen Ort. Gartenfreunde würden sich hier tot fotografieren, wir haben es damit nicht so werden alle paar Meter freundlich gegrüsst von den Painswickern, die offensichtlich ALLE und IMMER am Samstag ihre Buchsbäumchen trimmen. Eine Woche rund, eine Woche eckig? Ein paar Impressionen, dann gibt es Abendessen, morgen müssen wir spätestens am Abend Nähe Dover sein, damit es übermorgen keinen Stress mit der Fähre gibt.

Freitag, 12.08.2016

Devil's Porridge

Eigentlich sah unser Übernachtungsplatz aus wie ein sackgassiger Parkplatz, als er sich am Abend leerte, gingen wir von völliger Abgeschiedenheit aus. Wie sich zeigte, ist dieser Platz der Wendehammer für das komplette Dorf und 3 angrenzende Counties, oder aber die Dingenskirchener sind traurig, dass sie das einzige Dorf im County sind, das keinen Roundabout hat. Jedenfalls kam stundenlang alle paar Minuten ein Auto, umkurvte schnittig den Parkplatz und verschwand wieder in der Dunkelheit. 
Dank diesem Kumpel hatten wir aber die nötige Bettschwere und konnten es prima ignorieren. 

Und unser ganz leichtes Diätabendessen tät sein übriges dazu!


Kann man den Alibi-Kohlrabi erkennen? Das weisse neben dem Käse...

York war mal wieder geschlossen. Deshalb sind wir nach Süden gefahren und haben in Dumfries den Coop leergekauft. Schottische Vorräte anlegen für uns und die Bestellungen unserer Freunde abarbeiten.Porridge, Porridge mit Früchten, Porridge mit Zimt, Instant Porridge, Portionsporridge, und Porridgeporridge. Außerdem Irn Bru (da schüttelt es selbst mich, chemische Limo die wahrscheinlich im Dunkeln leuchtet, aber schottischer als Whisky), Haggis (palettenweise), Millionairs Cake (wegen der Diät und so), Shortbread (ich behaupte zwar, dass mein selbstgebackenes besser ist als das gekaufte, aber hach so hübsche Dosen), Snowballs (die halte ich auch für gruselig) und noch so ein paar Sachen, die verrate ich aber nicht.

Entzückt waren wir von diesem Schild, aber da wir sowieso schon die erlaubte Zuladung nur mit dem bereits gekauften Porridge überschreiten, haben wir uns das nicht näher angeguckt.

Die Fahrt durch Galloway ist nett, der letzte Rest schottischer Landschaft, dunkle Hügel im Hintergrund, fleckenweise kommt die Sonne durch, braune Galloway-Rinder lösen allmählich die Schafe ab, hunderte von Jahren alte Mäuerchen und Hecken teilen die Wiesen ein. Alles hübsch, aber nicht die Highlands. Wir hören eine Pipe-Cd von Gordon Duncan und sind uns einig, dass der ein ganz schöner Angeber ist, sind aber schwer neidisch. 



Grossartige Galloway-Rinder, fast verzehrfertig:


nicht zum Verzehr geeignet, aber genauso grossartig:


Weil wir uns noch nicht trennen können, besuchen wir das letzte Dorf vor der Grenze. Die Tourist-Trap-Hölle Gretna Green. Die Geschichte dazu ist nett, müsst Ihr bei Interesse aber selber googeln, und nach 2 Stunden konnten wir nicht mehr. Und auch wenn es vielleicht so aussieht: Nein, wir haben Murmel NICHT an der Riesendistel aufgehängt, nur angebunden.


Und dann war es soweit, wir waren raus. Keine hundert Meter hinter dem Schild haben wir beits wilde Pläne geschmiedet, was auf unser Must-Do-Liste Schottland noch nicht erledigt ist. Da wir damit noch nicht fertig sind, erzähle ich das später. Aber zunächst haben wir den zumindest in meinem Fall längst fälligen Ausritt in den Lake District unternommen. Wie sagte Sonja mal: Der Lake District teilt das Schicksal des Allgäus, wenn man in die Alpen fährt. Eigentlich eine wirklich tolle Gegend, jedoch auf dem Hinweg hat man dafür keine Zeit, weil man in die Highlands/Hochalpen will, auf dem Rückweg denkt man: Pöh! So schön wie die Highlands/Alpen kann das gar nicht sein.


Also diesmal sind wir reingefahren, nicht sehr weit, denn es gibt hier 325 Campsites, eine schöner als die nächste, und die Gegend die man von hier aus sieht macht Lust auf mehr. Kommt definitiv auf unsere Liste und ist bestimmt ein Tipp für diejenigen, denen Schottland klimatisch zu rauh ist. Das Wetter ist fantastisch, blauer Himmel, Seewind, angenehm warm. Wir wurden britisch-herzlich empfangen, es gibt fantastisch riesige quietschgrüne Wiesen "for the dogs", so sehen bei uns die Golfplätze nicht aus. Als wir fragten, wo wir denn pipen dürfen ohne allzusehr zu stören: "Pipes? Lovely, here in Front of the reception please!"

Das haben wir dann doch nicht gemacht, sondern sind zu den Hundewiesen gelaufen. Mann, was konnten wir mit den neuen Reeds toll spielen, sogar zweistimmig und - das betone ich ausdrücklich - mit Absicht und wohltönend! Nicht wie sonst unfreiwillig und schräg! Natürlich hatten wir alsbald Publikum, sie waren offensichtlich leicht zu beeindrucken, denn sie fanden uns genauso grossartig, wie wir selbst. 


Murmel widmete sich in stiller Meditation dem grossen Knochen aus Dumfries (Galloway-Rind selbstverständlich) und sang nur ab und zu ein paar Töne mit. 


Heute abend gibt es ganz frischen Fisch und ganz alten Whisky. Aber vorher wird geduscht. Ist nämlich eine Weile her, ich erspare Euch die Details...

Donnerstag, 11.08.2016

Doofer Dackel!

Tja, trotz Doppelnavigation von Uschi und Chantal (Bordnavi und Handy-Navi) haben wir uns verfranst.

Das war vielleicht eine Juckelei, das ging ewig so.


Dem Unterhaltungsmops war wie immer egal. Die hat nur mal Standbein und Spielbein gewechselt und ansonsten geschnarcht.



Nach gesperrtem Roundabout und riesigem Umweg haben wir erst den hier gefunden und uns schlapp gelacht:


Wir haben zwar schon einen Kerl gesucht, aber nicht irgendeinen mit einem Van sondern einen ganz speziellen. Und hier haben wir ihn gefunden:


Unseren neuen allerbesten Freund Gavin. Gavin hat nicht mehr alle Zähne im Mund und spricht einen selbst für mein geübtes Ohr unglaublich schwer zu verstehenden Dialekt. Aber er ist eine Seele von Mensch und ausserdem Reedmaker.

Der baut die Rohrblätter für Dudelsäcke, die uns das Leben so schwer machen. Entweder sind sie viel zu schwer zu spielen oder sie klingen schlecht oder beides. Wenn sie mal gut zu spielen sind und halbwegs vernünftig klingen, gehen sie kaputt.   Und jedes einzelne ist anders, man kann nicht eines aussuchen und dann immer wieder kaufen. Denn dazu müssen sie auch - wenn sie neu sind - eingespielt werden. Es ist ein Jammer mit den Dingern. In Deutschland muss man sie halt bestellen und das beste hoffen. Es geht die Mär, dass die Schotten, wenn sie Reeds machen, die guten behalten für ihre eigenen Bands, die nicht so dollen werden exportiert.

Gavin war grossartig, er hat sich 2 Stunden mit uns und unseren Pipes beschäftigt, uns vorspielen lassen, dann in seriner Werkstatt Reeds speziell für uns angefertigt, uns die spielen lassen, nachgearbeitet, wieder spielen lassen bis sie perfekt waren. Wir sind im Himmel! Ich wollte dann noch eine neue Übungströte und habe gefragt, ob es welche mit verzierten Ferrulen gibt. Welches Muster ich denn gerne hätte? Och, schottische Disteln finde ich schön. Er meinte, wir sollten eine Viertelstunde warten, dann würden sie schnell eine machen. Die Zeit haben wir gut rumbekommen, Noten gekauft, Cds ausgesucht, Dudelsäcke bestaunt mit goldenen Verzierungen. Und jetzt habe ich einen todschicken neuen Practise Chanter (diesmal einen grossen, die anderen haben mich immer ausgelacht mit meiner Kindertröte), auf der habe ich gleich im Laden geübt. 

Beim Bezahlen - die Reeds haben nur 9 Pfund das Stück gekostet, bei uns 18 € - hat uns Gavin noch reich beschenkt. Vielleicht hat er einen Narren an uns gefressen, denn es war ein sehr vergnüglicher Nachmittag und wir haben reichlich gelacht, jedenfalls bekamen wir T-Shirts, Kappen und dicke Bar-Towels geschenkt, das sind kleine dicke Handtücher, die benutzen wir um dem Kondenswasser Herr zu werden, das wir beim Üben so reichlich produzieren.

Jetzt stehen wir in...äh...Dingenskirchen/Südschottland auf dem Parkplatz des einmillionsten Robert Burns Museum, hoffen dass uns keiner verjagt, weil wir wollen fiese fettige schottische Schweinewürstchen in unser gieriges Maul stopfen.

Liebe Grüsse an unsere treuen Leser, morgen werden wir Schottland leider verlassen, ich bin aber sicher, dass wir in England auch noch was zu lachen haben werden! 


P.S. Der Dackel? Das erzähle ich, wenn mir auf der M6 im Dauerregen langweilig wird.

Donnerstag, 11.08.2016

Nachträge und Vorhaben

Gestern Abend haben wir uns ordentlich von diesem Kameraden trösten lassen:



Am Morgen danach dann Huch! Die Concorde ist zwar nicht aufgetaucht, hat aber Ihren Kumpel Escaper vorbeigeschickt um nach uns zu schauen. Diesmal haben wir uns getraut, ein Foto zu machen, bei der Concorde hatten wir Angst vor der wahrscheinlich 5-köpfigen Security-Mannschaft aus dem Bonzenmobil. 

 


Nach einer schönen morgendlichen Hunderunde sind wir auch ziemlich versöhnt mit dem Platz, man kann toll auf der zukünftigen Zeltwiese einen Hügel rauflaufen von dem man die Highlands noch am Horizont sieht. Der Besitzet ist richtig nett und bemüht, er schenkte uns frische Eier von seinen Hühnern. Und es gibt einen Sanitärwagen mit völlig korrekten neuen Klos und Duschen. 21 Pfund ist immer noch eine Menge, verglichen mit den 27 auf dem Deluxe-Platz oder den 24 auf den guten Plätzen. Wir haben uns mal vorgenommen, hier nächstes Jahr nochmal reinzuschauen und den Fortgang der Arbeiten zu begutachten.

Ansonsten: Das Wetter ist trocken und etwas windig, aber Wind können wir. Allerdings stehen jetzt an der Autobahn Schilder mit der aufbauenden Mitteilung: Heavy Rain Forecast. Es ist davon auszugehen, dass man sich in Schottland mit Regen auskennt. Und so ergeht der amtliche Beschluss: Wir verkneifen uns die Worlds (Weltmeisterschaft der Pipe-Spieler und Bands), die ab morgen in Glasgow stattfinden. Es ist Action, wir müssten weit außerhalb parken, mit dem Zug reinfahren, dann den ganzen Tag im strömenden Regen auf dem Green rumlatschen, und dann alles wieder retour. Schade ist es, aber es würde auch einen Haufen Geld kosten. 
Das Geld werden wir natürlich trotzdem ausgeben, allerdings bei der alternativen Indoor-Aktivität. Wir fahren nach Kilmarnock, dort sitzt McCallum Bagpipes. Die haben einen großen Showroom, man kann wohl den Pipemakern bei der Arbeit zusehen und sich mit Experten über unser zickiges Instrument fachsimpeln und jegliches Zubehör kaufen.
Und hier noch der versprochene Wasserfall

Mittwoch, 10.08.2016

Und dabei fing der Tag so gut an...

Nach einer sehr ruhigen wenn auch ziemlich kühlen Nacht (jaja, der Todesstern hat eine Heizung, aber im Schlafsack war es so gemütlich, da bin ich nicht freiwillig raus, um die Heizung anzumachen) sind wir erfrischt auf unserem Super-Duper-5-Sterne-Deluxe Campingplatz aufgewacht.Hier noch ein Bildchen von gestern Abend mit Sonnenuntergang obenrum und kickenden Engländern untenrum.


Dann haben wir eine kleine Platzrunde gedreht, dabei lustige Schilder fotografiert

und lustige Zelte


und lustige Kühe


bis Murmel müde war. Möglicherweise war sie aber auch groggy, weil sie während wir duschen waren, eine Tütensuppe durch den schmalen Schlitz im Schrank rausgefummelt, das Pulver gefressen und die Tütenschnippsel auf den Teppich geklebt hat. Den Teppich können wir jetzt zur Documenta schicken und Murmel ist seeeehr durstig.


Anschliessend sind wir raubrittermässig durch das House of Bruar gedonnert. Das ist so eine Art Highland-Shopping-Center, wo alles nur vom feinsten ist. Jede Klamotte ist aus Seide, Kaschmir, Tweed oder Hirschleder, alles sehr country-living-mässig. Der Hammer ist aber der riesige Feinkostladen. Das ist bei mir auf jeder Tour ein fest eingeplanter Stopp.
Ich würde Euch ja Fotos zeigen, von Fasanpasteten mit Orangenfilets, Wildpasteten mit Schwarzem-Johannisbeer_Chutney, Käse umwickelt mit Blättern vom wilden Knoblauch usw., die Sache ist nur... wir haben alles aufgegessen. Noch auf dem Parkplatz. Ähem. 
Dann hatten wir so figurmässig ein leicht schlechtes Gewissen und befanden Bewegung für nötig. Also sind wir zu den Bruar-Falls raufgeklettert, sehr schöne Wasserfälle, ein toller Lärchenwald, ganz hell. Leider gibt es auch davon kein Bild, weil ich die Kamera vergessen habe. Läuft also.

Nachdem wir die Pasteten so fein abtrainiert hatten, sind wir nochmal in den Laden, denn da gab es ja noch eine Whisky-Abteilung, in der man endlich probieren durfte. Also falls Ihr schonmal für unsere Weihnachtsgeschenke sparen wollt, hier unser absoluter Favorit:


Der Bursche ist 21 Jahre lang in einem Rumfass gereift, sensationell, der beste Whisky, den ich je probieren durfte. Leider 169 Pfund die Flasche, aber in Deutschland ist er viiiiel billiger wegen der hohen Steuern hier. 130 Euro sind wir Euch ja bestimmt wert?

Dann schnell raus - bevor wir schwach werden - und auf dem Parkplatz vor unserem Wohnmobil wie so eine Erscheinung (hier dramatische Musik vorstellen) DIE CONCORDE!!!!

Von der Concorde habe ich Euch noch gar nichts erzählt. Die Concorde ist ein Glamping-Wohnmobil gigantischen Ausmasses, wir sind schon meistens die grössten auf den Plätzen, aber die ist nochmal 2,5 Meter länger und höher. Schneeweiss und mit dem Schriftzug "Concorde". Weil sie aber noch nicht lang genug ist, zieht sie einen Anhänger, auf dem steht ein stealthbomberschwarzes Quad.

Im Cockpit ist alles cremefarbenes Leder und Wurzelholz. Die Sitze sehen aus wie riesige Massagesessel. Das alles durften wir bewundern, als wir in Skye am Hafen standen, brav in der Spur für die, die Ihre Fährplätze vorab reserviert hatten. Die Concorde stand in der Reihe für die Leute ohne Reservierung, uns wurde vorab gesagt, dass man schon sehr viel Glück braucht, um da noch mitgenommen zu werden. Der Fahrer sass mit umgedrehtem Massagesessel entspannt da und schaute Fernsehen. Und was soll ich Euch sagen? Den Sack haben sie als allererstes auf die Fähre gelassen!
Auf Harris angekommen sahen wir ihn wieder, er stand auf dem Parkplatz vor der Destillerie. Fernsehenderweise. Als wir nach 3 Tagen Rundreise mit Orkan wieder dort ankamen stand er da wieder. Oder immer noch? Wir haben uns dann neben ihn gestellt und alles für die Nacht parat gemacht. Ob ihn das gestört hat? Jedenfalls warf er nach 2 Stunden seinen Motor an und verschwand in der Nacht.
Das war alles sehr merkwürdig...und die Krönung ist, dass wir ihn heute - viele Meilen, Tage und verschlungene Wege südwärts auf dem riesigen Parkplatz in Bruar wieder gegenüberstehen hatten. Wahrscheinlich kauft er da immer sein Essen. Oder seine Frau Ihre Klamotten. Oder der Parkplatz gefällt ihm.
Dass man paranoid ist, heisst ja nicht, dass niemand hinter einem her ist, daher haben wir heute Abend den garantiert concorde-freiesten Campingplatz der gesamten britischen Inseln gefunden.Wir fühlen uns ein bisschen verarscht, haben wir doch nach endlosem Rumgegurke den erst dieses Jahr eröffneten nigelnagelneuen Campingplatz beim Falkirk-Wheel gefunden. Ein grosser leicht schiefer Schotterplatz mit Dixie-Klos... für 21 Pfund!

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Und das blöde Falkirk-Wheel können wir auch nicht gucken, weil es tierisch regnet. Und überhaupt. Und einer muss immer die Pfanne festhalten, weil alles so schief ist. Und wir sind nicht mehr in den Highlands, deshalb ist eh alles blöd.

Ich will auf den Arm.

Dienstag, 09.08.2016

Dienstag, oder das haben wir uns verdient.

Heute sind wir mal richtig viel gefahren. 200 km um genau zu sein. Erst über die Skye-Bridge.


Nochmal ein kurzer Stopp an Marins Lieblingschloss und dem dazugehörigen Shop und dann immer weiter auf richtig miesen Strassen bis in die Cairngorns.


Superschön, hach, gleich noch zwei Bilder:


Und weil ich gerade Wlan habe noch zwei. Ihr könnt ja runterscrollen, wenn Euch das langweilt ;-)


Dann endlich der Besuch einer Destillerie, die war zwar geöffnet aber doof. 

Heisst, wir durften nichts probieren, nur kaufen und es gab keine kleinen Fläschchen, nur grosse. Und da sind wir eisern. Wir kaufen nichts, das wir nicht probieren durften. Es lag bestimmt nicht daran, dass die da Flaschen für 750 Pfund verkaufen, neihein!


Also rasch ein Foto für die Galerie und weiter entlang herrlicher Lochs. Dem dritten ist irgendwie das Wasser abhanden gekommen, man sieht an den Knubbel ganz gut, bis wohin es normalerweise steht. Keine Ahnung, was da passiert ist, wir haben nichts angestellt!



Heute abend sind wir in Blair Atholl auf einem 5 Sterne Campingplatz. Wir haben unglaublich heiss geduscht, unsere Nägel manikürt, den Todesstern ausgefegt (Midge-Leichen und Hundehaare hauptsächlich) und Obst gegessen. Jetzt sind wir unbesiegbar.

Der Blick aus dem Fenster, Mylady begutachtet ihre Ländereien:


My Todesstern is my castle:


Spezialnotiz an Sonja: Blair Atholl ist hinter Bruar den Berg rauf. Morgen töten wir keine Midges sondern Fasanpasteten.

Montag, 08.08.2016

Middle of Nowhere Reloaded

Das WLAN im Hafen trug den aufmunternden Namen "Titanic". Also sind wir entspannt an Bord gegangen und merkten: Seefest sind wir. Murmel durfte auch mit an Deck, also thronten wir zu dritt in den fetten Ledersesseln der Aussichtslounge, teilten uns Burgerbrötchen mit gebratenem Speck und Spiegeleiern und waren bester Laune. Hier fahren wir gerade durch das grosse Maul der Fähre in ihren Bauch:


Skye empfängt uns mit Sonne, das haben wir uns nach dem Orkan auf Harris aber auch verdient. In der Skye-Brauerei am Hafen haben wir die Biervorräte nochmal ordentlich aufgestockt und sind dann gleich Richtung Süden getuckert.


 Im Moment haben wir Unterschlupf auf dem Busbahnhof von Portree gefunden und erwägen, die Nacht hier zu verbringen. Wir sind nämlich etwas ermattet von der Tour durch den Ort und dem riesigen Apfelkuchen, den wir gerade vertilgt haben. Ganz möglicherweise auch von dem Whisky, den wir probieren durften. Tipp des Tages: Glendronach 18 Jahre.

Später:
Nach einer kreativen Pause sind wir nochmal durch den Ort gelatscht, beim zweiten Mal war er aber langweilig. Hübscher Hafen, unglaublich fette und kackdreiste Möwen.

Wir sind dann doch noch weiter gefahren und stehen mal wieder wild, middle of nowhere reloaded, aber diesmal scheint die Sonne. Irgendwo zwischen Portree und Sligachan, den Blick fest auf den Old Man of Storr am Horizont gerichtet.



Weil wir wegen des Orkans letzte Nacht und der frühen Fährabfahrt schlagskaputt sind, koche ich uns jetzt ein feines Chili, dann haben wir morgen "Rückenwind" für die Fahrt. 

Übrigens haben wir uns in Portree ein Gälisch-lernen-für-ganz-Doofe-mit-CD-Buch gekauft, schnallt euch also schonmal an, das wird fürchterlich werden.

Am Abend waren wir völlig am Ende, die kurze Nacht, der Ausflug nach Portree, wir nahmen uns vor, nur noch den genialen Sonnenuntergang abzuwarten und dann SOFORT ins Bett zu gehen. Kaum war nur noch der letzte Zipfel der Sonne zu sehen, sprangen wir in die Kojen wie der Road Runner. Nach ein paar Minuten "irgendwas ist anders". Hm... noch hell. Noch hell? Klar, alle Fenster offen, die Türen nicht verriegelt, die Mückennetze und die Jalousien nicht vorgezogen und dann beim Blick durch die Frontscheibe das:


Vielleicht sieht man es, wenn man ins Bild reinzoomt, das Grauen, kaum dämmert es, schon sind sie da, der Fluch Schottlands. Midges IM Todesstern. Wir waren sofort im Blutrausch, wir waren William Wallace  und Rob Roy in Bestform. Es war ein Massaker. Keine Gefangenen. Gute Nacht.

Sonntag, 07.08.2016

Oh jeh...

Der Wind hat nicht nachgelassen. Zusätzlich regnet es quer. 

Etwa 10 Fahrzeuge stehen Schlange vor der Schranke zur Fähre, seit 7 Stunden. Und die lange Nacht liegt noch vor Ihnen. Davon ist nur eines ein Wohnmobil... in einem Kia mit Dachzelt (dass man hier nicht aufklappen kann) sitzt eine Familie mit zwei Kindern. Neben uns auf dem Destillerie-Parkplatz steht ein süsser alter VW-Bus, die haben es ganz gut getroffen, daneben zwei junge Leute mit Ford Focus, Surfbretter obendrauf, Fahrräder hintendran, die ganze Ausrüstung innendrin. Das dürfte schwierig werden. Wir beiden fühlen uns wie Graf und Gräfin Rotz von der Backe und braten Hähnchenbrust.

Seid also unbesorgt, unser einziges Problem ist, dass wir morgen echt früh aufstehen müssen. Ich habe eigentlich nur geschrieben, um den sündteuren Internetzugang abzuwohnen, den ich heute gebucht habe.

Sonntag, 07.08.2016

Hossa!

Das war ja mal ein wilder Ritt...das Gras lag flach, der Sturm hat geweht und der Todesstern hat geschaukelt wie die Hoppetosse auf grosser Fahrt. Mit 30 km/h auf dem Mittelstreifen fahrend haben wir es bis nach Tarbert geschafft.

Da kam einiges an Wasser rechts und links von den Bergen runter, Spontanwasserfälle sozusagen. Bei einem (leider kein Foto) wurde das Wasser am Fuss wieder senkrecht nach oben geweht...es hat nicht richtig geregnet, ab und zu kamen mal so Schwaden die quer über die Strasse wehten, Schwebregen oder so.

Nun sind wir in Tarbert angekommen, es fahren keine Fähren mehr heute. Hoffentlich morgen! Das ist natürlich schlimmer für diejenigen, die hier mit Mietwagen Bed & Breakfast machen und nun sehen müssen, wo sie unterkommen. Wir stehen auf dem Parkplatz der Destillerie, die zu unserem grössten Bedauern Ruhetag hat. Ganz Tarbert hat Ruhetag. Es gibt hier wohl viele Presbyterianer, die am "Sabbat" nicht arbeiten und sich nicht vergnügen. Wie ich las, hat man hier noch bis vor 15 Jahren die Schaukeln sonntags angekettet, damit die Kinder nicht spielen.

 

Zwischendrin reissen die Wolken immer mal auf und dann kommt sogar etwas Sonne durch, aber der Sturm lässt nicht nach. Selbst auf dem geschotterten Parkplatz der Destillerie hat der Todesstern ganz ordentlich Seegang.

Die Schafe meinen, das sei normale Härte und typischer Hochsommer auf Harris und gehen ihren Schafgeschäften nach wie immer.

Wir schlingern im Todesstern von der Kaffeemaschine zum Klo und zurück, mehr gibt es heute nicht mehr zu tun, allen einen schönen Sonntagabend, morgen melden wir uns wieder von Skye, so die Fähre fährt.

Sonntag, 07.08.2016

Ratzupaltuff!

Symbolbild:


Es ist windig. Die Sorte Wind, die es ernst meint. 

Wir stehen noch in Stornoway, bis zu den Steinkreisen sind es zwar nur 25 km, aber die müssten wir dann auch wieder zurück. Und dann 50 km Richtung Süden, weil unsere Fähre morgen um 7:40 Uhr in Tarbert abfährt. 

Also haben wir uns schweren Herzens dazu entschieden, die Steinkreise sich selbst zu überlassen, damit haben wir wenigstens einen Grund wiederzukommen. Als ob wir einen bräuchten...

Gute Nachrichten gibt es auch, es regnet nicht und der Rückweg von der Dusche im Wind hat genügt, die Haare und die Handtücher zu trocknen.

Wir sind einigermassen besorgt, wie sich die Rückfahrt gestalten wird, der Todesstern hat einen cw-Wert wie ein Zweifamilienhaus und die einzige Strasse nach Tarbert führt über die Berge. Zur Not müssen wir uns im Schritttempo von Haltebucht zu Haltebucht tasten. Drückt uns also die Daumen. 
Samstag, 06.08.2016

Nördlicher geht nicht

Hiernach kommt noch Island und dann irgendwann Kanada. We are here:


Und da sieht es so aus:


Und es gibt reichlich Midges, damit die Gegend so schön einsam bleibt:


Aber es gibt eine Stadt und naaaa-türlich ein Castle:


Und es gibt einen sehr hundefreundlichen Campingplatz, unter dem strengen Blick von Lady Murmel of Steòrnbragh hier links im Bild die Three Stooges, die sind nett aber ein bisschen doof, rechts Lollek und Bollek, die sind auch nett, aber ein bisschen dick, hinter uns wohnen Dick und Doof, die sind beides, waren aber gerade beim Gassigehen und sind daher nicht im Bild:



Ach ja die Stadt ist innerhalb von 30 Minuten bequem zu Fuss zu erreichen:



Hier wird der weltberühmte Harris-Tweed gewebt, der darf nur so heissen, wenn er wirklich aus Wolle von hiesigen Schafen und wirklich hier und wirklich von Hand hergestellt wurde. Dies geschieht in herrlichen Etablissements wie diesem hier:



Dort haben wir bei einem unglaublich nettem und lustigem Weber viel Spass gehabt. Wir haben uns durch sämtliche Stoffballen gewühlt und am Ende habe ich einige Meter von diesem herrlichen Stück gekauft:



Das Etikett bekommt man dann dazu, damit man es in das hergestellte Kleidungsstück einnähen kann, um die Echtheit zu bezeugen. Anschliessend sind wir noch bummeln gewesen. Das sind hier alles klitzekleine Läden, in denen man örtliches Kunsthandwerk kaufen kann, wunderschöne Sachen, in der Tat. Besonders hat es uns der keltische Silberschmuck angetan und natürlich alles was aus Tweed hergestellt ist.

Da es auf dem Heimweg ordentlich geregnet hat, sind wir nicht nur pleite und müde, sondern auch nass. Wir beschliessen den Tag also auf der Couch, Murmel hat den Bauch voller Pommes und schnarcht schon, dass die Scheiben klirren. 

Morgen besuchen wir Steinkreise und Strände. Geld für etwas anderes haben wir sowieso nicht mehr.
 
Freitag, 05.08.2016

Karma is a bitch und wegen fehlendem Netz gestern heute 2 Beiträge

Wir sitzen fest in the middle of nowhere.

Die Vorräte gehen zur Neige, das Wasser wird knapp.
Die Kleidung hängt in Fetzen an uns herunter, der Wahnsinn leuchtet aus unseren Augen.
Wir haben uns verschanzt, alle Fenster verhängt um das Grauen nicht sehen zu müssen.
Aber wir können sie hören. Da draußen sind sie. Es müssen Millarden sein. Die Midges aus der Hölle.

Gestern sind wir mal wieder zu Hochform aufgelaufen unter der Überschrift  "Fahr mal da rein, sieht gut aus."

Ankunft auf Harris, die Überfahrt dauerte 1:45 Stunden und war toll, ein bisschen shaky, aber mit grandioser Aussicht auf die ganzen Inselchen, begleitet von fischenden Seevögeln.

Der Plan: erster Schotterparkplatz raus und das mitgebrachte Bier trinken, dann früh schlafen gehen. Nur, es gab keinen Parkplatz. Nur ein Single Track Richtung Norden, wahlweise Richtung Süden. Wir haben uns für den Süden entschieden, was möglicherweise nicht die brillanteste Idee war. Der Track wurde immer schmaler und immer kurviger, die Landschaft ist großartig, eine Art Mondlandschaft aus Steinen, klitzekleinen Seen, Torfmoor und Schafen. Die laufen auf der Straße, die so schmal ist, dass der Todesstern gerade noch mit den Rädern draufpasst, an den Seiten schwebt er über dem Rand. Es ist schon spät, Es gibt nur passing places, die müssen frei bleiben, falls mal Gegenverkehr kommt.

Wild stehen ist hier also nicht, wir brauchen einen Campingplatz. Nach 10 Meilen (und für die braucht man mit dem Dickschiff hier fast eine Stunde) weist ein halb verrostetes Schild auf eine Campsite hin. Links ab. 3 Meilen. "Da fahren wir mal rein, sieht gut aus."


Die Sache mit den Kurven, den Steinen, den Schafen und den Dimensionen der Straße erreicht neue und bisher ungekannte Qualität. Wir kommen noch mit Schrittgeschwindigkeit weiter.
Aber wir kommen an. Die Campsite ist winzig, man muss durch ein enges Tor einen kleinen Stich hoch und das ganze in einer Kurve. Das WoMo gibt alles, Marion flucht, die Kupplung stinkt, keine Chance, hier kommen wir nicht rein. Verdammt. Also gewendet und die drei Meilen zurück zur "Hauptstraße", diesmal strafverschärfend mit einsetzender Dämmerung.

Wir waren ziemlich begeistert, als wir nach kurzer Zeit eine geschotterte Nothaltebucht entdeckten, wir passten gerade noch hinein. In einer einzigen fließenden Bewegung Motor ausmachen - Schlüssel abziehen - zusammenbrechen - Bier aufmachen - Schafe gucken.

Nochmal auf die Karte gucken: Ah, das war die sogenannte "golden road" über die wir noch am Tag zuvor gesprochen haben und vor der der Reiseführer warnt. Räusper.

Am Morgen dann die Erkenntnis: dies ist der Ort, an dem die Midges für die komplette Inselkette gezüchtet werden. Murmel ist das egal.

Heute vormittag haben wir uns dann auf der besser ausgebauten Hauptstrasse durch die Berge Richtung Stornoway begeben, dort stehen wir jetzt auf einem unglaublich gepflegten kleinen Campingplatz. Wir saugen Ihnen den Strom und das Wlan leer, indem wir ALLES angeschlossen haben, was ein Kabel hat. Morgen dann serious shopping in den Tweed Mills von Stornoway. Ihr wisst also jetzt schon alle, was ihr zu Weihnachten geschenkt bekommt.

 

Donnerstag, 04.08.2016

Skye Zwei

Letzer Blick aus dem Fenster, bevor wir uns aufmachen, den Norden von Skye zu umrunden:

 

Der Hammer. Skye ist schon so toll und dann wird es Richtung Norden auch noch immer toller. Also haben wir die Nordspitze umrundet. Auf Single Tracks. Mit dem Todesstern. War das ein Spass. Also für mich...Marion hat echt ganze Arbeit leisten müssen, unser Dickschiff ist wirklich gigantisch gross für die kleinen gewundenen einspurigen Sträßchen entlang der Klippen. Was für eine Aussicht, sen-sa-tio-nell!

Was haben wir nicht alles gesehen heute, erst die Spanier beim Abbauen Ihres ... eh ... Camps, dann den Old Man of Storr, eine gigantische Felsnadel, eigentlich wollten wir raufwandern. Aber es ist für schottische Verhältnisse echt viel Betrieb. Der Parkplatz vor dem Aufstieg ist halt nicht sehr gross, wenn da also 20 Autos stehen, ist er voll. Und unser zierliches Gefährt braucht dann auch noch extra viel Rangier- und Stellfläche, das ist halt der Preis, den man für so viel Luxus zahlt. Vielleicht war es auch das schlechte Karma von gestern, Ihr wisst schon, man soll nicht lästern...

Hier sieht man das gut Stück aus der Ferne:

 

Dafür sind wir wunderbar bis ganz an die Kante vom Kilt Rock gekommen, wo die Welt endet und ein Wasserfall 30 Meter ins Meer stürzt. 

Anschliessend haben wir noch ein kleines Museumsdorf besucht zum Thema "Leben in den Highlands anno dazumal". Das war ganz nett und wir haben als brave Touristen im Souvenirshop ein paar Kleinigkeiten erworben.

Nebenbei: Das Wetter war heute morgen trocken, aber ein bisschen wolkenverhangen, riss aber immer mehr auf und wir haben die Tour ums Nordkap bei strahlender Sonne genossen, dadurch erscheinen die Seen so dunkelblau, es ist grossartig. Ein leichter Wind hält die Midges fern, alles wie bestellt!

Und hier noch de behördlich vorgeschriebene Übernachtungsplatz für Landrover mit Dachzelt:

Wir wollten Abenteuer, wir kriegen Abenteuer. Der Plan war, heute in Uig zu übernachten und morgen eine frühe Fähre nach Tarbert zu nehmen. Die Tickets wollten wir eben kaufen, als man uns mitteilte, dass alle Fähren bis Montag voll sind. Es gäbe noch einen einzigen Platz heute in zwei Stunden. Zurück frühestens am Montag.

Nach kurzer Diskussion und Blick auf die ruhige See haben wir beschlossen, es zu wagen. Das wird jetzt halt ein langer Aufenthalt auf Lewis, ursprünglich wollten wir nur rüber, Tweed-Weberei auf Harris und Steinkreise auf Lewis bestaunen, eine Nacht bleiben und zurück. Jetzt werden wir also gleich für fast 5 Tage auf den äusseren Hebriden ausgesetzt. Möge das gute Wetter mit uns sein...

Hier am Hafen ist die kleine Skye-Brauerei, wir haben uns mit Bier eingedeckt, hoffentlich schmeckt es.

Mittwoch, 03.08.2016

Skye Boat Song

Mittwoch

Der Morgen war sehr entspannt, wir haben nochmal kurz am Castle gehalten, aber der Parkplatz war zu voll und zu eng. Da wir sowieso nach Skye wollten war es uns egal und wir sind abgedampft.

Die Isle of Skye macht ihrem Namen alle Ehre (Skye ist das gälische Wort für Nebel), aber der Nebel hält sich an den knapp 1000 Meter hohen Bergspitzen der Cuillins fest, so dass er nicht stört und toll aussieht. Wir sind über die Skye-Bridge gefahren, Marion, die sonst zwar weder Tod noch Teufel fürchtet, hat die dollsten Töne von sich gegeben. Klang der Brunftschrei des Haggis-Tieres.

Skye ist ... ehm ... eben Skye. Wer da war, weiss was ich meine. Eine unglaubliche Landschaft. Berge, Täler, Fjorde, Wasserfälle, Moore, Heidekraut, dunkelgrün, schwarz und lila sind die vorherrschenden Farben. Es herrscht doch einiger Betrieb, das habe ich bisher noch nicht so erlebt, aber schon deutlich weniger als auf dem Festland und viel weniger als im Süden.

Unternommen haben wir auch einiges, bei der Ankunft auf Skye sind wir erstmal wie hungrige Wölfe durch den lokalen Coop gestreunt, gekauft haben wir auch wie Wölfe: Haggis, noch mehr Haggis, Blackpudding (Blutwurst) und Angus-Beef-Burger. Ach ja, und einen Apfel. Zur Sicherheit. Wegen Skorbut und so.

Gegenüber vom Coop war eine kleine Souvenirbude, da mussten wir natürlich rein. Angefangen damit, dass Marion ihn beim Eintreten mittags um zwei ein herzhaftes "good morning" entgegenschmetterte, habe ich wenig später zwei Ständer mit Armbändern umgerummst. Dann haben wir verschämt zwei Aufkleber gekauft, noch ein wenig small talk gemacht und sind gegangen. In der Tür fiel uns ein, dass wir die Tasche mit den Einkäufen haben stehen lassen, also wieder rein und hektisch den Laden abgesucht, wie so zwei Hühner im Gewitter.
Der Besitzer - so ein kerniger wettergegerbter Insulaner - meinte ziemlich trocken "how did you two make up to here, you must be glad!"* um sich dann auszuschütten vor lachen. Die Reste unserer Selbstachtung zusammenraffend sind wir dann geflohen.

Der Hund hat dazu seine eigene Meinung:

Allzuweit sind wir nicht gefahren, wir übernachten in Sligachan, da gibt es ein Hotel, einen Pub (hat eine Auszeichnung im Fenster hängen "Whisky Bar of the Year 2016" (das überprüfen wir noch) und eine Campingwiese, auf der stehen wir. Links das Moor, dahinter die Cuillins, rechts der Fjord, es ist malerisch.

Im Moor waren wir natürlich auch schon wandern, so anderthalb Stunden, dann hat es aufgehört zu nieseln und binnen Sekunden haben uns die Midges** gefressen. Natürlich hatten wir die Headnets*** nicht dabei, also strategischer Rückzug, jetzt sitzen wir im Wohnmobil zum Cream Tea**** und freuen uns wie Bolle.


* wie habt ihr beide das bloss bis hier hoch geschafft,
ihr müsst ja ganz schön froh sein

** Midges sind winzig wirklich winzig kleine Mücken, die in den Highlands leben um die Gegend einsam zu halten. Durch ein normales Moskitonetz fliegen sie ohne die Flügel anzulegen. Sie fliegen nicht, wenn es regnet, die Sonne scheint oder einigermassen der Wind geht. Also nicht immer. Aber wenn schweben sie in Wolken vom Boden hoch und sie beissen. Alle. Gleichzeitig. Wenn man das eine Stunde mitmacht, ist man reif für die Klapsmühle.

*** Headnets verhindern das mit den Midges und mit der Klappsmühle, das ist ein ultrafeinmaschiges Netz, das man sich über den Kopf zieht. Sieht nicht sehr sexy aus, bewahrt aber die seelische Gesundheit.

****in unserem Falle Scones, so eine Art sehr dicker weicher Kekse und clotted cream, die bekommt man, wenn man Sahne erhitzt, stehen lässt und dann die entstandenen Fettklümpchen (clots) oben absammelt und rührt. Sehr gesund. Zum Glück haben wir noch den Apfel.

Trotz Midges haben wir zwar nicht auf der Pipe aber immerhin auf dem practice chanter (der Übungströte für Piper) wichtig geübt. Headnet war ja jetzt gefunden:

Zu guter Letzt haben wir noch jede Menge ganz schlechtes Karma eingesammelt, uns gegenüber erschien eine spanische Familie, möglicherweise Vater Mutter Oma zwei Kinder, die eine 1A Comedy Show aufgeführt haben bei dem Versuch, eine wenig vertrauenerweckende Markise an einem verbeulten Bus mit einem halbkaputten Moskitonetz sowie diversen Planen, Schnüren usw. zu einer Unterkunft zusammenzubasteln. Anscheinend haben sie das noch nie gemacht. Jedenfalls schlugen sie ununterbrochen um sich wegen der Midges und brüllten sich gegenseitig an. Wir sind ganz schlechte Menschen, wir sind im Todesstern geblieben und haben uns amüsiert.

Für den Fall, dass sich das morgen rächt, kochen wir uns jetzt das letzte Abendmahl.

Es gibt Haggis mit Blutwurst.

Dienstag, 02.08.2016

Sons of Haggis

So, hier das olle Castle:

Hier wurde Highlander gedreht und auch ein James Bond Film und die Wikinger haben die Schotten verhauen, die Schotten die Engländer oder umgekehrt, Marion liebt es.

Wir sind dann auch brav hingelaufen, haben es ordnungsgemäss schön gefunden, aber dann hatten wir Hunger, denn heute gab es Haggis. Die folgenden 3 Bilder wurden innerhalb von 27 Sekunden aufgenommen:

Sons of Anarchy meets Daughters of Haggis.

Ich bitte darum, meine fehlende Ernsthaftigkeit heute zu entschuldigen, ich wurde gezwungen, Rose-Wein zu trinken und bin froh, wenn man mein heutiges Geschreibsel überhaupt lesen kann.

Slainte mhath oder so, gute Nacht.

P.S. Endlich regnet es mal.

Dienstag, 02.08.2016

Nachtrag zu gestern...

weil die Sonne selbst noch im Untergang alles gegeben hat, hier unser Blick nach vorne zum goldglänzenden Fjord und nach hinten zum glühenden Berg:

 

 

Am Morgen sind wir gewandert und haben im Wald ein Schlösschen entdeckt mit einem echt amtlichen Gartenteich.

Murmel hat ein erfrischendes Bad in dem Teich genommen, das sah leider nicht so gut aus und roch auch nicht so prima, aber der Campingplatz hat eine Gartenschlauch zur Verfügung gestellt, wir haben sie saubergemacht und sie sieht toll aus, redet aber nicht mehr mit uns.

Dann sind wir durch die Kintails gefahren und ich habe erheiternde und belehrende Geschichten von mir gegeben um die tapfere Fahrerin zu unterhalten. Warum die Five Sisters so heissen (das sind Berge, die mal Frauen waren, aber beim Warten auf irgendwelche Iren versteinert sind oder so), warum es meiner Meinung nach dieses Jahr so voll im Süden war (weil alle Doofen Outlander geguckt haben und mir jetzt den Urlaub versauen, dabei war die Serie blöd).

Dann haben wir eine Mill besucht und erstmal schön über den Touristenshop gelästert um ihn anschliessend halb leer zu kaufen.

Weil Eillean Donan Castle Marions Lieblingsschloss ist, haben wir heute einen Stellplatz gewählt, von dem aus sie es durch ihr Schlafzimmerfenster sehen kann. Gleich wackeln wir mal darüber, vielleicht nehmen wir die Pipes mit und einen Hut, wer weiss, ob wir uns nicht das Geld für die Fähre morgen verdienen können.

Montag, 01.08.2016

Ähm...Montag?

 Der Mann hatte recht, wir stehen quasi im See.

Hier der Blick aus dem Esszimmerfenster, das Esszimmer befindet sich übrigens im Südflügel des Todessterns.

 

 

 .

 

Wir haben toll geschlafen und morgens die Enten geärgert.

Dann sind wir so erschöpft gewesen, dass wir uns umgehend nach Tyndrum bewegt haben, wo es UK's best Fish & Chips gibt. Die haben wir dann auch gefrühstückt. Um elf Uhr. Ist ja schliesslich ein Diäturlaub.

Frisch gestärkt und mit 2 Pfund hausgemachtem Kuchen im Gepäck (für Notfälle) sind wir dann durch den Glen Coe gefahren. Keine Bilder. Waren zu sehr beschäftigt mit gucken. Also ich. Marion hat gegen die Lkw um unser Leben gekämpft. Wer's nicht kennt soll googeln oder herkommen. Oder Sonja fragen, die hat glaube ich ein Bild von jedem Meter dieses Tals und damit habe ich auch glücklicherweise jede Menge. Da ich das letzte Mal vor sieben Monaten hier war hat es sich angefühlt, als sei ich nur kurz weg gewesen und es war grossartig.

Der Superduper Campingplatz in Invercoe direkt am Fjord hatte zum Glück Platz für uns. Jetzt stehen wir VOR dem Hobbit House, in das wir uns so verliebt haben und freuen uns mit den Leuten, die diesmal darin wohnen. Es ist schon voll hier - für schottische Verhältnisse - weswegen wir uns morgen weiter Richung Hebriden aufmachen. 

Weil wir ja so fleissig waren und weil das Wetter fantastisch ist, haben wir uns einen freien Nachmittag gegönnt, mit kurzer Hose und T-Shirt in der Sonne gesessen, gelesen, gedöst, Murmel hat die Nachbarn rechts und links bespasst. Dafür hat sie Muffins bekommen. Rechts und links. Dann hat sie ein paar Kindern die Angelköder weggefressen. Sehr peinlich das. Zur Strafe hat sie jetzt einen Kaugummi im Fell. Vielleicht haben wir Glück und sie ist jetzt so klebrig, dass sie ein bis zwei Pfund Hundehaare damit im Todesstern einsammelt. 

Sonntag, 31.07.2016

Veggie Day

Wir sind Fans von M+S Foodhalls. Das sind winzige Lebensmittelläden z. B. an Tankstellen, die nur Essen verkaufen, frische Sachen in kleinen verzehrbereiten Portionen. Gestern Mittag haben wir ganz vernünftig Obstsalat und Farfalle mit Spinat, Pinienkernen und Parmesan gekauft und mit grossem Genuss verzehrt. Zum Ausgleich haben wir dann am Abend als Beilage zu unseren Burgern Thunfisch und gegrilltes Hühnchen gegessen. Räusper. Heute abend gibt es Bolognese, damit wir nicht später unsere Zähne in ein armes Schaf schlagen.

Ich habe heute grosse Reden geschwungen und das hat sich prompt gerächt. "Fahr nach Balmaha" habe ich gesagt. "Der beste Campingplatz der Welt! Und so schön ruhig!" habe ich gesagt. "Och, der Weg...hmmm...ist ein bisschen. kurvig, eine leicht steile Stelle und ein bisschen hobbly-wobbly, aber das geht alles ganz gut." habe ich gesagt. 

Je nun, Marions robustes Gemüt ist es zu verdanken, dass sie mich nicht auf dem Weg umgebracht hat, denn ich hatte nicht so richtig umrissen, wiiiiiieeee gross dann doch der Unterschied zwischen Landy und Todesstern ist. Und hat es mit  "da kommen wir nicht rum, da kommen wir nicht rauf, da kommen wir nicht rüber" zwischen den Zähnen hervorstossen tatsächlich geschafft, uns dahin zu bringen. Leider war der Platz voll. Ähem.

Immehin war es schön da:


Und lustige Schotten sind im See rumgefahren:


Dann haben wir das ganze Spiel nochmal in die andere Richtung gespielt. Leider hatten sie in Balloch auch keinen Platz für unseren Palast. Aber dort gab man uns den Tipp, an der Duck Bay Marina könne man frei stehen. Und das zeige ich Euch gleich, Essen ist fertig. 
Samstag, 30.07.2016

Bildchen zu Samstag

Doofe Blogger-App ist doof. Deshalb neuer grosser Beitrag für kleine Bilder.

Samstag, 30.07.2016

Samstag

Gestern haben wir Grentham auf einem Campingplatz übernachtet.

Der war wohl was für alte Angler, mittelalte Leute mit Kindern und junge Leute mit Ghettoblastern. Jedenfalls wurde reichlich geangelt, rumgerannt und laute Musik gehört. Uns hat es nicht gestört, wir haben Ihnen den Inhalt des Brauchwassertanks als Dank hinterlassen und uns Richtung Schottland aufgemacht.

Eigentlich wollten wir uns York anschauen, Bildungsprogramm und so, aber das ging nicht weil York geschlossen war. Deshalb sind wir nach Lochcarron gefahren um in der Weberei, die unseren Bandtartan herstellt mal ernsthaft einzukaufen.

Das war eher mittel erfolgreich, na ja, ich bin zuversichtlich, dass wir unser Geld schon noch loswerden, einen guten Anfang haben wir im Supermarkt in Selkirk gemacht, die haben jetzt keine Burger mehr...

Marion kocht jetzt gerade, wir haben einen hübschen Platz gefunden mit Blick auf Schafe an Hängen, Schafe an Bächen, Schafe an ... na ja Ihr wisst, was ich meine. Das nächste Gebäude ist ein winziger geschlossener Bahnhof an dem ein Schild hängt "Bats in Structure". Also haben wir erstmal die Fledermäuse geärget und Dudelsack gespielt. Hat sie nicht beeindruckt, wer weiss, vielleicht rächen sie sich erst heute nacht, ich werde berichten.
Freitag, 29.07.2016

4 Stunden Stau

Allzu zu weit sind wir nicht gekommen, aber wegen eines Handstand-Überschlags eines LKW auf der M11 haben wir ewig im Stau gestanden. An London muss man halt vorbei.

Manchmal muss man sich eben sehr anstrengen, um Erholung zu finden. Aber jetzt sitzen wir am See, wärmen schonmal mit Whisky vor und wissen, dass wir morgen besser vorankommen.

Morgen kauft Marion mir einem Fahrradhelm. Die Dimensionen des Todessterns verführen mich zu raumgreifenden Bewegungen und ich habe mir schon vierzehnmal den Kopf gestoßen, zwölfmal an der gleichen Ecke.

Freitag, 29.07.2016

Very British 

Hahaha, sind gerade von dem coolen Truck Stop verjagt worden, aber auf die britische Art: "es tut uns unglaublich leid, aber Sie können hier nicht stehen bleiben, diese Plätze sind für die richtig großen Laster, aber wir laden Sie ein, gebührenfrei auf das andere Gelände zu fahren, dass auch etwas hübscher ist."

Man muss sie einfach liebhaben.
Freitag, 29.07.2016

Alles ganz anders...

Ok. Zugegeben. Ist schon praktisch. Kühlschrank, Klo, Dusche, Platz ohne Ende. Komfortabel und luxuriös. Ich genieße das sehr. Die kleine Landy-Stimme in meinem Kopf sagt aber immerzu spöttisch "soooo kann das ja jeder, pöh!"

Ist also mein Alternativplan, wenn ich irgendwann zu alt und zu klapprig für den Landy werde.

Heute noch nichts allzu spannendes, mildes Globetrotter-Lächeln auf der Fähre, als alle an der Reling stehen und die weißen Felsen fotografieren, lässig im Linksverkehr und nun auf dem Truckstop eine Kaffeepause eingelegt.

Der sportliche Plan für heute: Wir wollen es bis nach Lancaster schaffen und auf dem schönen Dünenplatz in Bolton-le-Sand übernachten. Aber dafür müssen wirst erstmal um London rum.

Grüße an alle, das Wetter ist übrigens prima, bisschen wolkig aber kein Regen und nicht so eklig heiß wie zu Hause.
Samstag, 23.07.2016

Bald geht's wieder los

Diese Mal mal wieder im Sommer, und ein fettes Upgrade gibt es auch.

Das erste Mal war ich in Schottland mit Kind und Kegel und Schwiegereltern in der Ferienwohnung mit Mietwagen, beim zweiten Mal zu dritt mit dem Landy und Übernachtung in Hotels oder Bed&Breakfast, beim dritten Mal zu zweit im Landy auf der Baudiele übernachtet mit Gepäckzelt, beim vierten Mal im neuen Klappdach auf dem Landy, dieses Mal also wieder anders, ich verreise mit einem Wohnmobil.

Nicht dass Ihr denkt, ich sei weich geworden, es hat sich so ergeben. Meine liebste Reisebegleitung ist verhindert, und da habe ich das Angebot meiner Bandkollegin angenommen, mit ihr im - von mir liebevoll so getauften - Todesstern zu verreisen. Ob ich soviel Luxus überhaupt kann? Ich nehme meine Kelly Kettle auf jeden Fall mit, ohne Feuermachen wenn es gerade quer regnet ist Schottland nur der halbe Spass!

 

Dienstag, 19.07.2016

Videos

 

 

 

 

 

Samstag, 31.10.2015

Nachlese

Wie ich mir jetzt die Bilder ansehe, stelle ich fest, dass sie nicht wiedergeben, wie toll es im Nordwesten ist. Wenn man da durch diese Gegend läuft/fährt, ist man auf jedem Meter und in jede Richtung von derart tollen Aussichten umgeben, das kann ein Foto gar nicht zeigen. 

An vielen besonders schönen Stellen war das Licht auch nicht so, dass man mit meinem Handy wirklich schöne Aufnahmen davon machen konnte.

  
Ich versuche nochmal, ein paar besondes schöne hochzuladen, aber es bleibt dabei, man muss es selbst gesehen haben. Zudem sind sowohl die Engländer als auch die Schotten dermassen freundliche offene zugewandte Leute, wir hatten nun auch auf der dritten Tour kreuz und quer üb die Insel ausschliesslich nette Begegnungen. In jedem Shop/Pub/Campingplatz gab man uns immer das Gefühl, dass man sich freut uns zu sehen.


Der Linksverkehr ist übrigens kein Problem. Wenn man es erstmal nach zweimal tief durchatmen geschaffte hat, linksrum in einen Kreisel zu fahren (und davon gibt es da Millionen, auch auf Autobahnzubringern, dann mit 8 Spuren) ist es ganz easy und macht sogar Spass. Dieses Mal habe ich nur ein ganz kleines Hupkonzert provoziert, als ich einmal der Meinung war in einen Kreisel zu fahren, war aber leider ausnahmsweise mal eine Kreuzung. Als ich es bemerkte und eine Vollbremsung hinlegte, blieben alle - wirklich alle - anderen Autos stehen und die Fahrer winkten mich freundlich lachend zurück in die richtige Spur.

Was wir dieses Mal verpasst haben:

Wir hätten gerne die Orkney Inseln besucht, aber durch den Sturm fuhr keine Fähre. 

Den Landschafts-Aussichtsoverkill auf der Insel Skye haben wir wegen Starkregen ausfallen lassen, das machen wir beim nächsten Mal wieder.

Durch die späte Jahreszeit war es leider jeden Tag schon um 17 Uhr stockfinster, da es erst auch um 8 Uhr hell wurde fehlten uns im Gegensatz zum Sommer jeden Tag 4 Stunden Tageslicht, in der Zeit hätte man viel erleben können.

Leider haben wir auch nicht die endlosen weissen Sandstrände besucht, wir wurden in Thurso vom Wind gestoppt.

Dafür sonnen wir uns im Gefühl der eigenen Tapferkeit, bei teilweise 3 Grad im Zelt, Regenwasser von aussen, Kondenswasse von innen, Wind von überall haben wir uns gegenseitig den Braveheart-Award verliehen.

Im Sommer hat man halt das Problem mit den Midges, davon erzähle ich dann :) 

Ich hoffe noch, dass es mir gelingt, ein paar Videos hochzuladen.

Donnerstag, 29.10.2015

Seebestattung

Heute am Strand von Blackpool/Fleetwood standen 3 ältere Damen und warfen abwechselnd etwas in die Wellen.

Als wir näher kamen erkannten wir, dass sie dort Asche aus einer Urne ins Meer streuten. Respektvoll haben wir einen Bogen um die Damen gemacht um nicht zu stören und querten sie gerade mit dem Wind, als sie beschlossen, den kompletten Inhalt der Urne mit einigem Schwung auszuleeren und der Wind wehte es resolut in unsere Richtung. 

Ihr habt ja keine Ahnung wie schwierig es ist, sich einigermaßen würdevoll Totenasche aus dem Haaren zu schütteln, aus den Augen zu pulen und zwischen den Zähnen zu zerknirschen. Wir gehen jetzt duschen.

PS

Die Blunen, die sie warfen haben es auch nicht bis in die offene See geschafft. 

  
Mittwoch, 28.10.2015

Letzte Blicke in die Highlands

   
   
Ich hatte mir noch ein schönes Cape gekauft damit ich wie Braveheart aussehe, aber es wurde mir gestohlen:

  
Jetzt übernachten wir in Blackpool bei Vollmond.

  
Mittwoch, 28.10.2015

Balloch

Am Loch Lomond regnet es so arg, dass die Uferstraße teilweise überflutet war, das war ein Heidenspass, Wasserfontänen bis übers Autodach zu erzeugen. In Balloch ließ der Regen nach, so dass wir nochmal in dem tollen Park lustwandeln konnten:

   
   
Mittwoch, 28.10.2015

Kleine Verluste

Da der bisher schlimmste Verlust (Ehering) wieder aufgetaucht ist, müssten wir den Reisegöttern ein paar andere Dinge  opfern. Bisher:

Ein quietschblauer Wasserkanistet (15 Liter) den wohl nur wir auf der quietschgrünen Wiese übersehen könnten. Wahrscheinlich waren wir abgelenkt...das war für den Gott der schönen Aussicht.

Ein Hundenapf, den wir zwar 200 Metet weg vom Auto wiederfanden, der aber völlig zerstört war, der ging an den Gott des Sturms von Thurso.

Dem Gott der binären Dinge hat Sonja den Akku ihrer Kamera dargebracht, die lädt nämlich nicht mehr.

Dem Gott mit Namen "oh guck mal kann man da raufklettern" habe ich meinen Autoschlüssel vermacht, der hat ihn an den Meeresgott weitergereicht, denn als wir den Verlust bemerkten und suchen wollten, war der Felsen weg, je nun die Sache mit Ebbe und Flut werde ich mir nie merken können.

Und ansonsten:

Wir verloren recht häufig die Fassung beim Anblick von Naturschönheiten, ganz selten die Nerven, aber nie die Freude an diesem tollen Land und nie den Wunsch immer wieder zu kommen.

Mittwoch, 28.10.2015

Gestern

Gestern haben wir eine Burg besichtigt, die man nur bei Ebbe erreichen kann. Der Weg dahin führte über die von mir sehr geschätzten Single Track Roads, das sind Straßen, auf denen man zwar in beide Richtungen fahren darf, aber nicht kann. Die ziehen sich über viele Kilometer hin und funktionieren hauptsächlich nur wegen der britischen Höflickkeit. Wir haben das mal gefilmt, das lade ich hoch, wenn ich mal wieder WLAN habe. So sieht das aus:

  

  
Die Burg war super, wir waren nur ein bisschen spät dran und konnten nicht mehr rübergehen, als wir kamen rannten gerade eiligst ein paar Engländer mit den Schuhen in der Hand durch das unglaublich schnell steigende Wasser, das Video hierzu später:

  

  
  

  
Hier mal noch Aufnahmen mit uns, damit Ihr uns auch glaubt, dass wir nicht mogeln:

  

   
   

  
Da man hier nie so genau weiß, ob man an einem See, einem Fjord oder einer Verbindung zwischen beidem ist, nehme ich manchmal einen Schluck Wasser zum testen ;)

  

  
Das ist übrigens die berühmte Bahnstrecke aus Harry Potter. Von der anderen Seite ist es cooler, da es ein freistehendes Viadukt in einer Kurve ist. DAS ist ein geklautes Bild, der Zug war nicht da als wir da waren, der fährt hier zweimal am Tag:

  

  
Am Fuß gibt es einen Shop, wo man alle - wirklich alle - Harry Potter Devotionalien kaufen kann, von Repliken aller Zauberstäbe, die je einer geschwungen hat bis hin zum Schlüsselanhänger des Ministeriums für Zauberei.

Heute ist das Wetter wieder so:

     

Aber es ist Zeit wieder Richtung Süden zu fahren, schweren Herzend werden wir unsere Schlaftomne räumen und Richtung Glasgow aufbrechen. Aber der Weg führt noch einmal durch den gesamten Glencoe.

 

 
Dienstag, 27.10.2015

Loch Dingsda

  
Dienstag, 27.10.2015

Tag am Meer mit Blick auf Skye

   
 
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